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Die Geburtsstunde des IS

Peter Pelinka über die Entstehung der gefährlichen Jihadisten-Miliz

Peter Pelinka © Bild: NEWS

Wieder haben Terroristen des IS („Islamischer Staat“) die Welt in Angst und Schrecken versetzt. Nun Brüssel, die Woche davor Istanbul, im November 2015 Paris, im Oktober die Sprengung eines russischen Flugzeuges, Bomben in Beirut, Anschläge in Tunesien und Ägypten. Dazu der Dauerterror von Gruppen, die sich zum IS bekennen, vor allem in Afrika. Das macht ihn zur globalen Bedrohung, gefährlicher noch als die (eher einzeln agierenden) Al-Kaida-Attentäter wie die Mörder von 9/11. Der IS will sein im Juni 2014 ausgerufenes „Kalifat“ auf die Welt ausdehnen; als Kernzelle dafür beherrscht er weite Teile des Irak und Syriens; und er perfektioniert eine global vernetzte und wirkende Propaganda samt martialischen Kopf-ab-Ritualen, welche die meisten Menschen im Westen erschreckt, einige aber pervers fasziniert. So sehr, dass auch Zehntausende „Dschihadisten“ aus Europa für den IS bomben, schlachten, sterben.

Der IS ist aus zwei Quellen entstanden. Geistig aus einer fanatischen Interpretation des Islam („Wahabismus“), Staatsreligion in Saudi-Arabien. Politisch aus der Masse der Sunniten, die sich im Irak nach dem Sturz Saddams 2003 von der schiitischen Regierung unterdrückt fühlten und in Syrien vom Alawiten Assad. Und militärisch von jenen Kadern der alten irakischen Armee Saddams, die von den USA gegen den Iran (1980 bis 1989) noch unterstützt worden war, im ersten Irakkrieg 1991 zwar besiegt, aber nicht zerschlagen wurde.

Die eigentliche Geburtsstunde des IS schlug vor 13 Jahren. Am 20. März 2003 begann der zweite Irakkrieg mit der Bombardierung Bagdads, am 1. Mai erklärte ihn George Bush für beendet. Er und sein Verbündeter, der britische Premier Blair (Deutschland und Frankreich verweigerten), hatten einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak begonnen. Angebliche Beweise für chemische, biologische oder gar nukleare Waffen im Irak wurden gefälscht. Saddam wurde gefasst und hingerichtet, ein Vakuum verblieb. So wie in Libyen nach dem Sturz Gaddafis und wohl in Syrien nach einem Sturz Assads: Vakuen, in denen sich Islamisten ausbreiten. Am gefährlichsten der IS.

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