Gaddafi stoppt vordringende Rebellen: Von Stadt Sirte vorerst wieder zurückgezogen

Aufständische bitten Ausland um Waffenlieferungen Außenministerkonferenz: Militäreinsatz geht weiter

Die Armee von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi hat das Vordringen der Aufständischen in westliche Richtung vorerst gestoppt. Die Rebellen sind eigenen Angaben zufolge beim Marsch auf Gaddafis Geburtsstadt Sirte von Soldaten und einigen Anrainern beschossen worden und haben sich in Richtung der Ortschaft Bin Jawad zurückgezogen. Ermutigt von den jüngsten Eroberungserfolgen mit westlicher Luftunterstützung hatten die Rebellen die Einnahme der Stadt Sirte im Visier, die nicht nur als besonders symbolträchtig, sondern auch als strategisch wichtig gilt.

Dutzende Rebellen sammelten sich nach dem Rückschlag vor Bin Jawad, rund 150 Kilometer von Sirte entfernt. Am Vortag seien die Rebellen von Gaddafi-Truppen beschossen worden. "Deshalb haben wir uns zurückgezogen", sagte der offenbar zu den Anführern der Rebellen gehörende Hamad al-Awani. Gaddafis Truppen seien mit Raketen, Granaten und mittelschweren Waffen gegen sie vorgegangen.

Rebellen fordern Waffen
Der von den libyschen Aufständischen gebildete "Nationalrat" in Benghazi hat die internationale Gemeinschaft um mehr Hilfe durch Waffenlieferungen gebeten. "Wir bitten jeden um Hilfe, und ein Punkt davon ist, unserer Jugend bessere Waffen zu geben", sagte der Sprecher des Rates, Mahmoud Shammam, in London. Derzeit kämpften die Rebellen mit veralteten oder nur leichten Waffen. Damit seien sie den Truppen des Regimes von Muammar Gaddafi unterlegen. Zwar wolle man an erste Stelle politische Hilfe, die Unterstützung durch Waffen aber sei ebenfalls wünschenswert.

Die USA haben nach Angaben von Außenministerin Hillary Clinton noch keine Entscheidung über eine Bewaffnung der libyschen Rebellen getroffen. Nach US-Interpretation lasse die Resolution 1973 des UNO-Sicherheitsrates, die vor allem den Schutz der Zivilbevölkerung zum Ziel habe, diese Möglichkeit offen, sagte Clinton nach Abschluss der Libyen-Konferenz in London. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte eine solche Interpretation der UNO-Resolution vehement zurückgewiesen.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat die Forderung nach Waffenlieferungen an die Rebellen in Libyen strikt zurückgewiesen. Der unter Führung der transatlantischen Militärallianz stehende Libyen-Einsatz solle "die Bevölkerung schützen und nicht bewaffnen", sagte er dem britischen Fernsehsender "Sky News". Die Resolution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen verlange eindeutig eine Durchsetzung des Waffenembargos.

Obama sieht Gaddafi stark geschwächt"
US-Präsident Obama sieht Gaddafi bereits "stark geschwächt". Der internationale Militäreinsatz unter UN-Mandat habe "Gaddafis tödlichen Vormarsch (gegen die Rebellen) gestoppt", sagte Obama in einer Rede in Washington. Darin verteidigte er sich gegen anhaltende Kritik, dass seine Libyen-Strategie schwammig sei. Obama war in den vergangenen Tagen innenpolitisch stark unter Druck geraten, seine Libyen-Strategie zu erklären. Insbesondere wurde ihm angelastet, kein Konzept für den Fall zu haben, dass Gaddafi trotz des internationalen Eingreifens weiter an der Macht bleibt.

Der für tot gehaltene Gaddafi-Sohn Khamis zeigte sich indes dem Staatsfernsehen zufolge am Montagabend in der Öffentlichkeit. Das staatliche Fernsehen zeigte nach eigenen Angaben "Live-Bilder", auf denen zu sehen war, wie Khamis Gaddafi an der Residenz der Familie in Bab al-Asisija in Tripolis von Anhängern seines Vaters umjubelt wurde. In den vergangenen Tagen hatte es Gerüchte gegeben, Khamis Gaddafi sei bei einem Luftangriff getötet worden.

Militäreinsatz geht weiter
Die militärische Intervention in Libyen soll so lange fortgesetzt werden, bis Machthaber Gaddafi die UNO-Sicherheitsrats-Resolution zum Schutz der Zivilbevölkerung einhält. Darauf verständigte sich eine internationale Libyen-Konferenz in London, an der Vertreter von mehr als 40 Ländern und Organisationen teilnahmen. Allerdings waren nur sieben Mitglieder der Arabischen Liga beteiligt. Außerdem wird eine internationale Kontaktgruppe gebildet, die künftig die politischen Bemühungen zur Lösung des Libyen-Konflikts koordinieren soll. Das erste Treffen dieser Gruppe solle "so rasch wie möglich" in Katar stattfinden.

(apa/red)


Größere Kartenansicht