Gähnende Leere im Austria Center Vienna:
Interesse beim AMIS-Prozess im Sinkflug

Loidl war die Schädigung seiner Kunden bewusst "Situation war aussichtslos, wir mussten da durch"

Gähnende Leere im Austria Center Vienna:
Interesse beim AMIS-Prozess im Sinkflug

Nach dem Abschluss der begonnenen Einvernahme von Ex-AMIS-Chef Harald Loidl, einem der beiden Hauptangeklagten im AMIS-Prozess, konnte am dritten Verhandlungstag im Austria Center Vienna (ACV) die Einvernahme des Mitangeklagten Thomas Mitter (35) ebenfalls abgeschlossen werden. Am vierten Tag steht die Einvernahme des vierten Beschuldigten ehemaligen AMIS-Fondsmanagers Alban Kuen am Programm. Danach folgt dann die Erörterung des Gutachtens des Sachverständigen Gert Weidinger.

Die Reihen im Saal E 1 des Konferenzzentrums haben sich weiter gelichtet, nur gezählte neun Besucher waren erschienen, während die Zahl der Privatbeteiligten bzw. deren Vertreter mit 20 Personen konstant blieb. Auch das Interesse der Medien hat deutlich nachgelassen, ab dem späteren Vormittag wurde der Mega-Prozess, bei dem es um einen inkriminierten Schaden von 62 Mio. Euro und über 15.000 Geschädigten geht, nur mehr von einem einzigen Medienvertreter verfolgt.

Horror in Venezuela
Loidl beschrieb bei seiner fortgeführten Einvernahme durch Richterin Daniela Setz-Hummel die Haftbedingungen in Venezuela als "Horror", er habe gefürchtet, den ersten Tag nicht zu überleben. Die Flucht vor der Polizei in Österreich über die USA nach Venezuela sei eine "Blitzaktion" gewesen. Er und der Mitangeklagte Thomas Böhmer hätten nicht in Untersuchungshaft kommen wollen. Die Haftbedingungen in Venezuela hätten sie vorher aber nicht recherchiert. Die Idee, in Venezuela eine "Strandbar" zu gründen, sei ein "Hirngespinst" gewesen, jemand habe gesagt, dass es leichter sei ein Visum zu bekommen, wenn man eine Firma gründe.

Kundenschädigung bewusst
Ihm sei selbstverständlich klar gewesen, dass durch seine Handlungen tausende Kunden geschädigt werden. Zuerst habe er dies zu verdrängen versucht, zugleich habe es immer diesen "Hoffnungsschimmer" gegeben, "es wird sich schon ergeben". "Wenn man sich in eine so starke Hoffnung begibt, verdrängt man die Wahrheit", so Loidl. Ihm sei es bei der ganzen Sache weniger ums Geld, als um Macht und Karriere gegangen. Dass Schicksale von Kunden dahinter stehen, die jetzt ohne Geld dastehen, habe er verdrängt.

"Wir mussten da durch"
"Die Situation war aussichtslos, wir mussten da durch - bis hier her", sagte Thomas Mitter, der ebenfalls vollinhaltlich geständig ist. Mitter war hauptverantwortlich für die sogenannten Redemptions, Darunter werden im AMIS-System ungerechtfertige Geldentnahmen von Kundenkonten verstanden, die nicht auf deren Depotauszügen aufscheinen und an AMIS zurückgeflossen sind. Von diesen Geldern wurden nicht nur die Kunden ausbezahlt, die ihre Fondsanteile verkauften, sondern Teile davon flossen auch den jetzt Angeklagten zu. Als er 2005 von der tatsächlich bereits vorhandenen Höhe der Lücke von 150 bis 160 Mio. Euro erfahren habe, sei er schockiert gewesen, meinte Mitter, der selbst 250.000 Euro ungerechtfertig bezogen hatte.

Mitter ist nach seinen Angaben im Juni 2000 über den Mitangeklagten Böhmer, einem Studienfreund, in die damalige AMIS-Vorgängerin AMV als Sachbearbeiter ins Fondsmanagement gekommen. Böhmer habe ihm die AMIS als boomendes Unternehmen mit tollem Klima beschrieben. Der interne Aufstieg bis zum Vorstandsmitglied sei schnell erfolgt. Sukzessive habe er bemerkt, dass etwas nicht stimme. Ab Anfang 2001 habe er dann voll von den betrügerischen Handlungen gewusst. Aus falscher Loyalität zu Böhmer und wegen des hohen Gehaltes habe er sich auf das Ganze eingelassen.

Totalversagen aller Instanzen
Das AMIS-System hätte nur deswegen so lange und gut funktionieren können, weil alle internen und externen Kontrollinstanzen versagt hätten, meinte Mitter, der selbst zeitweise für die interne Kontrolle zuständig war. Nach der Suspendierung der Luxemburger Fonds im Jahr 2004, die auch veröffentlicht worden sei, habe man auch gegenüber der Finanzmarktaufsicht (FMA) dies so präsentiert, "dass wir durch hereinkommende Kundengelder die Rückflüsse finanzieren".

Fliehen, wie Loidl und Böhmer, habe er nie wollen, "weil Österreich meine Heimat ist", so der Angeklagte, der ein halbes Jahr in Untersuchungshaft verbracht hatte und gegen eine Kaution von 100.000 Euro wieder auf freiem Fuß ist. (apa/red)