Gekipptes Rauchverbot von

Ungesunder
Deal

Renate Kromp © Bild: Ian Ehm/News

Mit dem Kippen des Rauchverbots beweisen Kurz und Strache, dass es ihnen nicht "um die Zukunft unserer Kinder" geht.

Die Phrase, dass es ihnen mit ihrer Politik "um die Zukunft unserer Kinder" gehe, sollten Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache einfach aus ihren Sonntagsreden streichen. Denn mit dem Kippen eines strengen Rauchverbots in Gastronomiebetrieben, wie es im Mai 2018 eigentlich in Kraft treten hätte sollen, beweisen die beiden das Gegenteil.

Bei Herrn Strache wundert einen das nicht. Er ist leidenschaftlicher Raucher und betreibt in diesem Fall seine höchstpersönliche Interessenpolitik. Ihm und anderen militanten Rauchern kann man sagen: Es geht nicht um ihre persönliche Sucht, die sie in ihren eigenen vier Wänden, in Gastgärten, im öffentlichen Raum leicht befriedigen können. Es geht auch nicht darum, ihnen die Wirtshausbesuche aus reiner Bosheit mieszumachen.

Es geht darum, dass junge Menschen nicht in Versuchung kommen, mit dem Rauchen anzufangen. Denn das tötet -und das hat sich längst bis ins letzte Raucherkammerl durchgesprochen. Es gibt wohl keinen Raucher, der ernsthaft diese Gefährdung Jugendlicher verantworten will. Gelegenheit macht Raucher. Teenager, die mit ihren Freunden abends um die Häuser ziehen dürfen, werden eher zur Zigarette greifen, wenn das in Lokalen möglich ist. Ob Wirte unter 18-Jährigen dann wirklich die Tür weisen?

Herr Kurz hat deshalb echten Erklärungsbedarf. Er raucht selbst nicht. Er hat darüber hinaus als erstes ÖVP- Mitglied die Initiative "Don't Smoke!" unseres 2015 an Lungenkrebs verstorbenen Freundes und Kollegen Kurt Kuch unterschrieben. Und er war, bevor er zum Kanzler in spe wurde, viele Jahre lang Obmann der Jungen ÖVP.

Zu glauben, dass man als Chef einer Jugendorganisation Politik zum Wohl junger Menschen macht, war offenbar ein jahrelanger Trugschluss in der österreichischen Politik. Andernfalls würde man gerne wissen, was genau Sebastian Kurz dazu gebracht hat, in den Regierungsverhandlungen diesem ungesunden Deal zuzustimmen.

Die ÖVP hat sich vom Beginn der Verhandlungen an auf die Freiheitlichen als Koalitionspartner festgelegt. Nun ist man deren Launen mehr oder weniger ausgeliefert und muss offenbar Zugeständnisse machen. Wie weit diese noch gehen, wird man demnächst an der Verteilung der Ministerien sehen. "Verhandeln auf Augenhöhe", wie es die ÖVP der FPÖ anfangs nobel zugestand, bedeutet etwas ganz anderes, wenn eine der Parteien im Umfallen begriffen ist.

Das merken offenbar auch die ÖVP-Politiker in den Ländern, wo man für gewöhnlich mehr Gespür für die Stimmung in der Bevölkerung und politische Vernunft hat. Erstmals in der Ära Kurz gibt es offene Kritik. Ob da das "Durchgriffsrecht" im Parteivorstand reichen wird?

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: kromp.renate@news.at

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