WM-Nachwehen von

DFB-Stars verhöhnen Südamerikaner

Weltmeister-Empfang löst Bestürzen aus - Seitenhiebe auf Argentinien und Brasilien

Deutsche WM-Stars feiern in Berlin © Bild: Markus Gilliar - Pool /Getty Images

Weltoffen, demütig, respektvoll. Deutschlands Kicker taten während der WM in Brasilien alles, um ihren Ruf aufzubessern. Mit Erfolg. Das Herz der Gastgeber-Fans lag den DFB-Kickern zu Füßen, obwohl diese ihre "Selecao" mit 7:1 gedemütigt hatten. Nach den Feierlichkeiten in Berlin scheint alle Sympathie jedoch wieder verspielt. Wegen zwei kleiner Scherze werden die siegreichen Fußballer plötzlich als überhebliche Profis und sogar "ekelhafte Nazis" bezeichnet.

Mirsolav Klose, Andre Schürrle, Shkodran Mustafi, Mario Götze, Roman Weidenfeller und Toni Kroos kamen gemeinsam auf die Bühne beim Brandenburger Tor, vor der knapp 400.000 begeisterte Fans auf die Neo-Weltmeister warteten. Als kleinen Gag stimmte das Sextett ein Lied an, das man bereits aus vergangenen Festen kennt und das diesmal auf den unterlegenen Finalgegner umgetextet wurde.

"So gehen die Gauchos, die Gauchos, die gehen so", sangen die DFB-Kicker in gebückter Haltung, nur um sich kurz danach zu erheben und gemeinsam mit den Hunderttausenden loszugrölen: "So gehen die Deutschen, die Deutschen, die gehen so." Zu viel der Schadenfreude? Die Internet-Gemeinde echauffierte sich im Moment und hatte mit #Gauchogate auch schon den passenden Begriff gefunden.

Medien-Schelte für "Trottel"

Die deutschen Qualitätsmedien konnten diesem Tänzchen ebenso nichts abgewinnen. Die Siegesfeier am Brandenburger Tor wird zum gigantischen Eigentor. Mit einer üblen Persiflage auf ihren Finalgegner verspielen die deutschen Weltmeister das Image der weltoffenen, toleranten Nation", schrieb etwa die "Frankfurter Allgemeine".

Die "Süddeutsche" erklärt zwar, dass das Lied "in Fußball-Stadien zum Standard-Schmäh-Repertroire" gehört, findet es aber auch überflüssig. "Es passt jedenfalls nicht zu einer ansonsten angenehm selbstironischen Sause."

Der "Tagesspiegel" wurde noch direkter: "Plötzlich war sie weg, die deutsche Bescheidenheit im Triumph. (...) Sie haben es nicht böse gemeint. Das ist wohl so. Aber sie haben bewiesen, dass es auch im Fußball nicht nur Trottel gibt, sondern auch Riesentrottel."

Seitenhieb auf Brasilien

Nicht ganz so schlimm war die Empörung über die Aktion einer zweiten Feier-Gruppe. Mit der Hand auf der Schulter des Vordermannes marschierten Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Kevin Großkreutz, Julian Draxler und Matthias Ginter auf das Podium, um sich feiern zu lassen. Auf diese Weise demonstrierten Brasiliens Kicker vor jedem WM-Duell ihren Teamgeist. Jene Mannschaft also, die man mit einem 7:1 aus dem Bewerb geworfen hatte.

Deutsche Polonaise bei der WM-Feier
© Markus Gilliar - Pool /Getty Images Die Sechs "deutschen Brasilianer"

Keine Empörung in Argentinien?

In Südamerika selbst gingen laut deutscher Auffassung keine Wogen hoch. Die argentinische Zeitung "La Clarin" schrieb etwa: "Die Deutschen feierten mit einem kleinen Liedchen, das sie den Argentiniern widmeten." "Focus Online" attestierte deshalb, dass der #Gauchogate bei den Gauchos niemanden aufrege.

Ganz anders stellt sich die Situation dar, wenn man die Online-Ausgabe der Sportgazette "Ole" liest: "Die Gauchos gehen gebückt, während die Deutschen aufrecht und glücklich auf sie herab sehen. Sie sind eine andere Rasse..."

