Fußball-WM von

Spanien trennt sich
vom Teamchef

Spaniens Nationaltrainer Julen Lopetegui muss einen Tag vor WM-Start seinen Posten verlassen.

THEMEN:

Zwei Tage vor dem Fußball-WM-Spiel gegen Portugal ist Spaniens Teamchef Julen Lopetegui entlassen worden. Das teilte Verbandschef Luis Rubiales am Mittwoch auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz mit, nachdem tags zuvor der Wechsel Lopeteguis zu Real Madrid nach der Endrunde in Russland bekanntgegeben worden war.

Lopetegui hatte seinen Vertrag als Teamchef erst vor wenigen Wochen bis 2020 verlängert. Dann aber folgte der Rücktritt von Zinedine Zidane als Real-Betreuer, und der Champions-League-Sieger startete hinter dem Rücken des Nationalverbandes Verhandlungen mit dem Ex-Goalie, der schließlich von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machte.

»Wir möchten Julen für alles danken, was er getan hat«

Verbandschef Luis Rubiales wurde von Lopetegui über den bevorstehenden Job-Wechsel erst fünf Minuten vor der offiziellen Veröffentlichung durch Real telefonisch informiert und reagierte darauf dementsprechend sauer. "Wir möchten Julen für alles danken, was er getan hat. Er hat viel dazu beigetragen, dass wir in Russland sind, aber wir fühlen uns verpflichtet, auf seine Dienste zu verzichten. Es muss eine Botschaft an alle RFEF-Mitarbeiter geben, und es gibt Verhaltensweisen, an die man sich halten muss", erklärte Rubiales.

Harter Schlag für die Spieler

Außerdem meinte der Verbandschef: "Wir stecken in einer komplizierten Situation, die komplizierteste, die man sich vorstellen kann." Wer die Mannschaft nun beim Turnier betreut, war zunächst offen. Auf die Frage, wer das Training am Nachmittag leiten sollte, gab Rubiales keine Antwort. "Wir suchen einen Trainer - ab jetzt", betonte der Verbandschef.

Die Spieler hätten die Entscheidung der sofortigen Trennung "akzeptiert", sagte Rubiales. "Es ist ein harter Schlag, aber wir stehen zusammen, um nach vorne zu schauen." Der Präsident erhob schwere Vorwürfe gegen Real Madrid wegen der Vorgangsweise des spanischen Rekordmeisters. "Wir hatten überhaupt keine Information darüber. Julen hätte es lieber gehabt, wenn die Dinge anders gehandhabt worden wären."

Lopetegui hatte den Weltmeister von 2010 in den vergangenen knapp zwei Jahren sehr erfolgreich geführt und die WM-Qualifikation in einer Gruppe mit Italien problemlos geschafft. Von 20 Partien gewann Spanien unter dem 51-Jährigen 14 und spielte sechsmal unentschieden.

Sportdirektor Hierro wird neuer Teamchef

Sportdirektor Fernando Hierro übernimmt die spanische Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland. Dies gab der Verband am Mittwoch via Twitter bekannt, nachdem er sich kurz zuvor von Julen Lopetegui getrennt hatte. Der 50-jährige Ex-Teamspieler hatte bisher nur den Zweitligisten Real Oviedo trainiert. Der frühere Weltklasse-Verteidiger wird damit den WM-Mitfavoriten beim ersten Spiel am Freitag in Sotschi gegen Europameister Portugal betreuen.

Der einstige Real-Profi Hierro hat von 1989 bis 2002 für "La Roja" 89 Länderspiele bestritten. Der spanische Verband kündigte für den (heutigen) Mittwoch um 17.30 Uhr (MESZ) eine erneute Pressekonferenz an. Lopetegui will sich nach Verbandsangaben erst nach seiner Rückkehr nach Spanien zu seinem spektakulären Abgang äußern.

Kommentare