G-20-Gipfel von

Gipfel der Ungewissheit

In Cannes beginnt der Krisen-Gipfel - Sarkozy traf sich im Vorfeld mit Hu Jintao und Barack Obama

G-20-Gipfel - Gipfel der Ungewissheit © Bild: APA/AFP/POOL/Bonaventure

Überschattet vom Euro-Drama in Griechenland haben am Donnerstag die vorbereitenden Treffen für den Gipfel der Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) in Cannes begonnen. Die Teilnehmer hoffen auf Lösungen für einen schnellen Weg aus Krise.

US-Präsident Barack Obama kam am Morgen in der südfranzösischen Stadt mit dem Gastgeber, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, zusammen. Anschließend will sich Obama auch mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen. Auch die Staats- und Regierungschefs der so genannten BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) kamen zu Gesprächen zusammen.

Weiteres Krisen-Treffen
Noch am Donnerstagvormittag soll es zudem ein weiteres Euro-Krisentreffen geben, an dem neben Deutschland und Frankreich auch Italien und Spanien teilnehmen wollen. Dabei soll über eine raschere Umsetzung der Beschlüsse des jüngsten Euro-Gipfels beraten werden, um die Eurozone für die möglichen Folgen des griechischen Referendums zu wappnen.

Zu Mittag beginnt dann der Gipfel der G-20-Länder. Ursprünglich wollten die Europäer ihren Kollegen aus den USA, Japan und aus großen Schwellenländern wie China dort die Beschlüsse des Euro-Gipfels aus der vergangenen Woche als Erfolg im Kampf gegen die Krise im Euroraum präsentieren. Eigentliches Thema des G-20-Gipfels sollen unter anderem ein Aktionsplan gegen die weltweite Wachstumsschwäche und eine stärkere Kontrolle der Finanzmärkte sein.

Hu: "Europa soll Krise alleine lösen"
Europa muss seine Schuldenkrise nach Ansicht des chinesischen Präsidenten Hu Jintao allein in den Griff bekommen. Peking vertraue dabei auf die "Klugheit und Fähigkeit" Europas, sagte Hu seinem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy am Mittwoch im französischen Cannes bei einem Abendessen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag berichtete. In Cannes findet am Donnerstag und Freitag der G-20-Gipfel statt.

Das asiatische Land hält Staatsanleihen europäischer Länder. Zudem ist Europa für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt der wichtigste Absatzmarkt. Deshalb forderte China die Europäer bereits mehrfach auf, ihr Finanzproblem in Ordnung zu bringen. Die EU ist zudem daran interessiert, dass China auch den Euro-Rettungsfonds EFSF unterstützt. EFSF-Chef Klaus Regling war am vergangenen Freitag nach China gereist und hatte um einen Beitrag geworben. Bisher sagte China jedoch noch keine finanzielle Unterstützung zu.

73 Mrd. aus China?
Dabei könnte China der von der Schuldenkrise bedrängten Euro-Zone mit umgerechnet bis zu 73 Mrd. Euro beispringen. Ein Betrag von 100 Mrd. US-Dollar sei nicht undenkbar, sagte der chinesische Zentralbanker Li Daokui der französischen Tageszeitung "Le Figaro" vom Donnerstag. Li ist dort Mitglied des Ausschusses für Geldpolitik.

Merkel und Sarkozy setzen Athen unter Druck
Am Vorabend hatten Merkel und Sarkozy Griechenland in einem Treffen mit dem griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou massiv unter Druck gesetzt. Sie machten deutlich, dass es nun um den Verbleib Griechenlands in der Eurozone gehe und das Land erst dann weitere Finanzhilfen bekomme, wenn Klarheit über die griechische Haltung zum Krisenplan herrsche. Papandreou kündigte daraufhin an, das Referendum so bald wie möglich abzuhalten, "vermutlich am 4. Dezember".