"Ekelhafte Nazis"

Der in Argentinien arbeitende, uruguayische Sportjournalist Victor Hugo Morales bemühte sich einer noch klareren Diktion und nannte die sechs Gaucho-Tänzer in seiner Sendung beim Radiosender "Continental de Buenos Aires" in ihrem Verhalten und ihrer Denkweise "ekelhafte Nazis".

DFB-Präsident entschuldigt sich

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bedauerte in einer Mitteilung am Mittwoch die Irritationen. "Sie sind alle absolut anständige und faire Sportsleute, die sich über niemanden lustig machen, sondern einfach nur ausgelassen mit den Fans feiern wollten. Es tut uns leid, wenn dies bei einigen falsch und missverständlich rüber gekommen ist", verteidigte Niersbach die Nationalspieler.

Niersbach vor DFB-Logo
© Renato Spencer/Getty Images Präsident Niersbach nahm seine Spieler in Schutz

"Ich weiß von Oliver Bierhoff, dass die Idee der Spieler spontan aus der Emotion und Freude heraus entstanden ist", erklärte der 63-Jährige. In einem Brief wolle Niersbach dem Präsidenten des argentinischen Fußballverbandes, Julio Grondona, deutlich machen, dass "die Aktion in keinster Weise despektierlich gemeint war. Wir haben größten Respekt vor Argentinien, beste Beziehungen zum dortigen Verband und freuen uns auf das baldige Wiedersehen beim Länderspiel in Düsseldorf."

Keine Bösartigkeit unterstellt

Die Reaktionen auf die Tanz-Darbietung der deutschen Weltmeister sind weiter geteilt. Der englische "Mirror" lobte die deutsche Siegesfeier pauschal als "anarchisch, chaotisch and fast surreal". Der ehemalige argentinische Bundesliga-Profi Rodolfo Esteban Cardoso befand in einem Interview mit dem TV-Sender Sport1, dass die Aktion "unnötig" gewesen sei. "Ich habe den Sinn gar nicht verstanden. Ich glaube aber nicht, dass sie uns bösartig verarschen wollten."

"Wahrscheinlich wäre ein anderes Lied besser gewesen, aber die Vorwürfe von Rassismus und deutscher Überheblichkeit finde ich übertrieben", meinte Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend. "Fankultur lebt ja von Zuspitzungen." Es sei zwar etwas anderes, wenn Nationalspieler statt Fans einen solchen Tanz aufführten. Das Gaucho-Lied sei aber einfach eine Persiflage auf die Stimmungslage nach einem Fußballspiel. "Die einen schlurfen eben traurig nach Hause und die anderen singen und tanzen."

Kommentare

Naja, mir persönlich sind sowohl die Deutschen, wie die Argentinier wie der Fussball selbst egal und mir würde auch jede Menge Spott für den Sport selbst einfallen, bei dem ein paar Manderl in kurzen Hosen einem Ball nachlaufen und sich gegenseitig auf den Popo klopfen, aber schau ma uns einmal das Lied "Ziagts den Bayern die Lederhosn aus" genauer an. Ich finde ja das ist ein gewaltverherrlichender Gesang, der am Ende auch noch a bissl sexistisch ist. ;-)
Und nachdem er auch von österreichischen Fans gesungen wird, würde ich jetzt ganz gerne mal Demut und eine Entschuldigung sehen. Daran, dass Österreicher deshalb unsympathisch rüberkommen, ändert das natürlich nichts mehr.;-))

Leute, wie oft werden im Sport Gegner gedemütigt, beschimpft und beleidigt. Dass jetzt hier das ultimative Drama daraus gemacht wird, weils halt die Deutschen sind, ist echt lächerlich, ich kann mir nicht helfen.

Oliver M. melden

die DFB-jungs waren mir ja sogar beinahe ein bissl sympatisch ... und dann das ... ich hab es live gesehen und gewusst, was da jetzt losgetreten wird. DFB, Vettel & Co, warum macht ihr es der welt immer so einfach, euch unbeliebt zu machen?

strizzi49 melden

Wieso "der Welt"? Nur weil ein paar Ewiggestrige, die wohl noch nie bei einem Match waren, motzen, sind die Deutschen noch lange nicht "weltweit" unbeliebt! Und was das Verhöhnen des Verlierers anbelangt, das gibt es schon seit der Steinzeit! Ist nicht immer fair, aber es wird nicht nur von den Deutschen praktiziert!

