Interview von

Geldanlage: Lernen
Sie von den Reichen

Tipps von Star-Investor und Mehrfachmillionär Jim Rogers

Star-Investor Jim Rogers © Bild: imago/ZUMA Press

Vor 32 Jahren küsste er mit seiner Empfehlung österreichischer Aktien die Wiener Börse wach. Aktuell investiert Mehrfachmillionär Jim Rogers lieber in Russland und in US-Dollar. Bei Immobilien und Gold zögert er noch. Einige Tipps des Star-Investors.

Hallo, Jim, ich erwische Sie gerade in Japan. Was kaufen Sie dort?
Ich bin auf der Insel Hokkaido im Skiurlaub mit meiner Familie.

Das könnten Sie auch bei uns. Und wenn Sie schon da sind, könnten Sie nochmals die Börse in Wien ankurbeln.
Ich liebe Ihre Stadt und meine Tochter den Kakao im Hotel Imperial. Mich interessieren heute mehr die Wiener Apartments als ihre Aktien. Seit Langem suche ich etwas Passendes für meine Familie. Doch in Wien sind Immobilien, so wie in anderen Hotspots, die mich interessieren, Hongkong und Singapur, viel zu teuer. Da warte ich weiter auf die Korrektur.

Apropos. Seit fünf Jahren warnen Sie schon vor einem weltweiten Finanzcrash wegen der exorbitanten Staatsschulden. Wir sollten uns 2013 fürchten und 2014 in Panik geraten. Wir schreiben das Jahr 2017, die US-Notenbank hat jüngst die Zinsen wieder angehoben, weil die Wirtschaft so brummt.
Sie haben recht. In den USA lief es noch lange überraschend gut. Doch damit wird es bald vorbei sein, wenn man nicht mit der schwachsinnigen Gelddruckerei aufhört, die die Aktienpreise künstlich oben hält. Und diesmal kracht es noch gewaltiger als 2008, weil die Schuldenberge um einiges höher sind. Die USA werden kollabieren, und mit ihnen die Weltwirtschaft.

Wenn es um die Volkswirtschaft Nummer eins so schlimm bestellt ist, warum halten Sie den Großteil Ihres Vermögens dann noch in Dollar?
Gerade deshalb! Wenn die Panik ausbricht, flüchten alle in den vermeintlich sicheren Hafen Dollar. Und dann gehe ich raus und wechsle in Gold und den chinesischen Renminbi, der bis dahin schon voll konvertierbar sein wird.

Wann wird das sein?
2016.

Wie?
Eigentlich sollte Chinas Volkswährung längst frei konvertierbar sein. Ein Politikum. Es wird heuer oder spätestens 2018 sein.

Sie wollen dann in Gold anlegen, wo sie neuerdings jeden davor warnen, die Finger vom Edelmetall zu lassen?
Wie Sie wissen, habe ich ein beträchtliches Goldvermögen, und das rühre ich auch nicht an. Ich würde nur aktuell kein Gold zukaufen, weil der wichtigste Goldkäufer, die indische Mittelschicht, nach der Währungsabwertung auslässt. Ich rechne noch mit einem Rückschlag unter 1.000 Dollar pro Unze. Dann wird es wieder interessant, einzusteigen.

Wenn Gold derzeit keine Alternative zu Geld ist: Sind es Bitcoins?
Ich bin mir sicher, dass die Digitalisierung von Geld sich nicht aufhalten lässt. Doch die Preisbildung kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Also bin ich dort nicht investiert.

Was ist mit dem Euro?
Ich befürchte, die Welt wird eine starke Währung brauchen, um die hohe Verschuldung zu bekämpfen. Die sehe ich nicht im Euro. Zu viele Politiker machen Stimmung, die EU oder den Euro zu verlassen.

In was würden Sie dann als vorsichtiger Österreicher anlegen?
In alles rund um die Landwirtschaft: in Agrarrohstoffe, Produzenten von Landmaschinen, Lebensmittel, Düngemittel oder Saatgut. Reiche kaufen ganze Farmen auf.

Warum werden Sie nicht Bauer?
Weil mir das dann doch nicht so liegt. Ich bin lieber Investmentbanker. Das macht mir Spaß, da kenne ich mich aus - eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Veranlagung. Man muss nicht direkt in die Landwirtschaft investieren. Es geht auch über Agraraktien oder Index-Investments.

Vor drei Jahren haben Sie mir nach einem Besuch Moskaus aufgeregt erzählt, dass Sie in Aeroflot und in einen Russland-Indexfonds investiert haben.
Haben Sie sich die Aktie von Aeroflot angesehen? Sie ist in den letzten zwei Jahren über 350 Prozent gestiegen. Ich beobachte die russische Börse seit 1966. Jahrzehnte war sie ein Bärenmarkt (fallende Kurse, Anm.). Jetzt rollt der Rubel langsam wieder auf dem gesamten russischen Kapitalmarkt. Ich sitze seit 2014 im Aufsichtsrat des russischen Düngemittelherstellers Phosagro. Eine boomende Branche, die abhebt, wenn die Sanktionen fallen. Ich liebe auch russische Staatsanleihen, die zehn Prozent Rendite bringen. Mit dem Einstieg warte ich noch den Preisverfall bei Öl in den nächsten Wochen ab. Der Rohstoff ist die wichtigste russische Einnahmequelle und wird somit auch die Bondpreise noch weiter runterziehen. Erst dann macht es Spaß, dabei zu sein. Auch bei Öl!

Jim Rogers
US-Star-Analyst Jim Rogers war es, der 1985 mit seinem "Geheimtipp Österreich" das Parkett rockte. Wiener Aktienkurse stiegen um 130 Prozent, Umsätze versechsfachten sich. Reich wurde Rogers schon 1969. Mit Spekulant George Soros gründete er den legendären Quantum Fund. Rogers ließ sich auszahlen, bereiste die Welt und erkannte frühzeitig den Rohstoff-, Börsen- und Wirtschaftsboom in Asien. Mit seiner dritten Frau, Paige, und zwei jungen Töchtern lebt der 74-Jährige in Singapur. Aktuell sucht Rogers Investmentchancen in Nordkorea und wartet auf den weltweiten Crash: "Spätestens 2018 wird es so weit sein."