Gasstreit spitzt sich rasant zu: 60 Prozent weniger Gas ab heute an Weißrussland

Drohung: Kürzung um 85 Prozent liegt in der Luft Lieferung an EU-Kunden über Ukraine umgeleitet

Gasstreit spitzt sich rasant zu: 60 Prozent weniger Gas ab heute an Weißrussland © Bild: Reuters/Cristel

Der russische Gasmonopolist Gazprom hat die Gaslieferungen an Weißrussland weiter gedrosselt: Seit heute werden nach Angaben von Gazprom-Chef Alexej Miller 60 Prozent weniger Gas in das Nachbarland geleitet. Der Staatskonzern hat gedroht, die Gaszufuhr um bis zu 85 Prozent zu kürzen, sollte Weißrussland nicht Schulden in Höhe von 160 Mio. Dollar (130,5 Mio. Euro) begleichen.

Miller sagte zur weißrussischen Drohung, den Gastransit nach Westeuropa zu unterbrechen, sein Unternehmen werde die Lieferungen an EU-Kunden über die Ukraine umleiten. Russland betreibt zwei Pipelines nach Westeuropa, eine über Weißrussland und die andere über die Ukraine. Über die Ukraine gelangt 80 Prozent des russischen Gases nach Westen. Miller sagte, bis Mittwoch seien Kunden westlich Weißrusslands noch nicht von Lieferkürzungen betroffen gewesen.

Im Streit über die Anhebung des Gaspreises für Weißrussland und die Ukraine auf Weltmarktniveau hat Russland bereits mehrmals beiden ehemaligen Sowjetrepubliken die Lieferungen abgedreht. Davon waren im Winter wiederholt auch Kunden in der EU betroffen.

Russland ist der wichtigste Verbündete des autoritär herrschenden weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko. Finanzstreitigkeiten trüben aber inzwischen das bilaterale Verhältnis. Weißrussland hat sich geweigert, den von Russland erhöhten Gaspreis zu bezahlen und fordert seinerseits nun 260 Mio. Dollar Gebühren für die Durchleitung des Gases in den Westen nach.

(apa/red)