EM 2016 von

Gastgeber Frankreich atmete nach knappem Sieg kräftig auf

Geniestreich in der 89. Minute brachte Erlösung © Bild: APA (AFP)

Mit dem 2:1-Last-Minute-Sieg im EM-Auftaktspiel gegen Rumänien hat Gastgeber Frankreich den Druck abgelegt und den Grundstein für seine Titeljagd gelegt. "Ein Eröffnungsspiel ist ein bisschen wie ein Cupfinale. Wir waren ein bisschen eingeschüchtert. Wir wollten den Sieg erzwingen", meinte Frankreich-Coach Didier Deschamps, dessen Truppe stets als Titelfavorit gehandelt worden war.

Dank des Goldtors von Dimitry Payet in der 89. Minute kann Frankreich schon gegen die Albaner am Mittwoch das Erreichen der K.o.-Runde sicherstellen. "Das ist jetzt die Euro von Les Bleus und bereits genial, ja, schon nach nur einem Spiel", schrieb "Le Parisien" und titelte "Das fängt gut an!". Die Sportzeitung "L'Equipe" meinte: "Dieser entscheidende Sieg, so bedeutend nach zwei Jahren des Wartens, war eine Freude und eine Qual. Aber er tut verdammt gut."

Gegen den Außenseiter taten sich die Franzosen in der Tat ausgesprochen schwer, die Last der riesigen Erwartungen erdrückte den fußballerischen Esprit. Die Abwehr offenbarte die befürchteten Schwächen. Immerhin brachte Olivier Giroud die Gastgeber in der 57. Minute in Front - wenngleich die Zeitlupen- und Standbilder schließlich einen zumindest umstrittenen Rempler Girouds gegen die Hände des rumänischen Goalies Tatarusanu zeigten.

Schiri Viktor Kassai gab das Tor aber und bemühte schon acht Minuten später wieder seine Pfeife. Der Ausgleich durch Bogdan Stancu per Foulelfmeter schien den Hausherren die Party zu verderben, schließlich war von der gefürchteten Offensive der Franzosen mit Ausnahme von Payet nur wenig zu sehen. Der bei Deschamps nicht immer hoch im Kurs gestandene Offensivmann aber erlöste kurz vor Schluss mit einem Traumtor eine ganze Fußballnation.

Deschamps scheute nicht davor zurück, die beiden vermeintlichen Superstars Paul Pogba und Antoine Griezmann vorzeitig vom Platz zu holen. "Paul kann besser spielen. Ich will nicht zu hart mit ihm sein", meinte Deschamps. Atletico-Madrid-Akteur Griezmann schritt danach mit missmutiger Miene und Mate-Tee durch die Mixed-Zone. "Der Star der französischen Equipe ist die Mannschaft", betonte Abwehrspieler Patrice Evra. "Nicht ein einzelner Spieler. Nicht Paul, nicht Antoine".

Am Freitag war freilich unbestritten Payet der Star, der schon Girouds Tor vorbereitete. "Ihm haben wir den Sieg zu verdanken", sagte Bayerns eingewechselter Kingsley Coman. Deschamps kündigte an: "Ich werde ihn in Eis packen, damit ihm in den kommenden Spielen nichts Ernstes passiert." Erst in diesem Jahr war Payet nach einer starken Saison bei West Ham United in der Premier League von Deschamps wieder berücksichtigt worden.

Die Rumänen, die an diesem Abend ebenso viele Gegentore erhielten wie in der gesamten EM-Qualifikation, müssen vor ihrer zweiten Gruppenpartie gegen die Schweiz erst das späte K.o. verdauen. "Es wird sehr schwer werden, die Spieler wieder körperlich auf volles Niveau zu bringen, weil sie völlig ausgelaugt sind", sagte Trainer Anghel Iordanescu. Ähnliches gelte auch für den psychologischen Aspekt.

Ein bisschen trauerte er auch der Großchance in der vierten Minute nach, als Stancu nur hauchdünn scheiterte. "Wenn wir das Führungstor erzielt hätten, hätte dies das ganze Spiel geändert", betonte er. Sein Kapitän Vlad Chiriches vermisste vor allem Fortune: "Was zur Überraschung gefehlt hat? Womöglich nur das Glück. Wir hatten Chancen, in Führung zu gehen, am Ende haben aber die Franzosen getroffen."

Dennoch zeigte sich Iordanescu von der Vorstellung seines Teams angetan. "Ich möchte meinen Spielern gratulieren, weil sie alle taktischen Anweisungen, die ich ihnen gegeben habe, umgesetzt haben", erklärte der 66-Jährige. "Es schmerzt wirklich, in der 89. Minute zu verlieren, aber es war ein toller Schuss eines wunderbaren Spieles."