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Österreich schlägt Russland:
Rubin Okotie mit dem Goldtor

Das ÖFB-Team überwintert auf Platz eins in der Tabelle der EM-Quali-Gruppe G

Rubin Okotie jubelt für Österreich © Bild: GEPA pictures/ Philipp Brem

Österreichs Nationalmannschaft ist am Samstag der Teilnahme an der EURO 2016 in Frankreich ein großes Stück nähergekommen. Die ÖFB-Auswahl feierte vor 47.500 Zuschauern im Wiener Happel-Stadion einen 1:0-(0:0)-Sieg über Russland und führt damit nach vier Partien weiterhin die Tabelle der Gruppe G an. Das entscheidende Tor erzielte der eingewechselte Rubin Okotie in der 73. Minute.

Dabei hatten die Österreicher kurz vor Spielbeginn den Ausfall eines weiteren Schlüsselspielers verkraften müssen. Julian Baumgartlinger gab nach dem Aufwärmen wegen einer Sehnenreizung im Knie w.o., wodurch Österreich aufgrund der Verletzung von David Alaba die komplette Mittelfeld-Zentrale vorgeben musste.

Die Ersatzmänner Christoph Leitgeb und Stefan Ilsanker waren zwar bemüht, konnten aber im Spielaufbau das Duo Alaba/Baumgartlinger nicht ersetzen. Dadurch fehlte den ÖFB-Angriffen lange die Zielstrebigkeit und Durchschlagskraft.

Leitgeb und Ilsanker im Spiel Österreich gegen Russland
© GEPA pictures/ Christian Ort Die "Ersatzmänner" Christoph Leitgeb und Stefan Ilsanker

Schrecksekunde in Minute 15

Die Russen standen wie erwartet tief, überließen den Österreichern die Initiative und setzten auf Fehler der Gastgeber. Diese Taktik hätte sich in der ersten Hälfte zweimal fast bezahlt gemacht: In der 15. Minute kam Alexander Kokorin nach einem Einwurf der Osteuropäer und einem Stellungsfehler der ÖFB-Kicker plötzlich frei zum Schuss und setzte den Ball an die Stange, drei Minuten später schoss Denis Tscherischew nach einem Patzer von Martin Harnik aus guter Position weit daneben.

Die Österreicher wurden erstmals in der 25. Minute gefährlich, als Goalie Igor Akinfejew einen Schuss von Harnik parierte. In der 39. Minute rettete der Keeper in extremis vor Marc Janko. Die letzte Chance vor der Pause gehörte wieder den Russen - ÖFB-Goalie Robert Almer war nach einem Corner bei einem Kopfball von Sergei Ignaschewitsch zur Stelle (43.).

Alexander Kokorin im Spiel Österreich gegen Russland
© GEPA pictures/ Christian Walgram Alexander Kokorin war ein ständiger Gefahrenherd

Marko Arnautovic mit Chance aufs 1:0

Die Truppe von Fabio Capello erwischte auch den besseren Start in die zweite Hälfte. Nach Vorarbeit von Kokorin zog Tscherischew allein aufs ÖFB-Tor, wurde aber gerade noch abgedrängt (50.). Fast im Gegenzug schoss Arnautovic nach Pass von Fuchs im Strafraum genau auf Akinfejew.

In der 54. Minute forderten die Fans vergeblich Elfmeter. Harnik wurde von Dmitri Kombarow im Sechzehner umgerempelt, doch die Pfeife des englischen Referees Martin Atkinson blieb stumm. Drei Minuten danach verfehlte ein Kokorin-Kopfball nur knapp das Ziel.

Aufregung um nicht gegebenes Tor

In der Folge erhöhten die Österreicher den Druck und kamen dem 1:0 in der 72. Minute erstmals ganz nahe - ein Schuss des kurz zuvor für Janko eingewechselten Okotie wurde von Akinfejew wohl hinter der Linie abgewehrt.

Rubin Okotie mit Ball hinter der Linie
© GEPA pictures/ Christian Ort Urteilen sie selbst: Tor oder nicht Tor?

Während das Publikum noch wütend protestierte, fingen die Österreicher einen russischen Angriff ab. Harnik zog auf der rechten Seite davon und spielte für Okotie auf, der aus leicht abseitsverdächtiger Position einnetzte. Die nun fünf Punkte hinter Österreich liegenden Russen setzten in der Schlussphase alles auf eine Karte, wirklich gefährlich wurden sie aber nicht mehr.

Österreich bleibt 2014 ungeschlagen

Damit ist die österreichische Nationalmannschaft schon seit neun Partien ungeschlagen. Eine längere Serie gab es zuletzt von 10. November 1976 bis 22. März 1978, als die legendäre Cordoba-Generation zwölf Partien ohne Niederlage überstand.