Testor melden

Der deutsche Fußballpräsident ist auch nicht der Intelligenteste Knabe: Wie kann etwas, das völlig klar und unmissverständlich gezeigt und gesagt worden ist falsch rüberkommen? Eine faule Ausrede!
Den Inhalt einer Botschaft deutet der Empfänger und nicht der Absender. Und wenn ein bekannter Sportjournalist die Denkungs-und Handlungsweise der deutschen Fußball-Geistesproleten mit jener

Testor melden

Fortsetzung
.. von "ekelhaften Nazis" vergleicht, dann ist das eine deutliche Abfuhr
für übergeschnappte Typen.

und dann wundern sich die piefke warum sie in den urlaubsländern nicht gern gesehen sind. egal welche destination 1. frage? deutsch oder österreicher? antwort, österreicher , wieder antwort , gott sei dank

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Das totale Gutmeschentum nimmt Anstoß an jeder Art von Spaß und Triumph. Wenn sich diese total politisch korrekten Gutmenschen durchsetzen, werden wir wohl nur noch im Büsergewand rum laufen dürfen und um Vergebung für unsere Sünden bitten dürfen.

http://michael-mannheimer.info/2012/11/04/us-psychiater-gutmenschen-klinisch-geisteskrank/

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Ich glaube, da sind jetzt ein bisserl die Pferde mit Ihnen durchgegangen. Spaß - jederzeit gerne, Triumph - ebenso. Aber manchmal ist der "Spaß" einfach keiner mehr. Und ich kann das Wort Gutmensch einfach nicht mehr hören. Ehrlich: Lieber 100-mal ein Gutmensch als 1-mal ein A......ch! Wobei das Wort Gutmensch hier sogar fälschlich Verwendung findet. Gutes Benehmen hat noch nie geschadet!

Karl-Martell melden

An die professionellen Deutschlandhasser:
1.) In China ist ein Sack Reis umgefallen.
2.) Einer der Betroffenen soll Jehova gerufen haben!
3.) Warum wandert ihr nicht aus?

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Bitte stellen Sie sich vor: Sie unterliegen bei einem Spiel und werden verhöhnt. Wie fühlt sich das an? Siegen hat immer auch etwas mit Ehre zu tun. Verhöhnen nicht. Zu 3.) Wozu sollten wir auswandern? Dies ist Österreich, hier sind wir zu Hause. Wir hassen die Deutschen nicht, uns fällt lediglich immer wieder ihr überhebliches Benehmen auf.

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...laß mich raten,........DEUTSCHER

Martina Michaela

Ich hätte es Argentinien mehr gegönnt als den Deutschen. Die Deutschen haben einfach kein benehmen... Haben die keine anderen Probleme, anscheinend net sonst hätte Österreich nicht so viele Zuwanderer aus Deutschland....

http://www.11freunde.de/artikel/argentinier-verhoehnen-den-erzfeind

nur zur Info ... Verhöhnung der Brasilianer durch die Argentinier ! Da ging kein Aufschrei um die Welt !

ach Gott, alle die sich jetzt aufregen, sind anscheinend wirklich nur neidisch und waren noch nie auf einem Fußballplatz .. da wird dieses Lied immer gesungen ! Aber weil es die Deutschen sind, sind jetzt alle unglaublich empört .. sehr lächerlich !

wintersun melden

Jetzt weiß ich warum niemand bei uns den Deutschen den Sieg gegönnt hat. Ich hab immer gesagt "möge der Bessere gewinnen, auch wenn es die Deutschen sind".

Doch der Hohn und Spott der von dieser Seite kommt lässt mich jetzt verstehen warum alle lieber eine andere Mannschaft am Thron gesehen hätten.

Echte Helden sehen anders aus.

wintersun melden

Nachtrag: Die Spieler deswegen als Nazis in Verruf zu bringen ist aber schon unter aller Sau. Manche Menschen sprechen eben bevor Sie denken - leider.

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