Gelbe Karte schockt US-Finanzwelt:
Ratingagentur sieht Topbonität in Gefahr

Erfasst Schuldenkrise nach Europa nun auch USA? Aktienmärkte nach Entscheidung auf Talfahrt

Die Schuldenkrise droht nach Europa nun auch die USA zu erfassen. Die mächtige Rating-Agentur Standard Poor's warnte den weltgrößten Schuldner überraschend vor einem Entzug der Bonitäts-Bestnote "AAA", indem sie den Ausblick für die Bewertung der Kreditwürdigkeit auf "negativ" senkte.

An den Finanzmärkten schlug die Entscheidung hohe Wellen: Die Börsen beiderseits des Atlantiks gaben deutlich nach, der Dollar und US-Staatsanleihen verloren an Wert. Dagegen verteuerte sich Gold, das als sichere Anlage in Krisenzeiten gilt, auf einen Rekordwert von 1.490,30 Dollar (1.044,0 Euro).

Kein Anzeichen zur Trendwende
"Mehr als zwei Jahre nach Beginn der aktuellen Krise haben sich die US-Politiker noch immer nicht geeinigt, wie sie den finanzpolitischen Abwärtstrend umkehren oder den langfristigen Finanzdruck angehen", begründete SP die Entscheidung. Die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts der Bestnote innerhalb von zwei Jahren bezifferte SP auf mindestens ein Drittel.

Große Defizite
Die USA hätten im Vergleich zu anderen Ländern mit der Bestnote "AAA" - wie etwa Deutschland - sehr große Haushaltsdefizite, erklärte SP. "Wie diese reduziert werden sollen, ist uns nicht klar."

Kritik aus USA
Die US-Regierung antwortete mit scharfer Kritik auf die Drohung von SP. "Der negative Ausblick unterschätzt die Fähigkeit der Führer Amerikas, gemeinsam die schwierigen finanzpolitischen Herausforderungen anzugehen, vor denen die Nation steht", erklärte Finanzstaatssekretärin Miller. Die beiden großen politischen Lager stimmten darin überein, das Staatsdefizit zu senken.

Vorstellungen gehen auseinander
Zwischen Demokraten und Republikanern besteht zwar grundsätzlich Einigkeit darüber, dass das ausufernde Defizit dringend reduziert werden muss. Allerdings hat der erbitterte Streit über die Schuldengrenze erst in den vergangenen Wochen erneut gezeigt, dass die Vorstellungen über das konkrete Vorgehen weit auseinanderliegen.

Mehr als eine Billion Dollar Neuverschuldung
Wegen der Finanzkrise und der von ihr ausgelösten schwersten Rezession der Nachkriegszeit hat sich der Schuldenberg der USA auf mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht. Die Neuverschuldung beläuft sich in diesem Jahr auf mehr als eine Billion Dollar und dürfte noch weiter steigen. Finanzminister Timothy Geithner hat den Kongress erst am Wochenende zu einer Erhöhung der Schuldengrenze von derzeit 14,3 Bill. Dollar aufgefordert.

(apa/red)