Gedenken an Opfer in Nagasaki: US-Atombombenabwurf jährt sich zum 60. Mal!

Ministerpräsident Koizumi bei Trauerfeier in Japan Gedenkveranstaltung mit Überlebendem in Wien

Gedenken an Opfer in Nagasaki: US-Atombombenabwurf jährt sich zum 60. Mal!

Die südjapanischen Stadt Nagasaki hat am Mittwoch des Atombombenabwurfs vor 61 Jahren gedacht. Bürgermeister Itcho Ito rief bei der Trauerfeier in Nagasaki zur Abrüstung auf, Ministerpräsident Junichiro Koizumi bekräftigte die Anti-Atompolitik Japans. Auch in Wien fand eine Gedenkveranstaltung statt. Höhepunkt dabei war der Vortrag eines überlebenden Zeitzeugen, des 75-jährigen Kazuo Soda.

In Nagasaki versammelten sich Überlebende, Kinder und Politiker im Friedenspark der Stadt zu einer Schweigeminute um 11.02 Uhr Ortszeit: Zu diesem Zeitpunkt hatte die US-Armee am 9. August 1945, drei Tage nach dem Angriff auf Hiroshima, ihre zweite Atombombe abgeworfen. Das rund 5000 Kilogramm schwere Geschoss ging unter dem Namen "Fat Man" in die Geschichte ein. Insgesamt tötete die Bombe nachweislich mehr als 140.000 Menschen.

Bürgermeister Ito rief vor rund 4600 Menschen die Atommächte zur weiterer Abrüstung auf. Er kritisierte in seiner Ansprache namentlich die USA, Nordkorea, Indien, Pakistan, den Iran und Israel und rief in seiner Friedenserklärung die Wissenschaftler in aller Welt auf, keine Atomwaffen mehr zu bauen. Den USA und anderen Atommächten warf er vor, nicht strikt genug gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen vorzugehen.

An der Zeremonie nahmen auch der japanische Ministerpräsident sowie Regierungsdelegationen aus sieben Ländern teil. Koizumi bekräftigte bei der Veranstaltung, sein Land werde an der Verfassung und seiner Anti-Atompolitik festhalten. Als einziger Staat, auf den jemals Atombomben abgeworfen wurden, habe Japan die Pflicht, die Staatengemeinschaft immer wieder an seiner Erfahrung teilhaben zu lassen.

Auch in Wien wurde der Ereignisse in Nagasaki von 1945 gedacht, am Mittwoch fand vor der buddhistischen Friedenspagode eine Gedenkveranstaltung statt. Ehrengast war Kazuo Soda, der die Detonation der Bombe aus einer Entfernung von 2,5 Kilometern miterlebte. Der Appell zur Abschaffung aller Atomwaffen stellt einen weiteren zentralen Punkt seiner Rede dar. "Wir Hibakusha (Überlebenden, Anm.) können nicht in Frieden sterben, solange es Atomwaffen auf der Welt gibt", so Soda.

Er leide bis heute an den Spätfolgen der radioaktiven Strahlung, Ende Mai wurde bei ihm Krebs diagnostiziert, der Tumor stellte sich jedoch als gutartig heraus. Soda engagiert sich seit über zehn Jahren international für eine Welt ohne Atomwaffen. Er gehört der "Hibakusha"-Bewegung an, einer Vereinigung der Atomwaffenopfer, die zusammen mit der Organisation "Majors of Peace" versucht, die Abschaffung aller Atomwaffen bis zum Jahr 2020 zu erreichen. Zu den Zielen der Hibakusha-Bewegung zählt auch die Reduktion der friedlichen Nutzung von Atomenergie.

Die Atombombe in Nagasaki war etwa 500 Meter über dem Boden detoniert. Dabei kamen 27.000 Menschen sofort ums Leben. Bis Ende 1945 starben in Folge der akuten Verstrahlung insgesamt rund 70.000 Menschen. Bis heute werden der Totenliste der Stadt jedes Jahr tausende Namen hinzugefügt. Beim ersten Atombombenabwurf in Hiroshima am 6. August 1945 starben bis zur Gegenwart nachweislich mehr als 247.000 Menschen. Am Sonntag hatten dort ebenfalls tausende Menschen der Opfer gedacht.

(apa)