"Geistig völlig normal": Amstettner Inzest-
Vater Josef F. wird vor Gericht gestellt

73-Jährigem droht Verurteilung wegen Sklaverei Ermittlungs-Akten umfassen mehr als 1000 Seiten

"Geistig völlig normal": Amstettner Inzest-
Vater Josef F. wird vor Gericht gestellt © Bild: APA/Polizei

Josef F. hat seine Tochter 24 Jahre lang im eigenen Keller gefangen gehalten. Er hat mir ihr sieben Kinder gezeugt und vielleicht sogar eines der Babies getötet. Und so unverständlich das auch klingen mag: dieser Mann ist laut psychiatrischem Gutachten "voll zurechnungsfähig". Eine geistige Erkrankung könne "ausgeschlossen werden" und auch ein "permanenter Rauschzustand" über einen Zeitraum von 24 Jahren sei bei dem 73-Jährigen "unmöglich", so das Fazit.

Das psychiatrische Gutachten über Josef F. umfasst 130 Seiten. Die "volle Zurechnungsfähigkeit" werde dem 73-Jährigen "im gesamten Tatzeitraum von etwa 24 Jahren" attestiert, so Gerhard Sedlacek, Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten. "Das bedeutet, dass gegen den Beschuldigten beim Landesgericht St. Pölten Anklage erhoben und er sich als Angeklagter vor einem Geschworenensenat zu verantworten haben wird."

Ermittlungen umfassen 15 Aktenordner
Die Ergebnisse des Ermittlungsverfahrens sind im bisher 15 Bände - mehrere 1.000 Seiten - umfassenden Akt dokumentiert und werden in die Anklageschrift einfließen. Deren Fertigstellung wird voraussichtlich bis zur ersten Novemberwoche dauern, erläuterte Sedlacek.

Anklage wegen Versklavung?
Seitens der Staatsanwaltschaft wurde betont, dass vor Fertigstellung "keine Auskünfte über den voraussichtlichen Inhalt der Anklageschrift erteilt" werden. So gut wie gesichert scheint jedoch, dass der 73-Jährige in jedem Fall wegen Freiheitsentziehung, Vergewaltigung, Blutschande und Nötigung vor Gericht gestellt wird. Für Vergewaltigung sieht das Strafgesetzbuch fünf bis 15 Jahre Haft vor, wenn die vergewaltigte Person durch die Tat längere Zeit hindurch in einen qualvollen Zustand versetzt oder in besonderer Weise erniedrigt wurde, was im gegenständlichen Fall wohl anzunehmen ist.

Nach wie vor nicht ausgeschlossen ist, dass die Staatsanwaltschaft darüber hinaus auch wegen Versklavung von Familienangehörigen und Mordes durch Unterlassung Anklage erheben wird, was den Strafrahmen im Fall eines umfassenden Schuldspruchs auf zehn bis 20 Jahre oder lebenslang erhöhen würde.

Tochter jahrzehntelang missbraucht
Am 27. April war in Amstetten bekanntgeworden, dass der 73-jährige Josef F. seine Tochter 24 Jahre lang in einem Verlies eingesperrt und sexuell missbraucht haben soll. Während der Gefangenschaft habe der Mann mit der 42-Jährigen sieben Kinder gezeugt. Eines von ihnen sei nach der Geburt gestorben, das tote Baby habe der 73-Jährige angeblich in einem Holzofen verbrannt. Josef F. war weitgehend geständig, er befindet sich in Untersuchungshaft. Noch ausständig in dem Fall ist die Anklage gegen den 73-Jährigen, daher auch ein Prozesstermin.

(apa/red)