Ganz Paraguay weinte vor Glück nach Sieg:
Japanischer Osim-Nachfolger vor Rücktritt

Trainer Martino: "Ist ein weiterer Schritt zum Ruhm" Japans Okada: "Gibt nichts mehr, was ich tun kann"

Ganz Paraguay weinte vor Glück nach Sieg:
Japanischer Osim-Nachfolger vor Rücktritt © Bild: Reuters/Brindicci

Das Duell zwischen Paraguay und Japan in Pretoria am letzten Achtelfinal-Spieltag hat bescheidenes Niveau und in 120 Minuten auch kein Tor, dafür aber gleich einige Premieren gebracht. Das erste Elferschießen im 55. Spiel des Turniers in Südafrika nützten die Südamerikaner zum 5:3-Erfolg und zum erstmaligen Einzug ins Viertelfinale. In diesem treffen sie in Johannesburg auf Europameister Spanien und haben Lunte gerochen. "Gegen gute Gegner haben wir immer besser gespielt", kündigte Stürmer Nelson Valdez an.

"Wir haben lange gelitten. Das Glück war auf unserer Seite. Es ist ein weiterer Schritt zum Ruhm. Ich hoffe, wir können uns schnell erholen. Wir wollen nicht weiter Geschichte schreiben, sondern ein gutes Spiel machen", stotterte der paraguayische Teamchef Gerardo Martino unter Freudentränen in die Mikrofone der Journalisten, während seine Spieler in der Kabine mit Mate und lauter Musik feierten. Der Argentinier hatte von der ersten Minute bis zur Entscheidung seiner Nervosität in der Coaching-Zone stehend mit Gesten und Rufen Luft verschafft. Weil hüben wie drüben wenig bis gar nichts zusammenlief, es an Präzision mangelte und weil Fehlpässe die Regel, rassige Szenen, gute Torchancen Mangelware waren.

"Albirroja" im Elfern treffsicher
Nerven waren nach langweiligem Spielverlauf vor allem dann erst im insgesamt 21. Penalty-Schießen der WM-Historie gefragt. Für beide Teams war das "Glücksspiel" vom Punkt eine Premiere, in der die fünf nominierten Spieler der "Albirroja" kühlen Kopf behielten und alle Elfer verwerteten. Im dritten Durchgang hätte auch Yuichi Komano eine Premiere feiern können, doch der rechte Verteidiger blieb seiner Linie treu. Er erzielte auch in seinem 57 Länderspiel kein Tor, sondern knallte den Ball an die Latte.

Der japanische Teamchef machte Komano und all den anderen, die gegenüber dem 3:1 gegen Dänemark ihr schnelles Passspiel, schöne Kombinationen und ebenso genaue wie erfolgreiche Freistöße hatten vermissen lassen, überhaupt keinen Vorwurf. "Meine Spieler waren wunderbar, wirklich wunderbar", sagte Takeshi Okada, der Ende 2007 den früheren bosnischen Sturm-Trainer Ivica Osim nach dessen Schlaganfall beerbt hatte.

Teamchef Okada vor Rücktritt
Diese Mannschaft habe Japan und ganz Asien stolz gemacht, meinte Okada, um danach seinen Rücktritt anzudeuten: "Ich habe nicht genug geleistet und denke nicht, das es jetzt noch irgendetwas für mich gibt, was ich noch tun kann." Ministerpräsident Naoto Kan spendete allen Trost zu. "Natürlich war es schade, aber ihr habt Euch wirklich bemüht", ließ der Regierungschef ausrichten. Die Zeitung "Yomiuri Shimbun" kritisierte nur das "Manko, keinen absolut zuverlässigen Torjäger zu haben."

Das Blatt war mit dem Auftritten und Leistungen der Spieler in Südafrika aber generell zufrieden. "Sie haben durch ihre Spiele dem Namen Blaue Samurai alle Ehre gemacht", war zu lesen. Die Okada-Truppe überstand erstmals außerhalb des eigenen Landes die WM-Gruppenphase, auf den ersten Einzug ins Viertelfinale und den ersten vollen Erfolg im zwölften Länderspiel gegen einen Vertreter Südamerikas muss man zumindest weiter waren.

Kollektiver Freudentaumel in Paraguay
In Paraguay brach nach dem achten Versuch, erstmals ins WM-Viertelfinale einzuziehen, der kollektive Jubel aus. Zehntausende Leute bevölkerten die Straßen der Hauptstadt Asuncion und taten ihre Freude kund. "Der Erfolg der Seleccion verdient ein würdiges Fest, das Volk will es so. Lasst uns feiern", rief Staatspräsident Fernando Lugo im Dress der "Albirroja" und gab den Angestellten des Öffentlichen Dienstes den Nachmittag frei.

Glücklich waren nicht nur die Fans in der Heimat, sondern auch die Spieler in Südafrika. "Für mich war es, als würde ich einen Elfer in meinem Stadtviertel ausführen. Das war das wichtigste Tor meiner Karriere, für mich hat sich ein Traum erfüllt", erzählte Oscar Cardozo, nachdem er den Aufstieg mit seinem Penalty zum 5:3 fixiert hatte. Teamchef Martino verriet, dass sein Schützling gebeten habe, den fünften Elfer zu schießen. "Wenn einer das tut, dann kann man nur den Hut ziehen", meinte der Argentinier.

(APA/red)