Achtelfinale von

Fußball-WM 2014: Costa Rica wirft
Griechenland im Elferschießen raus

"Ticos" feiern nach aufopferndem Kampf den größten Erfolg ihrer Fußballgeschichte

Lazaros im WM-Spiel Griechenland gegen Costa Rica © Bild: Jeff Gross/Getty Images

Costa Ricas Sensationslauf in Brasilien geht weiter. Die "Ticos" stehen bei einer Fußball-WM erstmals in ihrer Geschichte im Viertelfinale. Nach einem 5:3 im Elfmeterschießen im Außenseiter-Duell gegen Griechenland am Sonntag bekommen es die Mittelamerikaner nun mit einem europäischen Fußball-Schwergewicht zu tun. Am Samstag wartet in Salvador das Aufeinandertreffen mit den Niederlanden.

Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung in Recife war es 1:1 gestanden. Kapitän Bryan Ruiz brachte Costa Rica in der Arena Pernambuco in der 52. Minute voran. Nach einer Gelb-Roten Karte für Costa Ricas Oscar Duarte (66.) kam Griechenland auf, der Ausgleich durch Sokratis Papasthathopoulos fiel jedoch erst in der 91. Minute. In der Elferentscheidung trafen zunächst sieben Schützen, ehe Theofanis Gekas an Keylor Navas scheiterte. Michael Umana verwertete danach sicher.

Costa Rica schaffte unter dem kolumbianischen Trainer Jorge Luis Pinto somit Historisches. 1990 standen die Mittelamerikaner zum zuvor einzigen Mal im Achtelfinale, damals scheiterte man an der Tschechoslowakei. Für Griechenland war bereits der Aufstieg in die K.o.-Phase eine WM-Premiere.

Ruiz im WM-Spiel Costa Rica gegen Griechenland
© Paul Gilham/Getty Images Die beiden Kapitäne beim Handshake

In einer qualitativ nicht immer hochwertigen Partie startete Costa Rica mit jener Elf, die bereits die Ex-Weltmeister Uruguay (3:1) und Italien (1:0) in die Schranken gewiesen hatte. Sie fanden dennoch keine Mittel gegen den Gegner. Die ohne den verletzten Pangiotis Kone eingelaufenen Griechen standen im Mittelfeld dicht gestaffelt, Costa Ricas zuletzt bei Olympiakos Piräus engagierter Topangreifer Joel Campbell erhielt kaum brauchbare Bälle.

Griechen zu Beginn mit den besseren Chancen

Die mit einem Torverhältnis von 2:4 in die K.o.-Phase vorgestoßenen Griechen konnten in punkto Torschüsse sogar vorlegen. Altstar Giorgos Karagounis (139. Teameinsatz) prüfte Costa Ricas Schlussmann Navas mit einem Distanzschuss (29.), ehe der Europameister von 2004 die Riesenmöglichkeit auf die Führung vorfand. Eine mustergültige Holebas-Flanke übernahm Dimitris Salpingidis volley (37.), der beim spanischen Erstligisten Levante mit Andreas Ivanschitz spielende Navas offenbarte aber erneut seine Qualitäten.

Griechenland setzte auch knapp nach Seitenwechsel durch einen Kopfball von Mittelstürmer Giorgios Samaras das erste Zeichen. Auf der Gegenseite traf hingegen Ruiz. Der 28-Jährige rollte den Ball nach Pass von Bolanos aus 17 Metern zwar nicht scharf, aber platziert in die Maschen und erwischte Griechenlands Torhüter Orestis Karnezis dabei auf dem falschen Fuß.

Umana im Spiel Griechenland gegen Costa Rica 290614
© Ian Walton/Getty Images Umana störte die Kreise von Karagounis

Das Tor zwang Griechenland zur Initiative. Auch mit Kostas Mitroglou als zusätzlicher Offensivkraft blieb diese zunächst ergebnislos. Als Duarte nach wiederholtem Foulspiel vom Platz musste, kam mit Gekas ein weiterer Stürmer und damit frischer Schwung.

Ausgleich in der Nachspielzeit

Costa Rica war nun deutlich mehr in Bedrängnis, verteidigte den knappen Vorsprung dennoch erfolgreich - ehe die Nachspielzeit angebrochen war. Gekas scheiterte nach einem weiten Ball noch an Navas, der aufgerückte Sokratis verwertete den Abpraller jedoch zum 1:1. Für Costa Rica war es der erste Gegentreffer im WM-Turnier aus dem Spiel heraus, nachdem Navas zuvor nur durch Uruguays Cavani per Elfer bezwungen wurde. Mitroglou hätte fast noch nachgelegt, der starke Navas drehte seinen Kopfball aber über die Latte.

Lazaros im WM-Spiel Griechenland gegen Costa Rica
© Jeff Gross/Getty Images Costa Rica kämpfte sich eine Runde weiter

In der Verlängerung wirkte Griechenland frischer, die dezimierten Costa Ricaner kamen nur noch selten konstruktiv aus der eigenen Spielhälfte. Campbell war mit seinen Kräften sichtlich am Ende. Mitroglou scheiterte in der 121. Minute alleine vor Navas erneut am Keeper. So ging es zum zweiten Mal im WM-Turnier in die Entscheidung im Elfmeterschießen. Griechenland Teamchef Fernando Santos erlebte dieses nach Schiedsrichterkritik nur noch von der Tribüne aus.

Stimmen zum Spiel

Jorge Luis Pinto (Teamchef Costa Rica) : "Es ist unglaublich. Wir haben bis zum letzten Moment gekämpft, alles gegeben. Auch die Brasilianer haben uns unterstützt. Wir haben sicher gespielt, das war der Schlüssel zum Erfolg. Das Selbstvertrauen hatten wir auch. Wir wollten unbedingt dieses Spiel gewinnen. Wir haben es verdient, weil alle daran geglaubt haben."

Michael Umana (Elferschütze Costa Rica) : "Ich bin ganz ruhig geblieben, weil ich letzte Nacht davon geträumt habe, den entscheidenden Elfmeter zu schießen. Ich habe meinen Mitspielern versprochen, zu treffen."

Fernando Santos (Teamchef Griechenland): "Das ist ein trauriger Moment für uns. Wir wollten weiter Geschichte schreiben und das griechische Volk glücklich machen. Sie haben gute Konter gespielt und ihr Torhüter war fantastisch. Nach dem Ausschluss haben wir den Druck erhöht und verdient ausgeglichen. Costa Rica hat dann gut verteidigt und es ging ins Elferschießen. Das ist eben Fußball."

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