Geiselnehmer in Feldkirch einvernommen:
Motiv, Fahrziel & andere Fragen zu klären

Bei Verurteilung droht Täter langjährige Haftstrafe Angestellte weiterhin in psychologischer Betreuung

Geiselnehmer in Feldkirch einvernommen:
Motiv, Fahrziel & andere Fragen zu klären © Bild: APA/Kloibhofer

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen nach der Geiselnahme von Feldkirch aufgenommen. Der tatverdächtige 43-jährige Bosnier sitzt in der Justizanstalt Feldkirch, es wurde Antrag auf Verhängung der Untersuchungshaft gestellt. Gegen den 43-Jährigen werde wegen des Verdachts des schweren Raubes, der erpresserischen Entführung und wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt, so Heinz Rusch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Feldkirch.

Sollte es daher bei einer Schwurgerichtsverhandlung zu einer Verurteilung des 43-Jährigen kommen, erwarten den Mann langjährige Haftstrafen. Schwerer Raub ist laut dem Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren bedroht, bei erpresserischer Entführung liegt die Strafandrohung bei zehn bis 20 Jahren Haft. Über eine Anklage gebe es aber noch keine Entscheidung, betonte Rusch. Es sei davon auszugehen, dass der zuständige Ermittlungsrichter demnächst über den Antrag auf Untersuchungshaft entscheiden werde.

Sowohl der mutmaßliche Täter als auch die 37-jährige Bankangestellte, die sich fünf Stunden als Geisel in seiner Gewalt befand, wurden bereits nach Vorarlberg gebracht. Die Frau, die den Mann quer durch Österreich fahren musste, ist inzwischen wieder bei ihrer Familie. Sie blieb äußerlich unverletzt, erlitt aber einen schweren Schock und wird weiter psychologisch betreut.

Zahlreiche Fragen offen
Der verdächtige Bosnier, der wegen seiner schlechten Deutschkenntnisse unter Beiziehung eines Dolmetschers vernommen wird, wird bei den Einvernahmen zahlreiche offene Fragen beantworten müssen. Vorerst war etwa das Motiv noch unklar, ebenso warum der Mann eine Geisel genommen hat, warum er sich gerade die Feldkircher Bank aussuchte und wohin er flüchten wollte. Diese Fragen könne er derzeit nicht beantworten, so Staatsanwalt Rusch. Das werde abzuklären sein.

Der 43-Jährige soll eine Filiale der Raiffeisenbank in Feldkirch-Tosters überfallen haben. Der Tatverdächtige nahm eine Bankangestellte als Geisel und zwang sie, mit ihm in ihrem Auto zu flüchten. Die Fahrt führte über die deutsche Grenze nach München und Salzburg bis nach Oberösterreich. Bei Enns konnte die Geiselnahme auf einem Autobahnparkplatz von der Polizei unblutig beendet werden. Die Beute, insgesamt 3.055 Euro, wurde in einem Plastikbeutel sichergestellt.

Fluchtroute führte über Innsbruck
Die Fluchtroute des Bankräubers und seiner Geisel führte offenbar nicht über Lindau und München nach Oberösterreich. Vielmehr habe der Geiselnehmer die Frau, die den Wagen lenken musste, über die Rheintalautobahn (A14) durch den Arlbergtunnel und Innsbruck dirigiert, bestätigte Richard Erne, Vorstand der Raiffeisenbank Feldkirch, einen Bericht von ORF Radio Vorarlberg.

Der Frau gehe es "körperlich gut", berichtete Erne nach einem Treffen mit der Betroffenen und ihrer Familie sowie der zweiten Bankangestellten. "Aber der Schock sitzt noch sehr, sehr tief", so der Chef der 37-Jährigen. Beide Frauen hätten derzeit Sonderurlaub, auch einen ersten Termin mit einem Psychologen habe es bereits gegeben. Die beiden Mitarbeiterinnen müssten das Geschehene erst einmal verarbeiten, man wolle beiden genügend Zeit lassen.

Der Geiselnehmer habe sich im Auto "verhältnismäßig ruhig" verhalten, auf die Fragen der Geisel nach der Richtung habe er jeweils knapp geantwortet. Ansonsten sei nichts gesprochen worden, so Erne. "Sie hat sich sehr besonnen verhalten, Hut ab", lobte der Bankvorstand. Dennoch habe sich die Frau während der Fahrt natürlich viele Gedanken darüber gemacht, wie es weitergehe.

Betrieb wieder aufgenommen
Der Betrieb in der betroffenen Bankfiliale in Feldkirch-Tosters ist laut Erne wieder aufgenommen worden. "Es war für alle schwierig, unter diesen Umständen einen normalen Weltspartag durchzuführen", erklärte er. Man habe den Betrieb mit einem anderen Team bestritten. Die Kunden, die die Bankangestellte großteils kennen, hätten viel nach dem Befinden der Mitarbeiterin gefragt und Anteilnahme gezeigt.

(apa/red)