Gesundheit! von

Die gefährlichsten Viren

Mann krank im Bett © Bild: iStockphoto.com

Sie verursachen Schnupfen, Magen-Darm-Infekte oder Grippe: In der kalten Jahreszeit befallen uns unterschiedlichste Krankheitserreger. Welche Viren sind die gefährlichsten? Und was hilft vorbeugend?

Kaum sinken die Temperaturen, nimmt die Zahl der schniefenden und hustenden Menschen rasant zu. Denn Herbstzeit ist gleichzeitig Erkältungszeit.

Zu Beginn der Infekt-Saison stehen hauptsächlich sogenannte banale Erkältungen und grippale Infekte. Diese machen sich zunächst meist durch Halskratzen bemerkbar. Später kommt Schnupfen, oft auch Husten dazu. Der Betroffene fühlt sich schlapp und krank, doch die Körpertemperatur übersteigt 38,5 Grad nicht.

Herbst ist die Hochsaison der Rhinoviren. Die gute Nachricht: "Sie klingen schlimm, sind es aber in den allermeisten Fällen nicht", sagt Monika Redlberger-Fritz, Ärztin am Institut für Virologie an der Meduni Wien. Sie rufen meist nur einen lästigen Schnupfen und erhöhte Temperatur hervor. Nach einigen Tagen ist der Infekt mit ein bisschen Schonung meist ohne Medikamente überstanden.

»Oftmaliges Händewaschen, gesunde Ernährung und Bewegung sind wichtig«

Die schlechte Nachricht: Es gibt sehr viele Unterarten davon. "Es sind 130 Rhinoviren-Arten bekannt und weitere 102 Arten an sogenannten respiratorischen Enteroviren", weiß die Virologin. Das allein sind schon 232 unterschiedliche Schnupfenauslöser.

Die hohe Anzahl an Subtypen ist mit ein Grund, warum wir gegen Schnupfen wohl nie immun sein werden. Und daher erkrankt auch jeder Erwachsene jährlich zwei-bis dreimal an einer lästigen Erkältung. Bei Kindern, deren Immunsystem noch nicht gänzlich ausgereift ist, sind laut Redlberger-Fritz sogar bis zu zwölf Infektionen pro Jahr normal.

Weiter geht es dann ab November mit den RS-Viren. Diese können vor allem für Frühgeborene lebensbedrohlich werden, sagt Kinderarzt Peter Voitl. Sie greifen die Atemwege an, und während Erwachsene meist lediglich einen Schnupfen bekommen, kann es bei Frühgeborenen und Babys zu gefährlichen Atembeschwerden kommen, die eine künstliche Beatmung im Krankenhaus notwendig machen.

Zehntausende Erkrankte

Ab Anfang Jänner steigt dann die Wahrscheinlichkeit, sich mit Influenza anzustecken. "80 Prozent der respiratorischen Infekte gehen dann auf das Konto der Influenzaviren", sagt Redlberger-Fritz. Im vergangenen Jahr verlief die Grippewelle allerdings etwas untypisch, da sie bereits Anfang Dezember begann und noch stärker als gewöhnlich war.

Jährlich erkranken Zehntausende Menschen in Österreich an Influenza. Allein in Wien stecken sich am Höhepunkt der Grippewelle wöchentlich über 20.000 Menschen damit an. Für mehr als 1.000 Österreicher endet die Krankheit jedes Jahr tödlich. Im Gegensatz zu den grippalen Infekten beginnt eine Grippe plötzlich. Von einem Moment auf den anderen fühlt sich der Betroffene sehr krank, bekommt Schüttelfrost und das Fieber steigt auf über 38,5 Grad an. Es gibt mehrere Influenza-Subtypen, und vor der Grippesaison ist nie ganz klar, welcher im Winter der vorherrschende sein wird.

Die Experten orientieren sich daher an der Südhalbkugel, und die gerade zu Ende gegangene Grippewelle in Australien gibt heuer wenig Anlass zu Optimismus. Denn sie verlief dort schwerer als in den Jahren zuvor.

»Es ist egal, wo man in den Öffis steht. Wird man angehustet, kann man krank werden«

Nun gibt es zwar eine Influenza-Impfung, allerdings ist der H3N2-Subtyp, der heuer die meisten Grippefälle auf der Südhalbkugel ausgelöst hat, damit nicht abgedeckt. "Der Virus ist im Februar mutiert, da war aber die Impfstoffentwicklung für die heurige Saison schon in vollem Gange", erklärt Redlberger-Fritz. Die mutierte Variante des Virus konnte daher im Impfstoff nicht mehr berücksichtigt werden.

Warum sollte man sich dann überhaupt impfen lassen?"Es kann noch niemand sagen, welcher Influenza-Subtyp bei uns diese Saison der vorherrschende sein wird", erklärt Redlberger-Fritz. Und mit dem Impfstoff seien auch noch andere Subtypen abgedeckt.

