Gefuchste Schlepper mit neuen Methoden: Beantragen Visa für 'Delegationen' aus China

Bürgermeisterin von Ottensheim wurde misstrauisch Neue Masche stützt sich auf 'Stolz der Bürgermeister'

Schlepperprofis haben offenbar einen neuen Trick entdeckt, um illegal Chinesen nach Österreich zu bringen: Sie kündigen bei Gemeinden den Besuch einer "Delegation" an und bitten die Bürgermeister um eine offizielle Einladung, die sie für ein Visum zur Einreise nach Österreich benötigen. Bei der Bürgermeisterin von Ottensheim (Bezirk Urfahr-Umgebung) Ulrike Böker (Bürgerliste pro Ottensheim) ging eine derartige Anfrage ein. Sie wurde aber misstrauisch und schaltete die Polizei ein.

Die neue Masche der Schlepperorganisation stützt sich offenbar auf den Stolz der Bürgermeister, wenn sie erfahren, dass sie Besuch einer chinesischen Delegation erwarten dürfen. So erging es laut Zeitung auch der Ottensheimer Bürgermeisterin Ulrike Böker, als sie kürzlich eine E-Mail einer deutsch-chinesischen Agentur mit Sitz in Deutschland erhielt, aus der hervorging, dass die Firma im Internet die Web-Seite der Tourismusgemeinde an der Donau entdeckt habe und eine chinesische Abordnung die Klimabündnisgemeinde unbedingt besuchen wolle.

Wie die Sache aufflog
"Ich hab' mir tatsächlich kurz gedacht, 'mein Gott, wir sind berühmt, die Welt kommt zu uns'", wird die Gemeinde-Chefin zitiert, "irgendwie erfüllt es einen mit Stolz, wenn man eine derartige Anfrage erhält." Stutzig machte Böker allerdings der Hinweis auf die Web-Seite der Gemeinde, die nach ihrer Aussage nicht gerade die beste sei, und dass die Bürgermeisterin für die Firma eine schriftliche Einladung aussprechen solle.

Polizei eingeschaltet
Die Bürgermeisterin schaltete den Gemeindebund und die Polizei ein, die von derartigen Einladungen dringend abraten, wolle man nicht die Schlepper-Mafia unterstützen. Ein Ermittler des Landeskriminalamtes klärte über die Hintergründe auf: "Für ein Visum brauchen Chinesen eine Einladung aus dem Ausland. Unserer Erfahrung nach handelt es sich bei derartigen Versuchen, nun auch von Gemeinden Einladungen zu erhalten, häufig um professionelle Schlepperei."

Gefinkelt
Böker stellte dazu fest: "Man hätte aber glatt reinfallen können, man ist ja weltoffen". Ob die Schlepperprofis mit ihrer Masche irgendwo in Österreich bereits Erfolg hatten, ist unbekannt, weil Einladungen für chinesische "Delegationen" nicht meldepflichtig sind.

(apa/red)