Gastgeber Schweiz ist gehörig unter Druck:
Spiel gegen Türkei entscheidet über Aufstieg

Teamchef Kuhn spricht von "erstem Finale dieser EM" Schweizer setzen auf ihr Trio mit türkischen Wurzeln

Gastgeber Schweiz ist gehörig unter Druck:
Spiel gegen Türkei entscheidet über Aufstieg © Bild: AP/Gillieron

Genauso wie Österreich steht auch Co-Gastgeber Schweiz vor dem zweiten Match der EURO-2008 mit dem Rücken zur Wand. Nach dem 0:1 im Eröffnungsspiel der Gruppe A gegen Tschechien muss heute (20.45 Uhr LIVE auf news.at) im St. Jakob-Park in Basel ein Sieg her. Das weiß auch Köbi Kuhn. "Unser Spiel gegen die Türkei ist das erste Finale dieser EM", erklärte der mit Turnierende freiwillig scheidende Teamchef der "Nati".

Das unglückliche Auftaktmatch gegen die Tschechen habe der Mannschaft - nach anfänglicher Niedergeschlagenheit - Mut gemacht. "Weil wir gesehen haben, dass wir gegen die Nummer sechs der Weltrangliste die bessere Mannschaft waren. Ich bin mir sicher, dass wir gegen die Türkei eine Schweizer Mannschaft sehen werden, die ihre wahrscheinlich letzte Chance zu nutzen weiß. Wir lassen den Kopf nie hängen, abgerechnet wird nach drei Spielen", meinte Kuhn, der "absolut keine Depression" in seinen Reihen festgestellt hat.

Fernandes: "Lieber mal schlecht spielen und gewinnen"
Mittelfeldspieler Gelson Fernandes hat angesichts der starken, aber unbelohnten Leistung gegen Tschechien ein einfaches Erfolgsrezept. "Wir haben gegen Tschechien gut gespielt, aber trotzdem null Punkte auf dem Konto. Wir sollten lieber mal schlecht spielen und gewinnen." Der Manchester-City-Legionär ist sich der Bedeutung der Partie bewusst. "Es steht sehr viel auf dem Spiel. Das Gefühl, dass die gesamte Nation hinter uns steht, ist für uns sehr wichtig. Das Viertelfinale ist nach wie vor realistisch, dafür müssen aber gegen die Türkei drei Punkte her."

Flügelflitzer Tranquillo Barnetta, einer der beliebtesten Kicker des Landes, stellt sich auf einen Kampf auf Biegen und Brechen ein. "Ähnlich wie wir leben die Türken vom Kollektiv." Barnetta ist sich sicher, dass die Schweizer mit dem Druck gut umgehen können. "Wenn wir am Abgrund stehen, dann zeigen wir gute Leistungen. Das haben haben wir schon oft bewiesen."

"Nati" muss ohne Kapitän Frei auskommen
Dass Alexander Frei mit einem Teilanriss des Innenbandes im linken Knie für den Rest der EM ausfällt, hat den Schweizer Hoffnungen natürlich einen weiteren Dämpfer verpasst. Doch Barnetta erinnerte sich, dass das Team auch den 2:1-Erfolg gegen die Niederländer im Testmatch im Sommer 2007 ohne den Kapitän und Rekordtorschützen geschafft hat. "Dieses Spiel müssen wir uns als Beispiel nehmen."

Im Angriff hat Kuhn aber mit Marco Streller und Derdiyok nominell nur mehr zwei Stürmer zur Verfügung, aber Leute wie Hakan Yakin, Johan Vonlanthen (Lattenschuss gegen Tschechien), Daniel Gygax oder Barnetta sind ebenfalls jederzeit für torgefährliche Sturmläufe gut.

Auch Tormann David Benaglio weiß, dass viel auf dem Spiel steht. "Beide Teams sind mit einer Niederlage gestartet. Jeder weiß, um was es geht, drei Punkte müssen her." Platz für Scharmützel aufgrund des "Hassduells" im November 2005 in der WM-Qualifikation in Istanbul bleibt da für die Schweizer nicht, sie haben sich im Vorfeld der Partie ausschließlich aufs Sportliche konzentriert.

