Gegenwind für den ORF-Generaldirektor:
Wrabetz will sein Programm durchsetzen

NEWS: Mitarbeiter und Politik wollen ihn abmontieren PLUS: Das Exklusiv-Interview mit dem ORF-Chef

Gegenwind für den ORF-Generaldirektor:
Wrabetz will sein Programm durchsetzen © Bild: News/Roman Zach-Kiesling

Der eine sitzt an diesem stürmischen Montagabend in seinem Büro im sechsten Stock am Küniglberg. Der andere sitzt gerade im siebten Stock des Wiener Haas Hauses. Der eine – Alexander Wrabetz – brütet über seinen Spar- und Reformplänen für den ORF. Der andere – Elmar Oberhauser – diniert indes mit Ex-VP-Innenminister Ernst Strasser im Luxusrestaurant Do & Co und unterhält sich über seine Zukunft im ORF.

Beiden Herren gemeinsam ist die angespannte Gemütslage. Denn ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der im Jänner 2007 als "Super-Alex" und "Wunderwuzzi" gehypt wurde, ist in Bedrängnis. In Bedrängnis, weil vor ihm "die größte Herausforderung in der Geschichte des ORF" steht, wie er es im NEWS-Interview selbst sagt. Weil er erstmals in der Geschichte des ORF radikal sparen und bis zu tausend Mitarbeiter teils kündigen, teils ausgliedern muss. Weil die Quoten des ORF seit seiner seinerzeitigen Programmreform im April 2007 sinken und sinken, wie es etwa seine Vorgängerin, Monika Lindner, im NEWS-Interview beschreibt. Weil er hundert Millionen Euro Minus hat und sein ORF sonst im Jahr 2012 vor der Pleite stehen würde. Und natürlich auch, weil die Weltwirtschaftslage nicht nur Banken und Immobilien, sondern eben auch Medien trifft.

Wrabetz' Kampf
So oder so ist Alexander Wrabetz nicht willens, kampflos das Feld zu räumen. Im Gegenteil. Der ORF-General setzt lieber alles auf eine Karte. Das Risiko des Unterfangens ist seinen Vertrauten bewusst: "Entweder wir gewinnen, oder wir gehen aufrecht unter." Leicht wird es für Wrabetz freilich sicher nicht. Denn er braucht auch seine verunsicherte Mannschaft für seinen Sieg. Um sie zu beruhigen, um ihre Unterstützung doch noch zu gewinnen, will er die "Kommunikation verbessern und ausgewogen sparen". Das heißt, dass der ORF-General nicht nur bei den jungen ORF-Mitarbeitern und nicht nur bei der mittleren Ebene einsparen will, wie bislang vermutet, sondern auch beim Management.

Was nichts anderes bedeutet, als dass in den kommenden Monaten wohl auch der eine oder andere ORF-Direktor in die Pension geschickt werden soll. Dass Oberhauser und auch ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz noch nicht verabschiedet wurden, liegt einzig an ihren Millionenablösen, die bei gleichzeitiger Ankündigung eines Mega-Sparpaketes wohl alles andere als gut anmuten würden. Doch die mindestens 750.000 Euro Abfertigung werden früher oder später dennoch fällig werden – zumindest wenn es nach Wrabetz geht.

Der Ablöseplan
Sollte sich im nächsten halben Jahr die Lage im ORF nicht deutlich verbessern, könnte auch der Chefsessel von Wrabetz wackeln. Zwar gibt es derzeit nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit im ORF-Stiftungsrat für die Abwahl des ORF-Generals, aber da könnte ein Organisationsreformgesetz schneller, als mancher glaubt, Abhilfe schaffen. Immerhin steht ja auch im Jahr 2009 die Entscheidung der EU-Kommission wegen einer Wettbewerbsbeschwerde der Privatsender gegen den ORF an.

Sollte die EU-Kommission erwartungsgemäß der Beschwerde Recht geben, müsste die Regierung ohnehin das ORF-Gesetz ändern und würde wohl in einem Aufwaschen eben auch eine Organisationsreform durchziehen. In diesem Fall würde dann die gesamte ORF-Geschäftsführung zur Disposition stehen. Und müsste sich für einen Rückzug oder eine neuerliche Kandidatur entscheiden. Neue Kandidaten werden jedenfalls bereits ins Spiel gebracht. Geht es nach Teilen der ÖVP, soll Ex-ORF-Mann Helmut Brandstätter neuer Generaldirektor werden. Geht es nach Teilen der SPÖ, würde eher der jetzige rote Stiftungsrat Karl Krammer diesen Job erhalten.

Die ganze Geschichte lesen Sie im aktuellen NEWS 49/08.