Gears of War 3 im TEST von

Total durchgeknallt

Gelungener Startschuss in die Herbstsaison mit dem dritten Teil des Xbox-Zugpferds

Gears of War 3 im TEST - Total durchgeknallt © Bild: Microsoft

Wenn der Kettensägenaufsatz des Lancer-Gewehrs losheult und Locust-Schädel bersten kann das eigentlich nur eines bedeuten: Marcus Fenix ist mit seinem Team im Anrollen, um die Menschheit vor der Alien-Apokalypse zu bewahren. Noch bevor Microsoft Mitte November ein Remake von Halo Combat Evolved in die Schlacht schickt, setzt Gears of War 3 ab 20. September den Startschuss für eine verheißungsvolle Konsolen-Herbstsaison. NEWS.AT hat sich den exklusiven Xbox-Shooter vorab angesehen.

Gigantische Tentakel bohren sich aus der Erde und kündigen eine Horde befremdlicher Kreaturen an, die das Gelände stürmen. Ein Blick auf das Maschinengewehr zeigt: Das Blei könnte knapp werden, um alle Eindringlinge stillzulegen. Da ein Handshake keine Option ist, müssen die Angreifer daher erst einmal vorsichtig aus der Deckung heraus dezimiert werden. Zu spät: Ein Locust hat sich noch den Weg durch den öhrenbetäubenden Kugelhagel gebahnt und mitten unter das Team gemischt. Da hilft nur Kettensäge anwerfen und Fleischhauer spielen. Mahlzeit. Zwei Liter austretender Körperflüssigkeiten später endlich eine Verschaufpause. Jetzt heißt es Leichen fleddern und auf zum nächsten Schauplatz.

Der Third-Person-Shooter Gears of War ist nicht zufällig erst ab 18, wie man an dieser für das Spiel typischen Szene erkennen kann. Deckung, schießen, Deckung, schießen, Deckung, schießen: Daran hat sich auch im dritten Teil kaum etwas verändert. Logisch, schließlich ist das knackig-derbe Gameplay ja auch immer schon das Öl im "Kriegsgetriebe" gewesen. Subtil gibt es aber sehr wohl eine bemerkenswerte Veränderung festzustellen: Man kann nicht mehr gar so bedenkenlos um sich ballern wie früher, weil der Nachschub von Munition deutlich geringer ausgefallen ist. Daraus resultiert dementsprechend ein höherer Grad an Panik beim Spieler, mit der hereinbrechenden Gegnerflut nicht mehr zurechtzukommen. Selbst mit dem Wissen, dass man meistens nicht alleine ist und mit drei Kameraden (wahlweise von der K.I. oder von echten Spielern gesteuert) im Team agiert. Spannend!

Hollywood lässt grüßen
Bildschirmgroße Endgegner, rasant inszenierte Zwischensequenzen und geschickt gesetzte Fokuspunkte, bei denen die Aufmerksamkeit des Spielers auf spezielle Details am Schlachtfeld gelenkt wird, zeugen in der Kampagne davon, dass Entwickler Epic sein Handwerk versteht und den Spieler bei dem Höllentrip der Kommandoteams geschickt an der Hand führt. Und ein Highlight auf das andere folgen lässt. Unterschiedliche nutzbare Vehikel an bestimmten Spielpassagen runden die actiongeladene Achterbahnfahrt ab.

Besonders bemerkenswert ist dabei, welche Leistung Epic aus der Xbox noch rauszuquetschen vermag: Trotz mager klingender 30 Bilder pro Sekunde sind leichte Ruckler nur vereinzelt in Zwischensequenzen auszumachen. Ansonsten gibt es fast ausschließlich hochauflösende Texturen, stimmige Beleuchtung und eine Farbpalette, die im Gegensatz zu den Vorgängern auch endlich mal als solche bezeichnet werden kann. Für zweifellos düstere Endzeitstimmung muss eben nicht zwingend ein Kübel aus Grau- und Brauntönen bemüht werden.

Artenvielfalt für Splatter-Orgien
Die größte Innovation bei Gears of War 3 steckt sicherlich in der Erweiterung der Spielvarianten und speziell in der Verbesserung der Merhspieler-Modi. So lässt sich zunächst die Kampagne beispielsweise auch als Arcade-Abhandlung spielen. Die Level lassen sich dabei ohne Zwischensequenzen spielen, dafür spuckt ein System die Performance der Spieler in Punkten aus, um sich so vergleichbarer untereinander messen zu können.

An der Mehrspieler-Front dürfte der Einsatz von Dedicated Servern endlich dem Host-Vorteil der P2P-Struktur ein Ende setzen. Ferner gibt es auch hier einen neuen Modus zu entdecken. Neben den altbekannten Spielarten aus den Vorgängern kämpft man in "Beast" klassenbasiert in der Rolle der Locust-Rasse mit bis zu vier Teamkameraden gegen stärker werdende Wellen menschlicher Söldnertrupps. Für reichlich Abwechslung nach Beendigung der Kampagne ist also gesorgt, die ohnehin schon länger ausgefallen ist als in Gears of War 2.

Die Handlung soll laut Entwickler übrigens mit dem dritten Teil zu Ende sein. Wer's glaubt, wird selig: Spätestens dann, wenn der Titel in den Verkaufscharts kräftig einschlagen sollte, darf man mittelfristig sicherlich mit einem Spin-Off oder Prequel rechnen.

NEWS.AT-Fazit
Lock and Load: Wer seiner Xbox im Herbst richtig einheizen möchte und erwachsener Shooter-Kost nicht abgeneigt ist, dürfte um Gears of War 3 nicht herumkommen. Und wird dafür mit hollywoodreifer Action belohnt: Mitreißend inszenierte Einzelspieler-Kampagne, variantenreiche Mehrspieler-Modi und nicht zuletzt eine technisch aufwendige Präsentation, wie man sie der aktuellen Konsolengeneration nicht zugetraut hätte, lassen in diesem Genre kaum Wünsche offen. Epic mag mit Gears of War 3 das Rad zwar nicht neu erfunden haben, besser geölt denn je läuft es jetzt aber allemal.