Die Österreicher stehen der Grippeimpfung allerdings sehr skeptisch gegenüber: Nur knapp über fünf Prozent ließen sich im vergangenen Jahr impfen. Und das, obwohl sie vor allem für alte Menschen, kleine Kinder und für alle mit chronischen Erkrankungen von Experten empfohlen wird.

Lang genug daheim bleiben

Keine Impfung gibt es hingegen gegen den Norovirus, der ebenfalls regelmäßig im Winter ausbricht. Er befällt allerdings nicht die Atemwege, sondern den Magen-Darm-Trakt und löst schwere Durchfälle und Erbrechen aus.

Der Virus ist hoch ansteckend. Jeden Winter müssen daher betroffene Kindergärten und Altersheime gesperrt werden. Nur so gelingt es, die Erkrankung wieder einzudämmen. Allen Erkrankten rät Redlberger-Fritz, unbedingt noch zwei Tage nach Abklingen der Symptome zu Hause zu bleiben. Denn so lange kann der Betroffene den Virus noch weitergeben.

Sekundärinfektionen

Gefährlich werden können allerdings auch sogenannte Sekundärinfektionen. Das heißt, wenn der Körper durch einen Virus bereits geschwächt ist und noch eine bakterielle Infektion dazukommt. Solche Bakterien, die schwere Erkrankungen wie Lungen- oder Gehirnhautentzündungen hervorrufen können, sind beispielsweise die Pneumokokken. Vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem können sie schwere Folgen haben. Ein Anzeichen für eine Sekundärinfektion ist, dass sich jemand, der sich bereits auf dem Weg der Besserung befunden hat, plötzlich wieder schlechter fühlt. In diesem Falle sollte rasch ein Arzt aufgesucht werden. Denn Bakterien können meist gut mit Antibiotika behandelt werden. Ganz im Gegensatz zu Viren: Antibiotika sind bei viralen Erkrankungen wie Schnupfen oder Influenza gänzlich wirkungslos.

Zum Arzt gehen sollte generell jeder, der höheres Fieber hat, dessen Allgemeinzustand schlecht ist und jeder mit Schmerzen. "Auch wenn sich keine Besserung einstellt, unbedingt zum Arzt gehen", rät Voitl. Doch wieso werden wir in der kalten Jahreszeit viel öfter krank als im Sommer?

U-Bahn
© picturedesk.com/Alex Halada Dort, wo viele Menschen auf einem Fleck sind, ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch

Es liegt am Wetter. "Begünstigt durch die niedrigeren Temperaturen, sinkt auch die Oberflächentemperatur der Schleimhäute. Das ermöglicht es zahlreichen Erkältungsviren, sich leichter zu vermehren", erklärt Kinderarzt Voitl. Schließlich reagiere der Körper im Krankheitsfall auch mit erhöhter Temperatur oder sogar Fieber, um die Viren wieder abzutöten.

Der Wechsel zwischen hohen Temperaturen in Wohnung und Büro und kalten Außentemperaturen belastet den Körper ebenfalls. Zusätzlich trocknen die Schleimhäute durch die Heizung aus und werden so zu einem leichteren Ziel für Keime.

Gutes Immunsystem

Wer direkt angehustet oder angeniest wird, kann eigentlich nur mehr auf ein gutes Immunsystem hoffen. Denn viele Viren- und auch Bakterien wie Pneumokokken - werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Das heißt: Jene Tröpfchen, die beim Husten oder Niesen auf den Mitmenschen landen, sind voller krank machender Viren. Rund 1.000 Viren sind Schätzungen zufolge in jedem Tropfen enthalten.

Das Sekret schießt beim Niesen mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde aus Mund und Nase. So können die Tröpfchen im Extremfall bis zu zwölf Meter weit fliegen. Generell gilt es als sinnvoll, einen Abstand von zwei Metern zu Erkrankten zu halten, um ein eventuelles Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Diesen Abstand tatsächlich einzuhalten ist oft schwierig, wenn man die meist überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel benützt. Viele Menschen entwickeln daher ihre eigenen Strategien, um den Erregern - vermeintlich -zu entgehen: So stehen manche immer am Eingang, um in jeder Station "frische" Luft atmen zu können. Andere wiederum positionieren sich im Waggon ganz vorne, in der Hoffnung, der Fahrtwind halte die Keime von ihnen fern. Hilft alles nichts, entmutigt Redlberger-Fritz die Öffi -Fahrer. Die beste Maßnahme sei es, sich nach der Fahrt die Hände gründlich zu waschen. Überhaupt empfiehlt Peter Voitl im Winter oftmaliges Händewaschen. Durch Seife und warmes Wasser werden viele Viren zerstört.