Dieser Erfolgslauf steht bereits am kommenden Dienstag wieder im Happel-Stadion im Testspiel gegen Rekordweltmeister Brasilien auf dem Prüfstand. In der EM-Qualifikation geht es für die Österreicher am 27. März 2015 in Vaduz gegen Liechtenstein weiter.

Marcel Koller: "Die Stimmung war unglaublich. Ich bin die ganze Runde gegangen, und das Stadion war noch immer voll. Die Unterstützung war sehr wichtig, weil die Russen sehr stark waren. Es waren Kleinigkeiten, die wir in der Pause verändert haben, zum Glück hat es geklappt. Wir haben zehn Punkte, aber erst vier Spiele. Die Tabelle sieht sehr schön aus, aber das kann auch trügerisch sein. Die absolute Freude soll dann sein, wenn man sich qualifiziert." Zu Brasilien: "Man kann es genießen, aber da muss man schon sehr bewusst dagegenhalten. Wenn du ein paar Tore zu viel bekommst, tut das auch nicht gut."

Rubin Okotie: "Ich war mir sicher, dass der erste Ball drinnen war. Wenn das Tor dann Abseits war, dann war das ausgleichende Gerechtigkeit. Jeder Spieler möchte spielen, aber ich akzeptiere die Entscheidung des Teamchefs natürlich."

Zlatko Junuzovic: "Das Ergebnis spricht für uns, es war aber ein zähes, schwieriges Spiel, in das wir uns wirklich reinarbeiten mussten. Unsere Leistung war aber trotz alledem sehr, sehr gut. Die Russen sind schon um einen Haufen größer, wir haben auch Ausfälle zu kompensieren gehabt, und das haben wir geschafft. Jeder kann einspringen, das hat man heute gesehen, und das ist schön zu wissen."

Christian Fuchs: "Es war ein sehr kräfteraubendes Spiel und das angekündigte Geduldspiel. Aber man kann sehr stolz sein, wir haben immer an den Sieg geglaubt, unser Spiel gespielt und verdiente drei Punkte geholt. Russland hat sehr viel Qualität, ist für mich noch immer Favorit." Zur Tabellensituation: "Das bedeutet, dass wir bis jetzt gut gespielt haben, mehr auch nicht. Es sind noch viele Spiele ausständig. Wir halten den Ball flach, Frankreich ist noch ein paar Schritte entfernt."

Marko Arnautovic: "Die Mannschaft war überragend, es ist unglaublich, was wir geleistet haben. Wir haben alles abgerufen, was der Trainer verlangt hat. Wir haben gewusst, dass es ein schwieriges Spiel wird, es war ein ganz großes Stück Arbeit, aber wir haben immer an uns geglaubt, dann ist es passiert und jeder ist ausgerastet. Ich muss auch ein Lob an den zwölften Mann geben, die Fans waren 90 Minuten hinter uns. Wir können extrem stolz auf uns sein. Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Wir haben bisher Gutes getan, sind aber noch nicht fertig. Wir haben noch die ganzen Rückspiele und auch Liechtenstein auswärts, die darf man auch nicht unterschätzen. Wir schauen von Spiel zu Spiel."

David Alaba: "Das ist nicht zu beschreiben, das ganze Stadion hat gekocht. Das war ein Wahnsinn. Die Mannschaft hat das supertoll gemacht, ich bin stolz auf sie. Wir dürfen uns keine Gedanken darüber (zu den Quali-Chancen, Anm.) machen, müssen unseren Weg weiter gehen und am Boden bleiben. Wir haben sehr gut begonnen, vielleicht in bischen nachgelassen, aber immer versucht, das Spiel zu machen und verdient gewonnen."

Fabio Capello: "Das Ergebnis ist nicht gut, das Spiel war aber nicht schlecht. Eigentlich hätten wir ein Unentschieden verdient, aber so ist eben Fußball."

Kommentare

Naja, wenn man in der Nachspielzeit ist, 1:0 vorne liegt und der Gegner ebenbürtig ist, dann ist Zeitschinderei ein Gebot der Taktik und sagt nicht wirklich etwas über den Kampfgeist aus.

Ivoir

Ja wirklich gut gespielt und schade das jenes Tor nicht gegeben werden konnte. Sie sollten trotzdem froh sein mit diesem Ergebnis vom Platz gekommen zu sein. Die Zeitschinderei in der Nachspielphase zeigte das der Kampfgeist nicht bis zur letzten Sekunde anhält.

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