Gastkommentar von

Steuern erhöhen und Kriege führen

Peter Handke blickt auf sein Jahr in einer außer Rand und Band geratenen Welt zurück

Peter Handke © Bild: APA/Eggenberger

Lesen, arbeiten, gehen, den Leuten, die man mag, in die Augen schauen: Das war mein Jahr. Denn wirtschaftlich ist es in Frankreich viel schlimmer als in Österreich. In den Dörfern und den kleinen Städten herrscht eine entsetzliche Wut gegen das System, gleich, ob sozialdemokratisch oder konservativ. Rebellion ist aber chancenlos, denn die Politiker sind Marionetten der Wirtschaft. Steuern erhöhen oder Krieg führen ist ihre letzte Wirkmächtigkeit.

Dieser Wirklichkeit kann man nicht entgehen, aber man kann sich von ihr abstoßen. Als einer der Letzten, die noch utopisch schreiben, lebe ich davon, dass ohne diese furchtbare Wirklichkeit auch keine Bilder von etwas anderem entstehen könnten. Zu Obama habe ich in diesem Jahr jedes Vertrauen verloren: ein Karrierist wie alle westlichen, vielleicht auch östlichen Politiker, ein Barack Ohnedampf in allen Gassen. Dass sich die Kirche eine neue Fassade verordnet hat, ist nicht schlecht. Aber um tatsächlich etwas verändern zu können, müsste man in dieser Zeit etwas anderes als Papst sein. Zumal ich empört dagegen bin, von Homosexuellen-Ehe zu sprechen: Man soll diese Verbindungen schützen und anerkennen, aber die Ehe ist für mich ein Sakrament, eine einmalige Sache zwischen Mann und Frau. Einer Mutter Kind zu sein ist etwas Herrliches, etwas aus der Nacht der Zeiten, als die Nacht noch hell war. Das päpstliche Herumlavieren in dieser Frage gefällt mir nicht. In dieser Hinsicht bin ich konservativ. Meine österreichischen Wahrnehmungen? Sie beschränken sich auf eine Zugfahrt von Payerbach-Reichenau nach Wien. Ich dachte, man könne sein Ticket im Zug lösen, aber das geht nicht mehr. Der Triumph in den Augen des Schaffners, als er mir 35 Euro abgeknöpft hat, so dass ich ihm noch immer eine hineinhauen möchte: Das war mein Österreich-Erlebnis des Jahres.

Kommentare

mikerol

Die Angst vor schwulen Tendenzen markiert Handike's ganzes Werk und sein Benehmen Frauen gegenueber. z.b. die Luege am Ende von WUNSCHLOSES UNGLUECK, dass der Vater auf einer Reise (die aber nie stattefunden hat) befuerchtet er und sein Sohn Peter wuerden fuer ein schules Paar gehalten zu werden. Man betrachte auch die vielen exhibitionistischen Photos wo er sich ganz besonders maennlich strotzt!

Ingo N. Berger

Nur 35 Euro??
Einer Bekannten und mir wurden ob eines nicht funktionierenden Fahrscheinautomatens (in einer unbesetzten Haltestelle) in einem schaffner- aber nicht kontrollorlosen Zug jeweils 65 Euro abgeknöpft. Noch dazu in einer Art und Weise, die nicht einmal für das Auge des Gesetzes angemessen gewesen wäre.
Scharfer und pointierter Protest mit nachdrücklichen Argumenten hilft hier aber.

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