Schweizer Trio mit türkischen Wurzeln
Besonders brisant ist das Schlüsselspiel der Gruppe A für die drei Schweizer Teamkicker Hakan Yakin, Eren Derdiyok und Gökhan Inler. Das Trio hat nämlich türkische Wurzeln. Die Schweizer Medien fordern vor dem ersten großen Entscheidungsmatch vehement den Einsatz der gesamten "Kebab-Connection" (Boulevardzeitung "Blick"). Vor allem Derdiyok, der jüngste aller EM-Spieler, soll für die dringend benötigten Tore sorgen und den angeschlagenen sowie seine Hochform suchenden Marco Streller ersetzen.

"Natürlich ist es ein spezielles Spiel für mich, schließlich kommen meine Eltern aus der Türkei", erklärte Derdiyok, der noch dazu als Spieler von Meister FC Basel im St. Jakob-Park ein echtes Heimspiel genießen würde. Derdiyok hat gleich bei seinem A-Teamdebüt für die "Nati" getroffen, und das noch dazu im Londoner Wembley-Stadion. Bei der 1:2-Testspielniederlage der Schweizer am 6. Februar 2008 erzielte der Youngster den zwischenzeitlichen Ausgleich.

Bereits im EURO-Eröffnungsmatch gegen Tschechien war Derdiyok unmittelbar vor seinem EM-Debüt gestanden. Nach der Verletzung von Alexander Frei wollte Teamchef Köbi Kuhn den Youngster bringen. Der Pausenpfiff kam zuvor und in der Kabine überlegte es sich Kuhn dann doch noch anders und wechselte Yakin ein.

Routiniers Yakin und Inler
Auch Yakin ist türkischstämmig, im Gegensatz zu Derdiyok ist er allerdings mit 31 Jahren bereits ein echter Routinier. Yakin befindet sich in Hochform, in der Saison 2007/08 wurde er mit Young Boys Bern hauchdünn hinter Basel Vizemeister, der Titel des Torschützenkönigs war Yakin mit 24 Treffern allerdings nicht zu nehmen. Yakin bereitete zudem 14 Young-Boys-Treffer vor und wurde zum besten Spieler der Schweizer Liga-Saison gewählt. Auch gegen Tschechien brachte Yakin in den zweiten 45 Minuten viel Wind ins Spiel und hat sich damit fürs Türkei-Match mehr als empfohlen.

Aus der Schweizer Startaufstellung ohnehin nicht wegzudenken ist der dritte "Türke", Inler war auch beim 0:1 gegen die Tschechen einer der besten "Nati"-Akteure. Der 23-Jährige, der sein Geld in Italien bei Udinese verdient, versprach den Schweizer Fans für Türkei-Match volle Attacke. "Wir werden alles tun, um diesen Rückschlag gegen Tschechien wegzustecken. Trotz der Niederlage ist die Stimmung im Team weiterhin super, alle sind optimistisch. Wir werden auch gegen die Türken wieder Vollgas geben, das Viertelfinale ist noch immer möglich."

Mögliche Aufstellung Schweiz - Türkei:
(Basel, St. Jakob Park, 20.45 Uhr/live auf news.at, Schiedsrichter Lubos Michel/SVK)

Schweiz: 1 Benaglio - 5 Lichtsteiner, 20 Müller, 4 Senderos, 3 Magnin - 19 Behrami, 8 Inler, 15 Fernandes, 16 Barnetta - 11 Streller, 10 Yakin

Ersatz: 18 Zuberbühler, 21 Jakupovic - 2 Djourou, 23 Degen, 17 Spycher, 14 Gygax, 6 Huggel, 22 Vonlanthen, 12 Derdiyok, 7 Cabanas, 13 Grichting

Ausfälle: 9 Frei (Teilanriss des Innenbandes im linken Knie)

Türkei: 23 Volkan Demirel - 22 Hamit Altintop, 2 Servet Cetin, 15 Emre Asik, 3 Hakan Balta - 18 Kazim Kazim, 7 Mehmet Aurelio, 14 Arda Turan - 21 Mevlüt Erdinc, 8 Nihat Kahveci, 17 Tuncay Sanli

Ersatz: 1 Rüstü Recber, 12 Tolga Zengin - 6 Mehmet Topal, 9 Semih Sentürk, 10 Gökdeniz Karadeniz, 14 Arda Turan, 11 Tümer Metin, 13 Emre Güngör, 20 Sabri Sarioglu, 16 Ugur Boral, 19 Ayhan Akman

Ausfälle: 4 Gökhan Zan (Bänderverletzung im linken Knie), 5 Emre Belözoglu

Fraglich: 2 Servet Cetin (Bänderprobleme im Knie), 5 Emre Belözoglu,
3 Hakan Balta (angeschlagen)

(apa/red)

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