Häfenliebe von

Gefangene der Gefühle

Warum beginnen Frauen Beziehungen zu Männern, die im Gefängnis sitzen?

Gefangene der Liebe © Bild: NEWS/Makus Deak

Warum beginnen Frauen Beziehungen zu Männern, die im Gefängnis sitzen? In NEWS erzählen die Studentin Evelyn, die Immobilien-Maklerin Verena, die Verkäuferin Lena und die Krankenpflegerin Daniela über ihre Liebe zu Straftätern - und was sie sich davon versprechen.

Die Studentin und der verurteilte Mörder: Evelyn N., 23

Ich weiß, er ist schuldlos. "Philipp und ich sind im Gymnasium ein Jahr in dieselbe Klasse gegangen, aber nie ein Paar und nicht einmal befreundet gewesen. Und wir hatten einander jahrelang nicht gesehen, als ich 2010 aus den Medien erfuhr, dass er einen Mord an einem Mädchen begangen haben sollte. Ich konnte mir das alles nicht vorstellen, war total schockiert von dieser Nachricht. Und dann habe ich ihm ins Gefängnis einen Brief geschickt und darin gefragt, ob ich ihn einmal besuchen soll. Er antwortete: "Ja, das wäre nett.“ So hat alles begonnen. Ich ging immer wieder zu ihm, wir schrieben einander oft. Und längst weiß ich mit hundertprozentiger Sicherheit: Philipp ist kein Killer. Er hat diese schreckliche Tat, für die er letztlich zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, nicht begangen. Sondern er wurde Opfer eines schrecklichen Justizirrtums. Wäre ich davon nicht überzeugt, hätte ich mich nicht in ihn verlieben können. Ob meine Freundinnen und meine Eltern verstehen, dass ich mich an einen Mann binde, der hinter Gittern ist? Ja, denn sie alle glauben ebenfalls an seine Schuldlosigkeit und hoffen, wie ich, dass die Gerechtigkeit siegen - und er schon bald in Freiheit kommen wird. Und wenn das nicht geschehen sollte? Dann werde ich halt länger auf ihn warten.“

Die Krankenpflegerin und der Schläger: Daniela S, 31

Er will mein Beschützer sein. "Ich lernte Stefan kennen, als ich mich völlig aus der Bahn geworfen fühlte. Eine schlimme Vergangenheit lag hinter mir. Jahrelang hatte mich mein Mann misshandelt, unsere Ehe endete damit, dass ich mit unserer Tochter in ein Frauenhaus geflüchtet bin. Nach der Scheidung versuchte ich langsam, wieder ins Leben zurück zu finden. Einen Mann kennen zu lernen, ist für mich schwierig. Ich gehe nicht gern in Lokale. Und in Wahrheit wollte ich auch keinen, Neuen‘ so richtig an meiner Seite haben. Darum suchte ich nach einem Brieffreund, der im Gefängnis sitzt. Und las vor cirka einem Jahr eine Kontaktanzeige von Stefan. In meinem ersten Schreiben fragte ich ihn, ob er ein Mörder oder ein Vergewaltiger sei. Wäre er das, würde ich eine Antwort ablehnen. Aber nein, er sitzt, nur‘ wegen Körperverletzung - an einem Mann. Gegen eine Frau könnte er nie gewalttätig sein, sagt er. Ich glaube ihm das. Genauso wie die anderen Dinge, die er mir erzählt. Dass er mich - wenn er wieder in Freiheit kommt - vor allem Bösen auf dieser Welt beschützen wird. Ich habe mittlerweile auch viel Kontakt zu seiner Familie, seine Mutter ist wie eine zweite Mama für mich. Wenn ich Nachtdienste habe, passt sie auf mein Kind auf, sie hilft mir im Haushalt. Sie ist ein wunderbarer Mensch, genauso Stefan. Der durch den Umgang mit schlechten Leuten sich selbst verloren und etwas Schlimmes getan hat. Jetzt aber ist er ein anderer. Das spüre ich, wenn ich ihm bei meinen Besuchen in der Haftanstalt in die Augen sehe. Angst vor einer Enttäuschung? Ja, die ist schon in mir. Aber sie wird laufend kleiner.“

Gefangene der Liebe Daniela S.
© NEWS/Markus DEAK Daniela S, 31

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