Geheim-Dossier über Austrian Airlines

Wurde bereits 2006 zu einem Partner geraten?

Geheim-Dossier über Austrian Airlines © Bild: APA/EPA/Hochmuth

Aufregung um Gutachten. Offenbar wurde der ÖIAG bereits 2006 geraten, einen starken Partner für die AUA zu finden. Als Favorit empfohlen: Air France KLM.

Aufregung herrscht kurz vor Erteilung des Privatisierungsauftrags für die Austrian Airlines durch den Ministerrat am 12. August an den AUA-Hauptaktionär, die Staatsholding ÖIAG. Wie aus NEWS vorliegenden Informationen hervorgeht, liegt der ÖIAG bereits seit 2006 ein Gutachten vor, das dringend zu einer Partnersuche für die AUA rät. Zudem wird die Air France als für den Standort und die Entwicklung bester Partner empfohlen.

Alfred Ötsch, damals neuer AUA-Chef, wurde nicht informiert und stattdessen in eine Stand-alone-Variante gedrängt. Das Gutachten wird bis heute - auch gegenüber dem AUA-Management und dem restlichen Aufsichtsrat - geheim gehalten.

"Ein Skandal". Das 2006 vom Unternehmensberater Roland Berger erstellte Gutachten ist sogar weder Finanzminister Wilhelm Molterer (damals war noch Karl-Heinz Grasser im Amt; Anm.) noch Infrastrukturminister Werner Faymann bekannt. Beide Politiker wollen nun allerdings, so deren Sprecher gegenüber NEWS, "der Sache nachgehen".

Faymann-Berater Hannes Androsch sieht "einen Skandal, wenn Volksvermögen vernichtet wird". Der erfolgreiche Industrielle spricht auch aus, was sich viele denken: "Wozu braucht man in drei Jahren drei Gutachten zur AUA-Zukunft? Noch dazu, wenn man Empfehlungen ignoriert. Wo bleibt da die Verantwortung des ÖIAG-Vorstands?" Androsch mahnt auch die politische Verantwortung des für die ÖIAG zuständigen Finanzministers ein: "Man kann sich jetzt nicht durch eine Privatisierung davonstehlen."

"Nur Nebenprodukt". "Eine Partnersuche für die AUA war damals nicht Gegenstand der Analyse, sondern nur ein Nebenprodukt der Studie", lässt Rainer Wieltsch, 2006 neben Peter Michaelis ÖIAG-Vorstand und derzeit stellvertretender AUA-Aufsichtsratschef, NEWS über ÖIAG-Pressesprecherin Anita Bauer in der Causa ausrichten. Man habe die Studie in Auftrag gegeben, um die Potenziale einer Stand-alone-Variante für die AUA auszuloten, so Wieltsch. Das Ergebnis sei der Restrukturierungskurs mit einer Reduktion des Langstreckennetzes gewesen. Dies habe immerhin zu einem geringen, aber doch positiven Jahresergebnis für 2007 geführt. Nun hätten sich aber die Rahmenbedingungen "dramatisch" geändert, erklärt Wieltsch.

Die ganze Story finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin 32/2008