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Fußball-Weltmeisterschaft 2014: Superstar Neymar und die Coolness

Der Hoffnungsträger Brasiliens glänzte gegen Kamerun - Druck verspürt er keinen

Brasilien schoss Kamerun am Montagabend mit 4:1 vom Feld und zog ins Achtelfinale ein. Trotz des souverän anmutenden Erfolgs wollte beim Gastgeber aber keine große Euphorie aufkommen. Zu hölzern erarbeitete sich die "Selecao" den Sieg gegen bereits ausgeschiedene Afrikaner. Zu selten funktionierte die hoch gepriesene Offensive. Mit einer Ausnahme: Doppeltorschütze Neymar.

Er ist der Superstar in einem Team voller außergewöhnlicher Spieler, ist sich dieser Rolle durchaus bewusst und - womit wir auch schon beim wichtigsten Punkt werden - er zerbricht nicht an der Erwartungshaltung.

Während Weltfußballer Cristiano Ronaldo überall gesucht wird und Argentiniens Lionel Messi seine Klasse nur in wenigen Minuten aufblitzen lässt, begeistert Neymar eine ganze Nation. Die Nation, die ihn zum Hoffnungsträger auf den sechsten WM-Titel auserkoren hat. Mit 22 Jahren wohlgemerkt.

Neymar wird an der Bank abgeklatscht
© Buda Mendes/Getty Images Die Brasilianer wissen, was sie an Neymar haben

"Da ist kein Druck"

Ist das nicht zu viel Druck für einen derart jungen, derart filigranen Spieler? "Von der WM träume ich, seit ich ein Kind war. Jetzt ist dieser Traum zum Greifen nah. Da ist kein Druck. Nur Freude und Stolz", stellte Neymar schon vor Beginn der Endrunde fest und legte einen coolen Spruch nach: "Vielleicht fehlt mir das Sinnesorgan, mit dem man Druck wahrnimmt." Nach den ersten drei Spielen weiß man, dass das kein leeres Gerede war.

Während etwa Ronaldo die Verkrampfung anzusehen ist, lächelt Neymar vor Spielbeginn, hat Zeit, in der Pause mit seinem Barca-Kollegen Alex Song zu plauschen und gewährt jedem gegnerischen Betreuer ein Foto mit ihm. Der Stürmer, der nach seinem Doppelpack gegen Kamerun die WM-Torschützenliste mit vier Treffern anführt, hat Spaß.

Neymar umarmt Alex Song
© Matthew Lewis/Getty Images Szenen mitten in der Halbzeitpause: Neymar shakert mit Song

Neymar greift in die Trickkiste

Noch mehr als die beiden Treffer, die ihm von der nachlässigen Verteidigung der Kameruner auch leicht gemacht wurden, erfreute der Ballkünstler die Fans in Brasilia mit Gustostücken, wie man sie aus der besten Zeit Brasiliens kennt. Neymar scheint zu wissen, dass es nicht genügt, zu gewinnen. Die Anhänger des "Canarinho" wollen auch Spektakel sehen. Das Trikot mit der Nummer 10 auf dem Rücken verpflichtet ihn dazu.

Neymars Highlights aus dem Kamerun-Spiel

Auch von seinen Kollegen gab es höchstes Lob. "Er ist geboren, um Fußball zu spielen. Er denkt nicht darüber nach, wo er ist. Er will nur glücklich sein auf dem Platz und es genießen", erklärte Außenverteidiger Dani Alves.

Star bleibt bescheiden

Bei all dem Protagonismus, den sich der Pele-Nachfolger erarbeitet hat, ruderte er nach Spielende jedoch zugleich zurück. "Wichtigster Spieler? Das gibt es nicht. Die Mannschaft zählt", so der Matchwinner bescheiden. "Jetzt können wir mit mehr Selbstvertrauen spielen".

Der Blick nach vorne ist zugleich einer auf den kommenden Gegner. Und der, da sind sich alle Experten einig, ist mit Chile ein völlig anderes Kaliber. Gegen die Truppe von Jorge Sampaoli wird es einen Neymar in Top-Form brauchen. Was diesen gewohnt kalt lässt. Druck kennt er schließlich nicht. Nur Freude und Stolz. Zum Glück!

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