Gazprom dreht der Ukraine das Gas ab:
Auch in Europa Angst vor Lieferengpässen

Gas-Versorger erklärt Gespräche für gescheitert Ukraine sucht Hilfe bei der Europäischen Union

Gazprom dreht der Ukraine das Gas ab:
Auch in Europa Angst vor Lieferengpässen © Bild: Reuters/Konstantin Chernichkin

Im Gasstreit mit Russland sucht die Ukraine Unterstützung in der EU. Eine Delegation werde zunächst Tschechien, das die EU-Ratspräsidentschaft innehat, und dann andere EU-Länder besuchen, sagte ein Sprecher des ukrainischen Außenministeriums. Dabei solle es um das Problem der russischen Gaslieferungen für Europa gehen. Laut dem russischen Energiekonzern Gazprom ist Westeuropa nicht von dem Lieferstopp für die Ukraine betroffen.

Prinzipiell hofft die Ukraine auf eine schnelle Kompromisslösung. Staatspräsident Viktor Juschtschenko sagte am Donnerstag in Kiew, er erwarte in Kürze die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Gazprom und ihren erfolgreichen Abschluss bis zum orthodoxen Weihnachtsfest am 7. Jänner. "Ich glaube wir sind kurz davor, eine Kompromisslösung zu akzeptieren", sagte Juschtschenko. In einer gemeinsamen Erklärung mit Ministerpräsidentin Julia Timoschenko betonte die ukrainische Regierung, die vorhandenen Lagerbestände für Erdgas reichten noch eine lange Zeit. Beide versicherten ebenso wie Gazprom, dass der Transit von Erdgas nach Westeuropa nicht behindert werde.

Die USA riefen indes beide Seiten in dem Konflikt dazu auf, die humanitären Implikationen der Versorgungsunterbrechung zu beachten. "Die verlässliche Energieversorgung der Ukraine und des übrigen Europas unter transparenten Marktbedingungen ist wesentlich für Stabilität und Verlässlichkeit auf den regionalen und globalen Energiemärkten", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Gordon Johndroe.

2,1 Milliarden Dollar Schulden
Die Ukraine hat nach Gazprom-Angaben ausstehenden Rechnungen plus Verzugsgebühren nicht bezahlt, die sich auf über 2,1 Milliarden Dollar belaufen sollen. Naftogaz hat hingegen erklärt, dass die ausstehenden Schulden von 1,5 Milliarden Dollar bezahlt worden seien.

Die Gazprom hat ihrerseits den Preis in die Höhe geschraubt. Da die Ukraine das Angebot über 250 Dollar (rund 180 Euro) pro tausend Kubikmeter abgelehnt habe, solle Kiew nun 418 Dollar bezahlen, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller am Donnerstag im Fernsehsender Westi-24. Kiew hält einen Preis von 201 Dollar pro tausend Kubikmeter für angemessen und fordert eine Erhöhung der Transitgebühren für durch die Ukraine nach Europa geliefertes Gas auf zwei Dollar pro tausend Kubikmeter je hundert Kilometer. Derzeit erhält die Ukraine 1,70 Dollar.

(apa/red)