Gedenkstunde an Grauen durch Nazis: KZ Buchenwald wurde vor 71 Jahren errichtet

Im Konzentrationslager starben etwa 56.000 Leute Totenbuch mit Namen der Opfer wurde übergeben

Mit einer bewegenden Gedenkstunde ist in Buchenwald an die Errichtung des dortigen Konzentrationslagers vor 71 Jahren erinnert worden. Der thüringische Kultusminister Jens Goebel übergab das Gedenkbuch des Lagers mit den Namen von 38.049 Toten an den Präsidenten des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, Bertrand Herz, den Zentralrat der Juden in Deutschland sowie an den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma.

"Die Nationalsozialisten haben versucht, Menschen zu Nummern zu machen, ihnen ihre Identität zu rauben", sagte Goebel. "Dies durfte nicht das letzte Wort sein." In über zehnjähriger intensiver Forschungsarbeit seien in Archiven in Deutschland, Spanien, den USA und Russland diese Namen ermittelt worden. Rund 8.000 sowjetische Kriegsgefangene, die durch Genickschuss ermordet worden seien, etwa 1.100 im Krematorium erhängte Menschen und rund 9.000 bei den Evakuierungsmärschen ums Leben gekommene Häftlinge habe man namentlich nicht identifizieren können. Das Totenbuch stehe auch für sie, sagte Goebel.

Bertrand Herz betonte den Wert der gelebten Erfahrung. Während die Überlebenden immer weniger würden, hätten die Historiker bedeutende Beiträge zum Erhalt des Gedenkens an die Deportation geleistet. Dies könne aber nur ein Gegengewicht zur allgemeinen Entwicklung sein, die das Gedenken in der Welt bedrohe. Krieg, Intoleranz, Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus breiteten sich aus und trügen durch die Banalisierung der Gewalt dazu bei, die Erinnerung an den Nationalsozialismus zu schwächen, sagte Herz.

Der ehemalige politische Häftling Ottomar Rothmann sagte, der Blick in die Geschichte verpflichte dazu, alle Kraft gegen Faschismus, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz einzusetzen.

Anschließend wurden am Denkmal für alle KZ-Opfer auf dem ehemaligen Appellplatz Kränze niedergelegt, und die Ausstellung "Schwarz auf Weiß. Fotografien vom Konzentrationslager Buchenwald" eröffnet. Es ist die erste Bildgeschichte eines Konzentrationslagers in Deutschland mit mehr als 300 historischen Fotografien. (apa/red)