Gedenken an Terror von Madrid: Spanier trauern um die 191 Toten der Anschläge!

Anfang April Anklage gegen mutmaßliche Attentäter

Gedenken an Terror von Madrid: Spanier trauern um die 191 Toten der Anschläge!

Mit Schweigeminuten und Kranzniederlegungen, Gottesdiensten und einem Konzert haben die Spanier der Opfer der Terroranschläge von Madrid vom 11. März 2004 gedacht. Am zweiten Jahrestag der Explosionen, sie 191 Menschen das Leben kosteten und rund 2.000 weitere verletzten, versammelten sich hunderte Trauernde zum schweigenden Gedenken im Madrider Retiro-Park, wo die zentrale Gedenkfeier mit Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero und den Spitzen der politischen Parteien abgehalten wurde. In dem Park wächst auch der "Wald der Erinnerung" aus Olivenbäume und Zypressen, die für die Opfer der Anschläge gepflanzt wurden.

Ansprachen gab es auf Bitten der Opferverbände nicht. Stattdessen legten zwei Kinder einer Madrider Waisenschule - ein algerisches Mädchen und ein spanischer Bub - zu den Klängen eines Violoncello-Konzerts einen Blumenkranz nieder. Unter einer zaghaften Frühlingssonne spielte eine junge Cellistin eine Komposition des Katalanen Pablo Casals, bevor die Gäste fünf Schweigeminuten einlegten. Auch Ministerpräsident Zapatero und weitere Politiker legten Kränze nieder.

Am Bahnhof El Pozo, wo am 11. März 2004 zahlreiche Tote zu beklagen waren, gedachten rund hundert Menschen schweigend der Opfer. Einige hielten Blumen in der Hand, viele weinten. In diesem Jahr beteiligten sich jedoch weit weniger Spanier an den Gedenkfeiern als am ersten Jahrestag der Anschläge. Die Bahnhöfe Santa Eugenia und Ataocha waren ebenfalls von den Bombenattentaten getroffen worden waren. Am Abend sollte eine ökumenische Feier in Atocha das Gedenken abschließen.

Im Bahnhof Atocha erinnerte auch eine Delegation aus Marokko an die Toten und Verletzten der Anschläge. Die Friedensaktivisten, aus deren Heimat die meisten der nach dem Terrorakt festgenommenen islamistischen Verdächtigen stammen, betonten ihre Solidarität mit dem spanischen Volk. Auch an diesem Bahnhof legten Spanier Blumen nieder, entzündeten Kerzen oder gedachten schweigend der Toten. Ein Bildschirm zeigte Szenen vom 11. März vor zwei Jahren. Atocha war der Mittelpunkt der blutigen Anschläge am 11. März 2004 gewesen.

Bei dem blutigsten Anschlag in der Nachkriegsgeschichte Spaniens hatten islamistische Terroristen vor zwei Jahren zehn Bomben in vier Madrider Vorortzügen praktisch zeitgleich gezündet. Dabei waren 191 Menschen getötet und fast 2000 weitere verletzt worden. Zu den Explosionen hatten sich Anhänger des Terrornetzwerks El Kaida bekannt.

Bereits am Freitag, am Vorabend des nationalen Gedenktages, hatte die Stiftung für Opfer des Terrorismus ein Konzert des London Philharmonic Orchestra in Madrid organisiert, mit dem auch der Opfer der Londoner Terroranschläge vom 7. Juli 2005 gedacht wurde. Das Gedenkkonzert im Nationalauditorium hatte Beisein von König Juan Carlos und Königin Sofía stattgefunden.

Zwei Jahre nach dem Blutbad in Madrid sind immer noch fast 500 der Opfer in medizinischer oder psychologischer Behandlung. Die Ermittlungen zu den Terroranschlägen stehen kurz vor dem Abschluss. Spätestens am 10. April will der zuständige Ermittlungsrichter Juan del Olmo gegen etwa 40 der 116 festgenommenen Verdächtigen Anklage erheben, darunter drei mutmaßliche Attentäter. Der Prozess wird für Anfang 2007 erwartet. Die Opferverbände kritisieren seit langem die schleppenden Ermittlungen der Justiz. Nach einer Umfrage der Zeitung "El Mundo" (Samstag-Ausgabe) meinen zwei Drittel der Spanier, dass die Umstände der Attentate längst nicht geklärt sind. (apa)