Geheimfonds für Irans Atomprogramm? Angeblich 327 Millionen Euro abgezweigt

Netanyahu: Vergleiche mit NS-Kriegsvorbereitungen PLUS: Iran treibt laut IAEO Atomprogramm voran

Teheran soll in seinem Etat 418 Millionen Dollar (327 Mio. Euro) für ein geheimes Atomprogramm abgezweigt haben. Das belegen angeblich Telefongespräche eines iranischen Spitzenpolitikers, die ein westlicher Geheimdienst abgehört hat.

Das berichtet das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Abgeordnete des Parlaments hatten sich im Februar darüber beschwert, dass ihnen kein Einblick in die genaue Zuordnung der Staatsgelder ermöglicht wurde. Außerdem enthielt der Entwurf eine Klausel für einen "Sonderfonds". Der Etat wurde von dem für "Organisation und Planung" zuständigen Vizepräsidenten Farhad Rahbar erstellt, der gleichzeitig als einer der Direktoren das im Herbst 2005 gegründete "Zentrum für die Beobachtung von Nuklearfragen" leitet.

Diese Doppelfunktion erlaubte es Rahbar, der dem obersten geistlichen Führer Ayatollah Ali Khamenei nahe steht, den Militäretat für das laufende Jahr 2006/2007 (nach der in Iran gültigen islamischen Zeitrechnung 1385) um rund 30 Prozent aufzustocken und den Spezialfonds zu "verstecken".

Wie aus den abgefangenen Mitteilungen hervorgeht, sollen die 418 Millionen Dollar für verbesserte Verteidigungsvorkehrungen rund um die auf das Land verstreuten Atomanlagen genutzt werden, speziell für Untertunnelung. Teherans Führung befürchtet einen amerikanischen oder israelischen Überraschungsangriff. Weitere Schwerpunkte sind den Angaben zufolge die Produktion Dutzender neuer Zentrifugen zur Urananreicherung - bisher arbeiten nach iranischen Angaben rund 320 - und der Ausbau des Forschungsprogramms. Besonders nervös macht westliche Geheimdienste der Bau einer geheimen neuen Atomanlage an unbekanntem Ort.

Der frühere israelische Ministerpräsident und Chef des oppositionellen Likud, Benjamin Netanyahu, verglich unterdessen das iranische Atomprogramm, das "nicht nur Israel sondern den gesamten Westen" bedrohe, mit den Kriegsvorbereitungen der Nazis. "Wir sind im Jahr 1938 und der Iran ist Deutschland. Und der Iran führt ein Wettrennen um Atomwaffen", erklärte Netanyahu nach Angaben der israelischen Zeitung "Haaretz" am Montag vor den Delegierten der Generalversammlung der United Jewish Communities in den USA. Gegenüber der Aufgabe, Präsident Mahmoud Ahmadinejad zu stoppen, verblasse alles andere.

(apa/red)