Gefallene Helden

Markus R. Leeb über die verhasste Finanzbranche Kommentar: Was ist Ihre MEINUNG zu dem Thema?

Gefallene Helden © Bild: NEWS

Die Leute wollen die Banker hängen sehen“, merkte Andreas Treichl, Generaldirektor der Erste Bank Gruppe, eben in Alpbach an. Diesen gesellschaftlichen Klimawandel bestätigte kürzlich eine Bankdirektorin: Die sehr engagierte Leiterin einer regionalen Genossenschaftsbank wurde von Bekannten angefeindet, weil „ihr Banken alle gleich schlecht seid“. Früher waren die erfolgreichen Banker, die von Österreich aus den Osten unter rot-weiß-roter Flagge erobert haben, unsere Helden. Inzwischen zählt die Branche zu den am meisten gehassten.

Ich halte diese Entwicklung für bedenklich. Nicht nur, weil sich Politiker mit der Forderung nach einer Bankensteuer zu Helden des Volkes aufschwingen können, obwohl wir die Bankensteuer als Kunden selbst zahlen müssen. Was mir Sorgen macht, ist das schwindende Vertrauen in das Bankensystem, eine Säule unseres Wirtschaftssystems. Ansatzweise hört man bereits von einem „Bank-freien“ Leben, eine oft positiv aufgenommene Parole, die aber auch dubiosen Finanzvermittlern Tür und Tor öffnet. Sie können nun meinen, Ihre Bank sei auch nicht besser und denke nur an eigene Gewinne. Mag sein, aber zumindest besser kontrolliert. Ich sehe eine große Bringschuld der Banken für vertrauensbildende Maßnahmen. Es ist fünf vor zwölf.
Markus R. Leeb

leeb.markus@news.at