Denn nicht immer ist die Ansteckung so offensichtlich, wie durch direktes Anniesen aus geringer Entfernung. Hustet jemand etwa in seine Hand, um dann den nächsten Menschen per Handschlag zu begrüßen, der anschließend wiederum in sein Gesicht fährt, landen die Keime ebenfalls im Körper. Daher sei "richtiges Niesen und Husten wichtig, um andere nicht anzustecken", sagt Redlberger-Fritz. Das heißt: nicht die Hand vorhalten, sondern in die Ellenbeuge niesen und husten.

Fit bleiben

Aber auch angeschnäuzte Taschentücher nicht liegen zu lassen, sondern gleich wegzuschmeißen, ist ein Akt der Freundlichkeit seinen Mitmenschen gegenüber.

Nicht notwendig ist im Normalfall eine übertriebene Händedesinfektion mit den überall erhältlichen Desinfektionsmitteln. Sie machen die Haut kaputt, fördern die Entstehung von resistenten Keimen und sind laut Studien meist nicht effektiver als gründliches Händewaschen.

Wie man dennoch fit blieben kann? Regelmäßige Bewegung im Freien, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf stärken das Immunsystem. Und dann bleibt noch das Hoffen auf den Frühling. Denn mit den steigenden Temperaturen verschwinden die Winterkeime wieder. Zumindest für einige Monate.

DIE VIREN IM ÜBERBLICK

Adenovirus

Übertragung: meist durch Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit: 5 bis 10 Tage
Symptome: von Schnupfen über Bindehautentzündung bis hin zu Lungenentzündung

© Getty Images

Rund fünf bis acht Prozent der akuten Atemwegsinfekte werden von Adenoviren verursacht. Es gibt über 80 verschiedene Arten, rund 30 davon können beim Menschen eine Krankheit verursachen. Meist ist der Krankheitsverlauf mild. Aber sie können auch Magen-Darm-Infekte und schwere Bindehautentzündungen hervorrufen.

Influenzavirus

Übertragung: Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit: wenige Stunden bis Tage
Symptome: plötzlicher Krankheitsbeginn meist mit Schüttelfrost, hohes Fieber

© Getty Images

Zehntausende Menschen stecken sich hierzulande jeden Winter mit Influenza an. Über 1.000 Österreicher sterben jährlich daran. Besonders gefährlich ist der Virus für alte Menschen, für jene mit schwachem Immunsystem und für Kinder unter einem Jahr. Nur knapp über fünf Prozent der Österreicher lassen sich gegen Influenza impfen.

Norovirus

Übertragung: direkt von Mensch zu Mensch und über kontaminierte Gegenstände wie z.B. Türgriffe und Wasserhähne
Inkubationszeit: wenige Stunden bis zwei Tage
Symptome: starker Margen-Darm-Infekt mit Durchfall und/oder Erbrechen

© Getty Images

Der Virus ist hoch ansteckend. Das heißt: Bereits eine geringe Zahl an Viren reicht aus, um den Magen-Darm-Infekt hervorzurufen. Durchfall und Erbrechen können so stark sein, dass Infusionen im Krankenhaus nötig werden.

Pneumokokken

Übertragung: Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit: 1 bis 10 Tage
Symptome: hohes Fieber, Ohrenschmerzen, Atemnot, Husten

Pneumokokken
© Wikimedia/Dr. Richard Facklam

Weltweit sterben rund zwei Millionen Menschen jährlich durch Pneumokokken-Infektionen. Das Bakterium kann u. a. Lungen- und Gehirnhautentzündungen verursachen. Eine rasche Behandlung mit einem Antibiotikum ist daher notwendig. Es gibt eine Impfung, die vor allem für Menschen über 50, für jene mit chronischen Erkrankungen und für Kleinkinder empfohlen wird.

Rhinovirus

Übertragung: direkte Übertragung z.B. über die Hände, Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit: wenige Stunden bis zu drei Tage
Symptome: Schnupfen, Husten

© Getty Images

Rhinoviren rufen die typischen Erkältungen der kalten Jahreszeit hervor. Es gibt über 130 verschiedene Subtypen. Daher stecken wir uns auch immer wieder an und bekommen einen Schnupfen. Ein Erwachsener muss mit zwei bis drei Erkältungen im Jahr rechnen. Kleinkinder, deren Immunsystem noch nicht so ausgereift ist, werden bis zu zwölfmal krank.

RSV

Übertragung: Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit: 3 bis 6 Tage
Symptome: Schnupfen, Husten, Niesen, Halsweh, Atemnot

© Getty Images

Bei Erwachsenen ist es meist nur ein Schnupfen, bei Babys kann eine Infektion mit dem RSV, dem Respiratorischen Synzytial-Virus, lebensbedrohlich werden. Eine Verschlechterung tritt oft ein bis drei Tage nach den ersten Symptomen auf. Kommt es zu einer beschleunigten Atmung oder sind dabei noch Rassel-oder sonstige Geräusche zu hören, muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden.