Geheimdienstaffäre um polnischen Bischof: Wielgus verzichtet auf sein neues Amt!

Papst Benedikt hat Demission schon angenommen Bischof räumte seine Geheimdiensttätigkeit ein

Geheimdienstaffäre um polnischen Bischof: Wielgus verzichtet auf sein neues Amt!

Unmittelbar vor der Amtseinführung ist der neue Warschauer Erzbischof Stanislaw Wielgus wegen seiner Geheimdiensttätigkeit zurückgetreten. Wie die Vertretung des Vatikans in Polen eine halbe Stunde vor Beginn der Zeremonie mitteilte, habe Papst Benedikt XVI. den Rücktritt akzeptiert. Kardinal Jozef Glemp, den Wielgus eigentlich ablösen sollte, werde vorläufig weiter im Amt bleiben.

Wielgus bestätigte seinen Rücktritt dann auch persönlich während der ursprünglich für seine Amtseinführung bestimmten Messe, die kurzerhand zu einem Dankgottesdienst für Glemp umfunktioniert wurde. Der beispiellose Schritt von Wielgus ging mit ungewöhnlichen Emotionsäußerungen der Kirchgänger einher. Nach der Rücktrittserklärung gab es innerhalb der Johannes-der-Täufer-Kathedrale Beifallsbekundungen und laute Aufforderungen an den Oberhirten, seinen Schritt zu überdenken. Einige Gläubige riefen "Nein, Nein!" und "Bleibe mit uns!" Erst nach der Verlesung des offiziellen Kommuniques aus dem Vatikan beruhigte sich die Lage in der Kirche wieder. Primas Glemp konnte mit der Messe fortfahren, an der unter anderem Staatspräsident Lech Kaczynski teilnahm.

Benedikt hatte Wielgus am 6. Dezember zum Nachfolger des erklärten Antikommunisten Glemp in der Erzdiözese Warschau bestimmt. Nachdem ihn eine Untersuchungskommission der polnischen Kirche aber der Spionage während der kommunistischen Ära Polens beschuldigte, räumte Wielgus öffentlich seine Geheimdiensttätigkeit ein. Am Samstag bat er die Gläubigen in einem Hirtenbrief um Vergebung und legte sein Schicksal in die Hände des Papstes. Offiziell hatte Wielgus am Freitag seinen neuen Posten angetreten. Am Sonntag hätte seine Amtsübernahme im Rahmen einer Zeremonie besiegelt werden sollen.

(apa)