"Gelb für den Referee": Schiri Iwanow
nach buntem Kartenspiel unter Beschuss

Blatter übt harte Kritik am Hauptdarsteller der Partie Scolari: "Manchmal wie Krieg", Van Basten: "Chaos"

Der russische Schiedsrichter Walentin Iwanow hat im WM-Achtelfinale zwischen Portugal und den Niederlanden das gemacht, was ein guter Unparteiischer nie machen sollte: Er hat die Rolle des Hauptdarstellers übernommen. Iwanow, der bereits im Gruppenspiel Frankreich - Schweiz (0:0) einen unsicheren Eindruck gemacht hatte, verteilte nicht weniger als vier Gelb-Rote sowie acht Gelbe Karten und erntete für diesen neuen WM-Rekord harte Kritik von allen Seiten. Sogar FIFA-Präsident Sepp Blatter meldete sich zu Wort und forderte die "Gelbe Karte für den Referee".

"Der Schiedsrichter befand sich heute nicht auf demselben Niveau wie die Mannschaften und Spieler", erklärte Blatter in einem Interview mit dem portugiesischen TV-Sender SIC. "Es hätte Gelb für den Referee geben müssen", meinte der Schweizer und fügte hinzu: "Es war ein dramatisches Spiel mit vielen Emotionen und einem verdienten Sieger. Eine große Show, leider mit einem Schiedsrichter, der nicht stark genug war, dem mangelnden Fairplay einiger Spieler entgegen zu treten."

Der 45-jährige Iwanow, Lehrer und Musikliebhaber, brachte sich gleich zu Beginn selbst in die Bredouille, als er in den ersten sieben Minuten gleich zwei Niederländer verwarnte. Dann wiederum verabsäumte er es, Oranje-Verteidiger Boulahrouz auszuschließen, als dieser Cristiano Ronaldo brutal in den Oberschenkel trat und so aus dem Spiel nahm.

Nach dem 1:0 durch Maniche (23.) war Iwanow den Profi-Mätzchen, vor allem der portugiesischen Akteure, hilflos ausgeliefert. Am Ende saßen die Portugiesen Costinha, der wegen absichtlichen Handspiels zu Recht die zweite Gelbe sah, und Deco sowie die Oranje-Akteure Khalid Boulahrouz und Giovanni van Bronckhorst vereint im Kabineneingang.

"Schade, dass in der zweiten Hälfte kaum Fußball gespielt wurde", meinte Bondscoach Marco van Basten und konkretisierte: "Der Schiedsrichter zerstörte das Spiel und Portugal hat Erfahrung, Tricks und Zeitverzögerungs-Möglichkeiten genutzt. Wir konnten einfach nicht spielen. Es war ein absolutes Chaos und das darf bei einer WM nicht sein." Portugals Teamchef Luiz Felipe Scolari verwies auf seine Erfahrung aus Südamerika: "Manchmal ist es wie Krieg. Wie in der Copa America."

Vor allem die zweite Gelbe für Deco, der den Ball nach einem Pfiff weggerollt hatte, stieß Scolari aber sauer auf: "Er ist dabei klar gestoßen worden. Das war eine falsche Entscheidung." Mark van Bommel, der so wie seine Teamkollegen Van der Vaart und Sneijder sowie die Portugiesen Nuno Valente, Ricardo, Maniche, Petit und Figo verwarnt worden war, erklärte nach der Partie: "Die Portugiesen haben sich um nichts klüger angestellt als wir, aber der Schiedsrichter hat ihnen alles durchgehen lassen." Die Trainer wiederum beschuldigten beide das jeweils andere Team, das Fairplay mit Füßen getreten zu haben.

Die Verlierer des Abends waren wohl alle jene, die in Erwartung eines auf hohem Niveau stehenden Schlagabtausches zweier Top-Mannschaften ins Nürnberger Frankenstadion gekommen waren.

(apa/red)