Galaxy S und Wave: Echte iPhone-Rivalen?
Zwei Newcomer von Samsung im Überblick

Galaktische Hardware für beide Smartphones an Bord Wave will mit eigenem Betriebssystem Bada punkten

Spätestens seit 2008 gibt es eigentlich nur einen maßgeblichen Benchmark, an dem sich jede Smartphone-Neuerscheinung messen muss: Das iPhone. Etliche Konkurrenzprodukte haben sich entweder an der intuitiven Nutzerfreundlichkeit oder an der vielfältigen Auswahl an Anwendungen die Zähne ausgebissen. Und wenn es eine Plattform geschafft hat, die App(le)-Dominanz ein wenig zu untergraben, dann war es auschließlich Googles Android. Diese Vorzeichen berücksichtigend scheint Samsung für seine Handysparte eine mehrgleisige Strategie gegen das iPhone zu fahren und schickt mit dem Galaxy S und dem Wave gleich zwei ernstzunehmende Rivalen ins Rennen. NEWS.at konnte beide Geräte unter die Lupe nehmen.

Äußerlich lehnen sich sowohl Galaxy S als auch Wave nicht allzu weit aus dem Fenster. Die für Smartphones charakteristische Barren-Optik wurde klarerweise beibehalten, auch der anthrazitfarbene Displayrahmen und das Klavierlack- (Galaxy S) bzw. Metallic-Finish (Wave) der Rückseite folgt dem Prinzip gewohnten Designs. Sehr wohl unterscheidet sich das Samsung-Duo hinsichtlich Größe und Verarbeitung: Trotz vermeintlich geringer Abweichungen liegt das Galaxy S (122x64x10 Millimeter, 119 Gramm) deutlich wuchtiger in der Hand als Wave (118x56x11 Millimeter, 116 Gramm). Hinsichtlich Verarbeitung kann sich das Wave klar absetzen: Metall dominiert das Gehäuse und verleiht dem Smartphone einen wesentlich robusteren Eindruck als das filigran wirkende Hochglanz-Plastik des Galaxy S.

Brillante Multimedia-Athleten
Ein klares Highlight bei beiden Geräten ist das unglaublich kontrastreiche Super AMOLED-Display, das bei einer Auflösung von 480x800 Pixel bis zu 16 Mio. Farben darstellen kann. Wesentlichen Unterschied gibt es hier nur einen: Der Touchscreen des Galaxy S misst üppige vier Zoll, während jener des Wave "nur" auf 3,3 Zoll kommt. Um auch die entsprechenden Inhalte auf solche Bildschirme zu zaubern, dient in beiden Fällen ein 1-GHz-Prozessor Marke Eigenbau („Hummingbird“) als Herzstück für genügend Kraftreserven. In der Praxis konnte dies mit einer blitzschnellen und ruckelfreien Navigation durch die Menüs sowie der Wiedergabe von HD-Videos und Spielen bestätigt werden. Referenzverdächtig.

Sowohl das Galaxy S als auch das Wave zählen derzeit zur überschaubaren Smartphone-Elite, die über eine DivX-Zertifizierung für 720p-Playback verfügt. Eigene Bild- und Klangoptimierungs-Engines seien nur am Rande erwähnt (mDNIe, DNSe). Wie heutzutage üblich kommt die Smartphones mit GPS, Bewegungssensor und digitalem Kompass. Auch unterstützt es neben Mobilfunkverbindungen bis hin zu HSPA-, Bluetooth 3.0- sowie WLAN-Verbindungen, wobei letztere auch nach dem 802.11n-Standard möglich sind.

In beiden Modellen steckt eine 5-Megapixel-Kamera, die bei Fotos und auch Videos zum Einsatz kommt. Während das Wave mit Blitzlicht punkten kann, stellt das Galaxy S dafür über mehr internen Speicher zur Verfügung (8 GB statt 2 GB, beide via microSD erweiterbar). Ebenfalls punkten kann das Galaxy S mit der geringeren Auslöseverzögerung, obwohl das Wave sogar einen eigenen Auslöser-Knopf hat. Prinzipiell wissen beide Kameras aufgrund der vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten zu gefallen, in Summe hat das Galaxy S die Nase aber ganz leicht vorne.

Android vs. Bada: Eine Frage der Apps
Der größte Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Touchscreen-Gleitern ist jedoch das Betriebssystem. Während das Galaxy S mit Googles Android 2.1 ausgestattet ist, setzt Samsung beim Wave auf das hauseigene Bada OS. Dabei ist es weniger die Menülogik und die damit einhergehende Navigation, die den Unterschied ausmacht. Schließlich sind beide Geräte Multitasking-fähig und verfügen über mehrere individuell anpassbare Desktop-Oberflächen, hinter denen eine - salopp formuliert – vom iPhone "inspirierte" Einstellungs- bzw. Anwendungs-Anordnung schlummert. Beide Geräte befinden sich diesbezüglich also auf gleich hohem Niveau.

Vielmehr ist zunächst hervorzuheben, dass das Wave im Gegensatz zum Galaxy S kein Multitouch beherrscht. Ferner ermöglicht das Galaxy S neben dem Zugriff auf den hauseigenen Marktplatz für Anwendungen (Samsung Apps) auch das Angebot aus dem Android Market. Derzeit ein massiver Vorteil, der sich mit gut 90.000 zusätzlichen Apps bemerkbar macht. Wave-Besitzer müssen sich mit der im Vergleich mickrigen Auswahl der Samsung Apps abfinden und können darauf hoffen, dass Samsungs diesbezügliche Absichten auf eine rasche Ausweitung abzielen.

Mit und ohne Vertrag bereits verfügbar
Beide Geräte sind ab sofort verfügbar. Ohne Vertrag schlägt das Galaxy S derzeit mit rund 450 Euro zu Buche, das Wave ist bereits ab 300 Euro erhältlich. Mit Vertrag wird das Galaxy bei A1 (ab 49 Euro) und T-Mobile (ab 149 Euro) angeboten. Das Wave gibt es bei T-Mobile (ab 149 Euro), Orange (ab 1 Euro) und 3 (ab 0 Euro).

FAZIT
Mit dem Galaxy S und dem Wave liefert Samsung bemerkenswerte Leistungen ab. Hinsichtlich Hardware und nicht zuletzt auch wegen der hohen Nutzerfreundlichkeit sind beide Smartphones ohne Zweifel in der obersten Handy-Liga einzuordnen. Im Direktvergleich kann sich das Galaxy S aber aufgrund der Android-Plattform und kleiner technischer Spezifikationen noch einmal vom Wave abheben. Die hochwertigere Verarbeitung des Gehäuses kann den Nachteil einer deutlich geringeren App-Auswahl derzeit nicht wettmachen.

Einen ernsthaften iPhone-Rivalen stellt nur das Galaxy S dar. Bis zum 3GS steckt es die Apple-Konkurrenz jedenfalls locker in die Tasche. Der Vorsprung auf das iPhone 4 dürfte deutlich geringer ausfallen, beide Geräte sind eher auf gleicher Augenhöhe anzusiedeln. Einen Vorteil scheint das Galaxy S aber bereits jetzt schon für sich verbuchen zu können: In der Praxis konnten keinerlei Empfangsprobleme oder langsame Internetverbindungen durch die Störung eines außenliegenden Antennenbandes festgestellt werden. (bb)