Hungerkrise? von

Immer mehr nordkoreanische Geisterschiffe an Japans Küste

Die steigende Zahl angeschwemmter Boote könnte auf eine Krise im Land hindeuten

"Geisterschiff" in Japan © Bild: REUTERS/Kyodo

Seit November wurden an Japans Küste 32 nordkoreanische Fischerboote mit teilweise toter oder fehlender Besatzung angespült. Letztes Jahr waren es in diesem Zeitraum nur vier. Ein Grund für den dramatischen Anstieg an "Geisterschiffen" könnte eine Krise im Land sein. Die Fischer wagen sich immer weiter aufs Meer raus, um größere Fänge zu erzielen.

Seit Jahren ist Japan mit dem Phänomen plötzlich an seiner Küste auftauchender Geisterschiffe konfrontiert, die ohne funktionierenden Antrieb durchs Meer driften. Heuer waren es bereits 64, davon alleine 32 seit November. Auf den Booten wurden von der Küstenwache über 40 lebende Personen entdeckt – und 18 Leichen. Erst am Montag wurde ein hölzernes Wrack mit acht Skeletten entdeckt. Die allermeisten der Schiffe dürften aus Nordkorea stammen. Aufgrund des dramatischen Anstiegs im vergangenen Monat verstärkt Japan nun seine Patrouillen. Denn die Japaner fürchten, auch wenn es darauf bisher keine Hinweise gibt, dass auf diese Weise auch unbemerkt Spione ins Land gebracht werden könnten.

Wahrscheinlicher ist, dass es sich tatsächlich – wie auch von den geretteten Personen angegeben – um nordkoreanische Fischerboote handelt. Sie wollen die reichen Fischgründe nahe Japan nutzen. Dafür müssen sie ihre schlecht ausgerüsteten kleinen Boote hunderte Kilometer von ihrem Heimatland entfernen. Und dabei ist das Risiko eines Motorschadens groß. Jene Schiffe, die dann nicht gleich sinken, werden von der Strömung langsam Richtung Japan getrieben. Manche Crews kommen dort rechtzeitig an, viele aber nicht. Eigenes Rettungsprogramm für seine weiter entfernten Schiffe hat Nordkorea offenbar keines.

"Fische sind wie Patronen und Granaten"

Über die Gründe für die derzeitige "Welle" an Geisterschiffen kann nur gerätselt werden. Viele Beobachter sehen darin aber ein Zeichen, dass das Leben für die nordkoreanische Bevölkerung – noch – härter geworden ist. Aufgrund der zuletzt mehrmals verschärften internationalen Sanktionen könnte das Land zunehmend Schwierigkeiten haben, seine Bevölkerung zu ernähren. Den Fischern werden daher vom Regime immer höhere Fangquoten verordnet, für deren Erfüllung sie sich immer weiter vom Festland entfernen müssen. Einen großen Teil der Fänge verkauft Nordkorea außerdem nach China weiter, um dringend benötigte ausländische Devisen zu erhalten.

Wie die japanische Zeitung Nikkei berichtet, erklärte die Parteizeitung der nordkoreanischen Arbeiterpartei den Fischfang vor kurzem für entscheidend für das Überleben des Landes. "Fische sind wie Patronen und Granaten. Fischerboote sind wie Kriegsschiffe, sie schützen das Volk und das Mutterland", wird die Zeitung zitiert.