Gedenktag von

Novemberpogrome für Fischer "Schande" für Zivilgesellschaft

Bundespräsident erinnert an Mitverantwortung der Österreicher für Ausschreitungen

Heinz Fischer hält eine Rede. © Bild: APA/BUNDESHEER/Peter Lechner

Mit einer Matinee im Wiener Stadttempel hat die Israelitische Kultusgemeinde am Sonntag dem Novemberpogrom vor 75 Jahren gedacht. Bundespräsident Heinz Fischer bezeichnete die Ereignisse als "Schande", Oberrabbiner Chaim Eisenberg als Test für den Holocaust. Bei dem vom NS-Regime organisierten Pogrom in der Nacht auf den 10. November 1938 wurden allein in Österreich 30 Juden ermordet.

Bei den vom Nazi-Regime organisierten Ausschreitungen wurden zahlreiche jüdische Einrichtungen verwüstet, Synagogen, Bethäuser, Wohnungen und Geschäfte zerstört. In Österreich wurden 30 Menschen getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 Juden ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Im gesamten "Deutschen Reich" gab es 91 Todesopfer.

Bundespräsident Fischer erinnerte an die Mitverantwortung der österreichischen Zivilgesellschaft für die Ausschreitungen, denn die meisten Menschen hätten weggesehen, geschwiegen oder sich sogar selbst an den Verbrechen beteiligt: "Was vor 75 Jahren im Herzen Wiens geschah, was sich Wienerinnen und Wiener in einer Hauptstadt abendländischer Kultur zu Schulden kommen ließen, ist eine Schande, die nicht vergessen werden kann und nicht vergessen werden darf."

© APA/Herbert Neubauer Oskar Deutsch mit Heinz und Margit Fischer bei einer Gedenkveranstaltung

Der Präsident der Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, verwies darauf, dass erst kürzlich eine Umfrage einen deutlichen Anstieg des Antisemitismus in mehreren europäischen Ländern gezeigt habe. Kritik übte er aber auch an der "selbstgerechten, einseitigen Kritik" an Israel in der Nahost-Debatte - zumal vielen Kritikern zu Menschenrechtsverletzungen in anderen Staaten nichts einfalle. "Diese Doppelmoral trägt antisemitische Züge", meinte Deutsch.

Oberrabbiner Eisenberg sieht das Novemberpogrom 1938 auch als Test für die Bereitschaft der Bevölkerung, eine noch schlimmere Judenverfolgung zu akzeptieren. "Es wurde getestet, ob sie das mitmachen", sagte Eisenberg. Die Nazis hätten die Bevölkerung "aufgestachelt und verblendet". Ab dem Novemberpogrom sei klar gewesen, dass noch Schlimmeres folgen konnte.

Dass der 1826 eingeweihte Stadttempel im November 1938 nicht niedergebrannt wurde, liegt an dessen enger Verbauung mit den umgebenden Häusern in der Wiener Innenstadt. Der Innenraum wurde zwar verwüstet und entweiht, das Gebäude selbst blieb allerdings erhalten.

Bundespräsident Heinz Fischer während der Kranzniederlegung beim Mahnmal für die jüdischen Opfer der Shoa anlässlich des 75. Jahrestages des Novemberpogroms
© APA/HBF/Gunter Pusch Heinz Fischer bei der Kranzniederlegung

Kommentare

giuseppeverdi melden

Ja, die Geschehnisse dieser Zeit sind eine große Schande und dürfen sich nie wieder wiederholen. Aber ist es deshalb notwendig, dass der höchste Repräsentant des Staates Österreichs, sich für diese Erklärung eine Käppi aufsetzt, wie es das Judentum trägt? Oder tragen Sie Herr BP wenn Sie über den Kärntner Abwehrkampf sprechen, in dem es auch tausende Tote gegeben hat (damit vergleiche......

giuseppeverdi melden

....ich aber den millionenfachen Tod des verbrecherischen Nazi Regimes nicht mit den Toten in diesem Abwehrkampf sondern nur als Vergleich mit dieser symbolischen Kappe) einen Kärntner Anzug?

Und wo bleibt der Verweis darauf, was zu diesen Gräueltaten geführt hat ? Politisches Versagen, existenzbedrohende wirtschaftliche Situationen, und die daraus folgende Suche nach Sündenböcken. Und wenn wir uns die aktuelle Lage ansehen, dann fehlt nicht mehr viel und es werden wieder Sündenböcke gesucht werden - und das alles weil die Politik versagt hat.

Es war auch einen "Schande" als die SPÖ mit einem ehemaligen "Nazi" eine Regierung bildete.
Es ist auch eine Schande wie Faymann und Spindelegger die Zukunft unserer Jugend verbauen. (Noch nie hat eine Regierung so ein Finanzdesaster im Budget hinterlassen). Dazu kein Wort vom Bundespräsidenten!

Moechte dem Vorposter gratulieren und darauf hinweisen, dass die selben Verbrechen trickreicher wurden zb Identitaetsmissbrauch zur Geldanlage, das Tier ist unfaehig die Emails der Opfer 40 Jahre lang zu beantworten und reisst den Mund auf, er gehoert endlich inhaftiert.

Ignaz-Kutschnberger

Was Schande...österreichische Dreckschweine aus allen gesellschaftlichen Schichten hättest sie geich beim Namen nennen sollen, Heinz. Nach dem Krieg gingen viele von denen noch in die österreichische Politik anstatt zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt zu werden!! Das ist tatsächlich eine SCHANDE !!

Seite 1 von 1