Gruppe A von

Fußball-WM 2014:
Mexiko träumt wieder von mehr

Achtelfinaleinzug soll erst der Anfang sein - Teamchef Herrera als Erfolgsgarant

Mexiko jubelt mit Chicharito © Bild: Laurence Griffiths/Getty Images

Nach dem Achtelfinaleinzug in Brasilien träumt Mexikos Nationalmannschaft wieder einmal von der großen Sensation. Mit einem 3:1 gegen Kroatien überstanden die Mittelamerikaner bei einer WM zum sechsten Mal in Folge die Gruppenphase. Ins Viertelfinale schaffte es "El Tri" aber seit der Heim-WM 1986 nicht mehr. Am Sonntag (18.00 Uhr) stellen sich in Fortaleza nun die Niederlande in den Weg.

Die im Turnierverlauf bisher überzeugend agierenden Niederländer wollen die Mexikaner mit ihrem konsequenten Spielstil biegen. Vor allem die Defensive mit Anführer Rafael Marquez scheint kaum zu überwinden. Gegen Kroatien fing sich Torhüter Guillermo Ochoa erst beim Stand von 3:0 im Finish den ersten Gegentreffer bei dieser WM ein. Dazu zeigte Mexiko auch im Angriff seine Vorzüge

Remis gegen Brasilien gibt Selbstvertrauen

Nach einer durchwachsenen Qualifikation für Brasilien, die drei Trainern ihren Job kostete, herrscht plötzlich große Euphorie in und um das Team. Rund 25.000 mexikanische Anhänger verwandelten den Auftritt in Recife in ein Heimspiel. "Oranje" soll dies ebenfalls zu spüren bekommen. "Das ist ein starkes Team, aber wir haben schon gegen das stärkste Team der Welt gespielt und nicht verloren", betonte Miguel Herrera in Anspielung auf das 0:0 gegen Brasilien.

Mexiko-Teamchef Miguel Herrera
© Laurence Griffiths/Getty Images Emotionsbündel an der Seitenlinie: Miguel Herrera

Mexikos an der Seitenlinie wie aufgezuckert agierender Teamchef offenbarte das neue Selbstbewusstsein der Nationalelf. Vor Stolz platzte beinahe der grüne Krawattenknoten, als der nur 1,68 Meter große Herrera nach Schlusspfiff anfing zu philosophieren. Vor allem über die Bedeutung seines Kapitäns Marquez, den alle im Team nur "Boss" nennen.

Altstar Marquez lässt aufhorchen

Der 35-jährige Abwehrorganisator mit Vergangenheit beim FC Barcelona läutete per Kopf den Aufstieg ein (72.), ehe Andres Guardado (75.) und Javier Hernandez (82.) nachlegten. In seiner vierten WM-Endrunde beweist der nun bei Leon in der Heimat spielende Marquez eindrucksvoll, noch nicht zum alten Eisen zu gehören. Herrera erklärte, ohnehin nie an ihm gezweifelt zu haben.

Der stets auf Disziplin bedachte Ex-Profi - ob seines Spielstils als Außenverteidiger "El Piojo" (Die Laus) genannt - erlaubte seinen Spielern einen Feierabend. Die Familien durften zum Abendessen ins Mannschaftshotel in Recife kommen, der Rückflug ins WM-Quartier in Santos war erst für Dienstag gebucht. Dann beginnt die Vorbereitung aufs Achtelfinale. "Wir werden diese Arbeit mit der gleichen Intensität angehen wie bisher auch", kündigte Herrera an.

Mexiko-Jubel
© Robert Cianflone/Getty Images Mexiko präsentiert sich als Team

"Wir wollen Geschichte schreiben"

Ihm ist es seit seinem Amtsantritt vor den Playoff-Partien gegen Neuseeland gelungen, die Mannschaft zu formen. Das Gleichgewicht zwischen den Profis der heimischen Liga und jenen in Europa wie dem aktuell vereinslosen Ochoa, Guardado (Leverkusen), Hector Herrera (Porto) oder Giovani dos Santos (Villarreal) scheint zu stimmen. "Wir kommen alle sehr gut miteinander aus, wir haben alle das gleiche Ziel: Wir wollen Geschichte für unser Land schreiben", sagte der zum "Man of the Match" gewählte Marquez.

Kroatien musste dies neidlos anerkennen. Im schmerzhaften Moment des WM-Abschieds zeigte Trainer Niko Kovac Größe. Sekunden nach dem Schlusspfiff eilte er zielstrebig auf Herrera zu und gratulierte fair zum verdienten Weiterkommen. Als sich die mexikanischen Spieler von ihren Fans feiern ließen, stand Kovac auf der Höhe der Mittellinie und spendete höflichen Applaus.

Kroatien lange ideenlos

Kroatien begann zwar druckvoll, hatte lange mehr Ballbesitz, wirkte aber ideenlos. Der auf einen Sieg angewiesene WM-Halbfinalist von 1998 fand kein Mittel gegen die Abwehr des Gegners und bot zum ungünstigsten Zeitpunkt die schwächste Leistung des Turniers. Kroatien verabschiedete sich schließlich mit einer unschönen Szene. Der eingewechselte Ante Rebic sah kurz vor Schluss für ein Einsteigen mit gestrecktem Bein noch die Rote Karte.

Eine "Katastrophe in Recife" sah die Tageszeitung "Jutarnji List", die wie andere kroatische Medien mit den Verlierern scharf ins Gericht ging. Derart abrechnen wollte Kovac mit seinen Spielern nicht. "So ist das Leben, aber das Leben geht weiter. Danke und auf Wiedersehen", sagte der Ex-Salzburg-Profi, der seinen Vertrag weiter erfüllen will: "Ich will weitermachen und sehe keinen Grund, warum ich das nicht sollte." Selbstbewusst bis forsch war er in die Partie gegangen und hatte von einem "Rezept, sie zu schlagen" gesprochen. An diesem Abend aber fehlten die nötigen Zutaten.

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