Geheimnis wurde gelüftet: Neue Fellner-Zeitung "Österreich" startet am 18. 9. 2006!

Startauflage 250.000, sonntags 600.000 Exemplare Neues Format: 20% größer als bekannte Kleinformate

Geheimnis wurde gelüftet: Neue Fellner-Zeitung "Österreich" startet am 18. 9. 2006!

Der Titel der neuen Fellner-Tageszeitung lautet "Österreich", starten wird das Blatt am 18. September 2006. Dies gab Wolfgang Fellner bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt. Die Druckauflage zum Start beträgt 250.000 Stück, die Sonntagsauflage soll bei 600.000 Exemplaren liegen. Gedruckt wird zum einen bei Goldmann in Tulln (Niederösterreich) sowie bei der Passauer Verlagsgruppe in Bayern.

Wolfgang Fellner bezeichnete den Namen "Österreich" als "mutigen" Titel. "Jeder hätte von uns 'Daily News' oder Ähnliches erwartet. Wir tragen damit dem Österreich-Bewusstsein Rechnung." Bis zum Start im September könnte der Zeitungsname "Österreich" noch einen Zusatz erhalten, der "tragende Titel" stehe mit "Österreich" aber fest. Die Zeitungsprojekt Verlags GmbH von Wolfgang Fellner hat nach verschiedenen Medienberichten in den vergangenen Wochen etwa die Namen "Österreich 24" oder "Neues Österreich" beim Patentamt angemeldet.

Neues Zeitungsformat für Österreich
Das Format der neuen Tageszeitung hat folgende Eckdaten: Höhe 340 Millimeter, Breite 251 Millimeter. Fellner sprach von der "Umsetzung des neuen Tabloid-Formats für Österreich". Das Format sei 20 Prozent größer als die hierzulande derzeit eingeführten Kleinformate wie "Kronen Zeitung" oder "Kleine Zeitung". Man liege im Zeitungsformat damit zwischen "Krone" und "Kurier" bzw. zwischen "Kleiner Zeitung" und "Die Presse". Großes Vorbild von "Österreich" ist "USA Today", eine der erfolgreichsten Tageszeitungen der Welt, wie der Verleger weiter erläuterte.

Ziel-1-Gebiet der neuen Zeitung sind Wien, Niederösterreich und Oberösterreich. Danach wollen man ein Bundesland nach dem anderen in Angriff nehmen. Gedruckt wird "Österreich" zum einen bei Goldmann in Tulln (Niederösterreich) sowie bei der Passauer Verlagsgruppe in Bayern. Wichtigster Kooperationspartner beim Vertrieb ist der Pressevertrieb Morawa.

"Wir wollen mit Morawa den Kioskvertrieb beleben", meinte Wolfgang Zekert, Verlagsgeschäftsführer des Zeitungsprojekts. Darüber hinaus baue man gerade eine Medienlogistikfirma auf, die die Hauszustellung in den Ballungsräumen Wien, St. Pölten und Linz auf die Beine stellen soll. 1,1 bis 1,2 Millionen Österreicher sollen so technische Möglichkeit haben, das Blatt vor 6.00 Uhr früh vor der Haustür zu haben. Die "aktuellste Tageszeitung Österreichs" verspricht Zekert. Der Sonntag wird - wie bei anderen Medien auch - mit Selbstbedienungstaschen bespielt.

"Drei Zeitungen in einer"
Das inhaltliche Konzept skizzierte Herausgeber und Chefredakteur Werner Schima: "Drei Zeitungen in einer." Der erste Teil umfasse überregionale Themen wie Politik, Wirtschaft, Chronik, Kultur, Sport sowie Meinung und sei bewusst als Qualitätszeitung angelegt. Im zweiten Teil gehe es ins Regionale, und in der dritten Zeitung finde man in Hochglanz-Drucktechnologie die "Lebensbereiche der neuen Medien-Generation", will heißen: Frauenthemen, Lifestyle, Mode, Fernsehen und neue Medien. Wolfgang Fellner schwebt ein "tägliches Nachrichtenmagazin" vor, das "Agenda Setting und investigative Recherchen" betreibe - das alles "weltoffen und liberal".

Angesiedelt ist die Redaktion im Akademiehof am zentral gelegenen Karlsplatz, nur einen Boulevard von der Secession entfernt. Dort entsteht derzeit ein digitaler Newsroom, in dem die Print- sowie die Online-Redaktion auf einer Ebene integriert zusammen arbeiten. "Wir setzen damit fort, was die APA in unmittelbarer Nachbarschaft schon gemacht hat", so Gert Edlinger, Geschäftsführer der Redaktionsgesellschaft. Rund 300 Mitarbeiter werden ab September für "Österreich" tätig sein, 200 davon im journalistischen Bereich.

Eigene Tageszeitung zur Fußball-WM
Bereits zur Fußball-WM Anfang Juni bringt Fellner übrigens mit "WM Live" eine Tageszeitung auf den Markt, die sich als zielgruppenspezifisches Pilotprojekt mit dem Schwerpunkt Fußball beschäftigt. Die Auflage des rund 30-seitigen Blattes beträgt ebenfalls 250.000 Stück. In Format und Druck werde sich "WM Live" aber deutlich von der Tageszeitung "Österreich" unterscheiden.

Finanzierung über Kredite
Die Finanzierung der neuen Fellner-Tageszeitung "Österreich" erfolgt über Kredite durch ein österreichisches Bankenkonsortium - bestehend aus acht Kreditinstituten. Der Umfang beträgt 50 Millionen Euro über eine Laufzeit von 13 Jahren. Konsortialführer und damit größter Kreditgeber ist die BA-CA. Weitere Finanziers sind die 3-Banken-Gruppe (Bank für Tirol und Vorarlberg, Bank für Kärnten und Steiermark, Oberbank), RZB, Investkredit, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien und die Spengler-Bank, hieß es bei der Pressekonferenz der Zeitungsgründer.

Mit Raiffeisen ist damit auch ein Kreditgeber an Bord, der selbst stark im Mediengeschäft engagiert ist. Wolfgang Fellner sprach von einer "österreichischen Finanzierung für eine österreichische Zeitung". Auch eigenes Geld stecke in dem Projekt. "Wir können damit das umsetzen, was sich Hans Dichand und Oscar Bronner immer erträumt haben." Fellner geht davon aus, dass die Kredite innerhalb der vereinbarten Laufzeit problemlos zurück gezahlt werden. An einen Börsegang denkt der Zeitungsgründer nicht.

Im ersten Geschäftsjahr rechnet man bei "Österreich" mit Gesamterlösen in der Höhe von 30 Millionen Euro. Die Gesamtkosten sollen sich laut Business-Plan auf 50 Millionen belaufen, wie Fellner auf Nachfragen der APA erklärte. Für die Druckmaschinen seien extra Investitionen in Höhe von 20 Millionen Euro erforderlich, hieß es. Den "Break-even", die Gewinnschwelle, will man innerhalb von fünf Jahren erreichen. Um Presseförderung - laut Fellner eine "Misserfolgsförderung" - will man nicht ansuchen. Kooperationen mit anderen Medienunternehmen seien denkbar, "Verschränkungen" mit anderen Medien - in der Vergangenheit bei den Fellners gängige Praxis - schließt der Verleger aus.

"Das ist eine langfristige Investition, ein langfristiges Match", will WoFe, wie er in der Branche genannt wird, keinen Zweifel über sein Engagement aufkommen lassen. "Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon." Von Nervosität also noch keine Spur? Fellner: "Die Nervosität wird schon noch kommen, kurz vor dem Start." (apa/red)