Fussball-WM von

Die WM bringt neue
Star-Torhüter hervor

Lloris, Courtois, Subasic, Pickford: Modern, solide, emotional

Fussball-WM - Die WM bringt neue
Star-Torhüter hervor © Bild: APA/AFP/Mladen ANTONOV

Die vier Halbfinalisten bei der Fußball-WM in Russland haben eines gemeinsam: Ihre Torhüter haben bisher für herausragende Momente gesorgt. Auch auf der Position des Keepers wird es in Russland einen neuen Triumphator geben.

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In Russland glänzen bei den Torhütern neue Stars. Erstmals seit 14 Jahren bei Welt- oder Europameisterschaften steht damit keiner der überragenden Torhüter der vergangenen Jahre im Halbfinale. Der Deutsche Manuel Neuer sonnt sich längst im Urlaub, der Italiener Gianluigi Buffon hat mit der Squadra das WM-Turnier verpasst und startet sein neues Abenteuer bei Paris Saint-Germain.

Doch das verbliebene Quartett beim Turnier in Russland lässt die langjährigen Dominatoren vergessen: Jeder der vier hatte bisher entscheidenden Anteil daran, dass es ihre Teams bis ins Endspiel von Moskau schaffen können.

Hugo Lloris (31 Jahre, Frankreich): 4 Spiele/360 Minuten/8 gehaltene Bälle/66,7 Prozent Quote gehaltener Bälle.

© APA/AFP/Dimitar DILKOFF

Um Frankreichs Torhüter zu beschreiben, ist vor allem ein Wort angemessen: solide. Im Umgang mit Mitspielern kein Lautsprecher, in Pressekonferenzen eher bieder - und auch zwischen den Pfosten agiert der Schlussmann häufig unspektakulär. Beim 2:0 im Viertelfinale gegen Uruguay hatte aber auch der Kapitän seinen herausragenden Moment, als er einen Kopfball von Martin Caceres kurz vor der Pause parierte und so den Ausgleich verhinderte.

Vor der WM gab es nach Patzern für Tottenham Hotspur öffentlich leise Zweifel an Lloris. Doch im Turnier hält er wieder einmal fehlerfrei. "Unter Druck ist er unheimlich ruhig", erklärte sein ehemaliger Trainer Elie Baup. Mit 102 Länderspielen ist Lloris längst Frankreichs Rekord-Torhüter, klar vor Fabien Barthez (87). Der hat ihm allerdings noch einen WM-Titel (1998) voraus, am Sonntag will Lloris auch da nachziehen. Bei der Heim-WM ist ihm die Krönung (Finalniederlage gegen Portugal) verwehrt geblieben, aber schon damals hatte er betont: "Wir haben ein Team, auf das wir aufbauen können."

Thibaut Courtois (26, Belgien): 5 Spiele/450 Minuten/18 gehaltene Bälle/78,3 Prozent Quote gehaltener Bälle.

© APA/AFP/Roman Kruchinin

Während die ganze Welt vom Offensivtrio Hazard-De Bruyne-Lukaku schwärmt, hat sich Courtois zum Matchwinner auf der Linie gemausert. "Thibaut Courtois hat den Unterschied ausgemacht", hatte Brasiliens Teamchef Tite den Hauptverantwortlichen am Viertelfinale-Aus des fünffachen Weltmeisters schnell gefunden. Beim 2:1-Sieg der Belgier verzweifelten Neymar und Co. am Chelsea-Keeper, der acht Chancen zunichtemachte.

"Jetzt habe ich gezeigt, warum ich hier bin", sagte der an der Grenze zum Arroganten selbstbewusste Schlussmann. In London war - ähnlich wie bei Lloris - nach einer wenig berauschenden Saison schon Kritik aufgekommen. "Ich denke, dass ich dieses Jahr zu Unrecht kritisiert wurde", erklärte Courtois, der auf eine beeindruckende Titelsammlung in Spanien und England zurückblicken kann. Der 26-Jährige hat mit Atletico Madrid die Europa League (2012), den spanischen Cup (2013) und die Meisterschaft (2014) gewonnen. Mit Chelsea holte er zwei Meistertitel in England (2015, 2017) und den FA-Cup 2018.

Danijel Subasic (33, Kroatien): 4 Spiele/420 Minuten/12 gehaltene Bälle/80 Prozent Quote gehaltener Bälle.

© APA/AFP/Adrian DENNIS

Das Andenken an einen Jugendfreund hat Subasic immer bei sich. Kroatiens Torhüter hatte nach dem Achtelfinale ein Shirt mit der Aufschrift "Forever", der Nummer 24 und einem Foto seines 2008 gestorbenen ehemaligen Mitspielers Hvroje Custic präsentiert. Dieses Shirt trägt er seit zehn Jahren bei jedem Fußballspiel. Von der erbarmungslosen FIFA bekam er eine Verwarnung.

In der K.o.-Phase wurde der 33-Jährige im Elfmeterschießen zum Matchwinner der Kroaten. Subasic stellte mit den vier abgewehrten Elfmetern gegen Dänemark (3:2 i.E.) und Russland (4:3 i.E.) einen WM-Rekord ein. Im Viertelfinale gegen den Gastgeber hielt der Torhüter vom AS Monaco trotz einer Oberschenkelverletzung durch und parierte angeschlagen den versuchten Lupfer von Fjodor Smolow.

Jordan Pickford (24, England): 5 Spiele/480 Minuten/10 gehaltene Bälle/71,4 Prozent Quote gehaltener Bälle.

© APA/AFP/EMMANUEL DUNAND

Pickford hat in Russland gleich mit zwei Mythen Schluss gemacht: Englands Torhüter sind bei Großturnieren die Schwachstelle und die "Three Lions" verlieren Elfmeterschießen. Nach Jahren der Peinlichkeiten um David "Calamity" (Unglück) James, Robert Green, Scott Carson oder Joe Hart hat England seit langem wieder die Hoffnung, einen würdigen Nachfolger für Weltmeister Gordon Banks gefunden zu haben. Bei einer Körpergröße von nur 1,85 Meter spielt Pickford aktiv mit, versucht Angriffe zu initiieren. "Er ist für mich ein Prototyp wie ein moderner Torhüter sein sollte", sagt Englands Coach Gareth Southgate über den Schlussmann des FC Everton.

Er kann aber nicht nur Elfmeterschießen. Nach seiner Heldentat beim ersten gewonnenen WM-Duell der Engländer vom Elferpunkt rettete Pickford auch im Viertelfinale mit seinen Paraden den Sieg gegen Schweden.

Der Aufstieg von Pickford verlief rasant, nachdem er vor einem Jahr noch unter Southgate bei der U21-EM das englische Tor gehütet hatte. Mit seinem Wechsel von Absteiger Sunderland zu Everton für 35 Millionen Pfund (28,42 Mio. Euro) avancierte er im Sommer 2017 zwar zum teuersten englischen Keeper der Geschichte, sein Debüt in der Nationalmannschaft gab der 24-Jährige aber erst im Herbst beim 0:0 gegen Deutschland. Gegen Schweden bestritt Pickford erst sein achtes Länderspiel.

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