Gaddafi tot von

Tod wirft Fragen auf

Wie kam es zu seiner Tötung? Witwe und UNO fordern Untersuchung.

  • Bild 1 von 36 © Bild: Reuters

    Das libysche Volk feiert seine Befreiung.

  • Bild 2 von 36 © Bild: Reuters

    Der tote Ex-Diktator Gaddafi wird unterdessen immer noch eifrigst fotografiert.

Der Tod des gestürzten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi wirft weiterhin Fragen auf. Die NATO erklärte, nichts von der Anwesenheit Gaddafis gewusst zu haben, als sie am Donnerstag einen Fahrzeugkonvoi in der Stadt Sirte angriff und damit "wahrscheinlich" zu seiner Tötung beigetragen habe. Nun wird auch eine Untersuchung der Todesumstände von der UNO-Menschenrechtskommission gefordert. Spekulationen gab es ebenfalls über das Schicksal von Gaddafis Sohn Saif al-Islam, der laut einem Bericht des Senders Al-Arabiya festgenommen worden sein soll.

Flugzeuge der NATO hätten am Donnerstag elf Fahrzeuge von Gaddafi-Kämpfern angegriffen, erklärte ein Sprecher des Bündnis in Brüssel. Sie seien Teil eines bewaffneten Konvois gewesen, der Sirte mit großer Geschwindigkeit verlassen wollte. Die Fahrzeuge hätten eine bedeutende Menge Waffen und Munition transportiert, die eine Bedrohung für die Zivilbevölkerung dargestellt hätten.

Russland kritisiert NATO - Militäreinsatz endet
Russlands Außenminister Sergej Lawrow kritisierte, der Konvoi habe keine Gefahr für Zivilisten dargestellt. Ziel der NATO-Mission sei aber nur der Schutz der Zivilbevölkerung gewesen. "Die Attacke stand in keinem Verhältnis zum erlassenen Flugverbot", sagte Lawrow am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau.

Die NATO will nach dem Tod des langjährigen Machthabers ihren Militäreinsatz in Libyen bis Ende Oktober beenden. Dies teilte NATO-Generalsekretär Rasmussen in Brüssel mit. Die Entscheidung sei vorläufig, eine endgültige Entscheidung werde in der kommenden Woche getroffen.

Weitere Namen auf Fahndungsliste
Nach der Tötung von Muammar al-Gaddafi verbleiben vermutlich zwei Namen auf der Fahndungsliste des Internationalen Strafgerichtes (ICC) in Den Haag: Der von Saif al-Islam und Gaddafis Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi. Der Diktatorensohn soll laut Al-Arabiya in dem Ort Slitan 160 Kilometer von Tripolis leicht verletzt in Gewahrsam genommen worden sein. Die Meldung konnte allerdings nicht bestätigt werden. Nach Angaben des Nationalen Übergangsrates war er zuvor auf der Flucht von Sirte in Richtung der Grenze zum Niger verfolgt worden.

Gaddafi-Sohn festgenommen?
Laut Meldungen am Donnerstag war Saif al-Islam zuvor - offenbar fälschlich - gemeinsam mit seinem Vater für tot erklärt worden. Auch Senussi wurde laut ersten Berichten gemeinsam mit Muammar al-Gaddafi getötet, eine unabhängige Bestätigung gab es dafür jedoch nicht. Andere Berichten, dass er festgenommen worden sein soll .

Gaddafi nicht absichtlich umgebracht?
Gaddafi war am Donnerstag unter unklaren Umständen umgekommen . Ein Vertreter des Nationalen Übergangsrates sagte, es habe keine "Anweisung" gegeben, Gaddafi zu töten, und er gehe nicht davon aus, dass die Kämpfer ihn absichtlich umbrachten. Der britische Außenminister William Hague sagte, sein Land hätte sich gewünscht, dass Gaddafi vor Gericht gestellt werde.

Leiche in Kühlraum gebracht
Die Leiche Gaddafis wurde in den Kühlraum eines Einkaufszentrums in der Nähe von Misrata gebracht. Vor dem Raum fanden sich etwa 30 Menschen ein, um einen Blick auf Gaddafi zu werfen, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Nach Angaben eines Sprecher des Militärrats in Misrata sollen noch DNA-Tests vorgenommen werden, bevor Gaddafi beigesetzt wird.

Beisetzung der Leiche
Der Informationsminister der neuen libyschen Führung, Mahmoud Shamam, hatte zuvor erklärt, es sei unklar, wann und wo die Leiche des langjährigen libyschen Machthabers beigesetzt werden soll. Es soll vermieden werden, dass sein Grab zur Pilgerstätte wird.

Untersuchung über Todesumstände gefordert
UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay forderte eine Untersuchung der Todesumstände. Zwei am Donnerstag verbreitete Handy-Videos des zunächst noch lebend zu sehenden Gaddafis seien "sehr beunruhigend", sagte ihr Sprecher Rupert Colville.

Auch die Witwe des getöteten libyschen Ex-Machthabers Muammar al-Gaddafi hat eine UNO-Untersuchung zu den Umständen seines Todes gefordert. "Wir fordern die UNO auf, die Umstände des Todes des Mujjahid Muammar el Gaddafi zu ermitteln", sagte Safia Gaddafi laut dem in Syrien ansässigen Fernsehsender Arrai, der der Gaddafi-Regierung nahestand. Sie sei stolz auf den "Mut" ihres Mannes und ihrer Söhne "im Kampf gegen den Angriff von 40 Ländern und ihrer Vertreter" während der vergangenen Monate. Sie würden ihren Platz "unter den Märtyrern" finden, sagte Safia Gaddafi weiter.

Kommentare

Obama Seit wann ist die Ermordung von Menschen, egal ob Gadaffi oder andere Despoten, ein historischer Tag. Jetzt gehören die, die Gadaffi ermordet haben vor dem Int. Gerichtshof.

Ignaz-Kutschnberger
Ignaz-Kutschnberger melden

An die Redaktion Liebes News Team... ich glaube wie und wann genau dieser Typ gestorben ist oder ermordet wurde ist doch nebensächlich... viel interessanter ist doch, wie geht es jetzt in dem Land weiter???!

ElkeEschberger melden

Re: An die Redaktion Nach dem Tod des langjährigen Diktators Muammar al-Gaddafi soll in Libyen eine provisorische Regierung gebildet werden. Wer ihr angehören wird, ist noch unklar. Welche Männer jetzt eine Rolle spielen, lesen sie hier: http://www.news.at/articles/1142/19/310142_s4/gaddafi-das-libyen

Ihr NEWS.AT-Team

Ignaz-Kutschnberger
Ignaz-Kutschnberger melden

Re: An die Redaktion Vielen Dank!

Seite 1 von 1