Achtelfinale von

Fußball-WM 2014: Frankreich nach Sieg gegen Nigeria im Viertelfinale

Mühevoller Aufstieg - Spätes Glück durch Pogba und ein Eigentor von Yobo

Frankreich jubelt über das 1:0 gegen Nigeria © Bild: APA/EPA/ROBERT GHEMENT

Einen Tag nach den Niederlanden hat sich mit Frankreich das nächste europäische Schwergewicht ins Viertelfinale der Fußball-WM in Brasilien gemüht. Die Franzosen setzten sich im Achtelfinale gegen Nigeria in einem Geduldsspiel mit 2:0 (0:0) durch. Die späten Treffer in Brasilia fielen durch einen Kopfball von Jungstar Paul Pogba (79.) und ein Eigentor von Joseph Yobo (91.).

Die Franzosen wirkten lange nicht wirklich souverän. Erst in der Schlussphase kam die in der Gruppenphase so starke Offensive in Schwung. Pogba nutzte einen Fehler des bis dahin starken Torhüters Vincent Enyeama nach einem Corner, Yobo traf vom eingewechselten Antoine Griezmann bedrängt ins eigene Netz.

Benzema und Giroud wirkungslos

Der Weltmeister von 1998 tat sich gegen die gut stehenden Nigerianer schwer, einen Spielfluss zu finden. Teamchef Didier Deschamps setzte im Angriffszentrum auf den statischen Olivier Giroud. Stürmerstar Karim Benzema konnte dadurch auf den linken Flügel ausweichen, beide blieben aber wirkungslos. In der Innenverteidigung ersetzte Arsenals Laurent Koscielny den angeschlagenen Mamadou Sakho.

Karim Benzema
© APA/EPA/ROBERT GHEMENT Karim Benzema hadert mit seiner Chancenauswertung.

Bei Nigeria kam Victor Moses im offensiven Mittelfeld statt des verletzten Michael Babatunde zum Einsatz. Die Afrikaner hielten in der Anfangsphase gut dagegen, versuchten mit langen Bällen immer wieder Solospitze Emmanuel Emenike einzusetzen. So auch in der 19. Minute, als ein Treffer des Stürmers von Fenerbahce Istanbul nach Flanke von Ahmed Musa wegen Abseits aberkannt wurde - eine Zentimeterentscheidung.

Nigerianer kurzfristig bessere Mannschaft

Schon vor der Pause fand Pogba die beste Gelegenheit für die Franzosen vor. Einen Volley des 21-Jährigen von Juventus Turin nach Flanke von Mathieu Valbuena entschärfte aber Enyeama (22.). Rechtsverteidiger Mathieu Debuchy schoss aus aussichtsreicher Position am Tor vorbei (40.). Die Nigerianer ließen wenig zu, waren zu Beginn der zweiten Hälfte sogar die bessere Mannschaft.

Frankreichs Torhüter und Kapitän Hugo Lloris musste bei einem Schuss von Peter Odemwingie retten (62.). Erst als Deschamps den agileren Flügelspieler Griezmann für Giroud brachte und Benzema ins Zentrum rückte, wurden auch die "Bleus" gefährlicher. Nach sehenswertem Doppelpass mit Griezmann scheiterte Benzema aber an Enyeama. Den zweiten Versuch kratzte Moses von der Linie (70.).

Victor Moses verhindert ein Tor
© REUTERS/David Gray Nigerias Victor Moses klärt einen Schuss von Karim Benzema in höchster Not.

Im Finish erhöhten die Franzosen wie am Vortag die Niederlande gegen Mexiko (2:1) die Schlagzahl. Die Geduld sollte sich auszahlen. Zunächst klärte Kenneth Omeruo gegen Benzema, den Abpraller setzte Yohan Cabaye an die Querlatte (77.). Enyeama durfte sich bei einem Kopfball von Benzema erneut auszeichnen (79.), beim folgenden Corner griff er aber daneben. Der Keeper des französischen Erstligisten OSC Lille lenkte den Eckball von Valbuena ungenügend ab, Pogba reagierte gut und nickte ein.

Nigeria zum dritten Mal im Achtelfinale gescheitert

Enyeama ließ eine sensationelle Parade gegen Griezmann folgen (84.), in der Nachspielzeit war er aber erneut geschlagen. Einen Querpass von Cabaye nach einem kurz abgespielten Corner lenkte Kapitän Yobo im Duell mit Griezmann ins eigene Tor. Die Nigerianer verloren damit auch ihr drittes WM-Achtelfinale. 1994 und 1998 waren die "Super Eagles" ebenfalls in der ersten K.o.-Runde gescheitert.

Paul Pogba
© APA/EPA/DENNIS SABANGAN Paul Pogba sorgt für den Treffer zum 1:0.

Frankreich dagegen ist auf bestem Weg, sich für die WM-Pleite von 2010 zu rehabilitieren. Damals war die "Equipe Tricolore" nach heftigen internen Streitigkeiten blamabel in der Vorrunde gescheitert. Ihr erstes K.o.-Spiel haben die Franzosen bei einer WM dagegen noch nie verloren.

Yobo verkündet seinen Rücktritt

Kapitän Joseph Yobo hat nach dem WM-Aus im Achtelfinale seinen Rücktritt aus dem nigerianischen Fußball-Nationalteam verkündet. "Das war es für mich. Meine Familie braucht mich. Es war ein langer Weg", erklärte der 33-Jährige vom englischen Absteiger Norwich City. "Ich hätte gern anders aufgehört."

Yobo hatte in Brasilia mit einem Eigentor in der Nachspielzeit für den 0:2-Endstand gesorgt. Es war sein 100. Länderspiel, zehn davon hat Yobo bei Endrunden absolviert. Damit ist der Verteidiger WM-Rekordspieler seines Landes.

Reaktionen zum Spiel

Didier Deschamps (Teamchef Frankreich): "Ab der 60. Minute haben wir die Kontrolle über das Spiel zurückgewonnen. Die Tore sind spät gekommen, aber alle Spiele bei dieser WM sind schwierig. Nigeria hat eine sehr athletische Mannschaft, es gab viele Zweikämpfe, aber wir haben nicht nachgelassen. Wir gehören jetzt zu den acht besten Teams der Welt, das ist etwas Wunderschönes. Ich bin stolz auf das, was wir seit Turnierbeginn hier geleistet haben."

Paul Pogba (Torschütze Frankreich): "Ich bin einfach nur froh, dafür gibt es keine Worte. Ich weiß, dass ein ganzes Land hinter uns steht. Dieses Tor hat uns befreit. In einem so wichtigen Spiel für mein Land zu treffen, das ist einer der größten Momente meines Lebens. Wir haben an uns geglaubt. Wir können die besten und die schlechtesten Spiele machen - aber wir machen sie gemeinsam. Ich bin glücklich."

Stephen Keshi (Teamchef Nigeria): "Es ist sehr schade, dass wir dieses Spiel verloren haben. Wenn ich mir das Spiel ansehe, dann haben wir uns das nicht verdient. Aber so ist der Fußball. Wir haben bei dieser WM gezeigt, dass wir mithalten können. Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Aber dass wir verloren haben, ist nicht schön." Ob er nach der WM im Amt bleibt, ließ Keshi offen. "Ich weiß es nicht."

Joseph Yobo (Kapitän und Eigentorschütze Nigeria): "Wir haben alles gegeben, aber so ist Fußball. Wir hätten es heute besser machen können. Am Anfang haben wir gut gespielt. Nur unsere Chancen haben wir nicht genutzt."

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