Fußball-Mafia: Die Machenschaften von
Ex-Juventus-Manager Luciano Moggi

Anweisungen an Schiris. Auslosungen manipuliert PLUS: Bei Spielertransfers tatkräftig eingegriffen

Juventus Turins zurückgetretenem Manager Luciano Moggi wird eine systematische Manipulation der Fußball-Meisterschaft 2004/2005 zu Gunsten des italienischen Rekordmeisters vorgeworfen. Vor allem mit Hilfe korrupter Schiedsrichter soll der 68-Jährige die Liga beeinflusst haben. Moggi hat am Sonntag unmittelbar nach dem Gewinn des "Scudetto" seinen Rücktritt erklärt.

Den ehemaligen Schiedsrichter-Koordinatoren Paolo Bergamo und Luigi Pairetto soll Moggi vorgeschrieben haben, welcher Schiedsrichter die Juve-Spiele pfeift. Dazu sollen die beiden Koordinatoren sogar die öffentliche Ziehung manipuliert haben. Während ein unabhängiger Assistent unter notarieller Aufsicht aus einer Lostrommel den Namen des Schiedsrichters zog, sollen Bergamo und Pairetto aus einer mit markierten Kugeln versehenen zweiten Lostrommel das von Moggi gewünschte Spiel dazu gestellt haben.

Einige Schiedsrichter sollen von Moggi Anweisungen bekommen haben, welche Spieler sie mit gelben Karten gezielt für die nächsten Partien außer Gefecht setzen sollten. So soll Moggi die nächsten Juve-Gegner geschwächt haben. Zu den verdächtigten Schiedsrichtern zählt auch der zunächst für die Weltmeisterschaft nominierte und jetzt vom italienischen Fußballverband (FIGC) zurückgezogene Massimo De Santis.

Auch offene Gewalt und Drohungen gehörten anscheinend zu Moggis Repertoire: Schiedsrichter Gianluca Paparesta sperrte Moggi nach Juves 1:2-Niederlage bei Reggina Calcio in der vergangenen Saison wutentbrannt in der Kabine ein. Der Unparteiische war Moggi wohl zu unparteiisch gewesen. Den Schlüssel der Kabine habe er dann weggeworfen, erzählte Moggi in einem Telefongespräch, dass die Fahnder aufzeichneten.

Regelmäßig soll Moggi auch bei Spielertransfers seine Finger im Spiel gehabt haben. Dabei soll er Gegnern ganz bewusst geschadet haben. So wurde ein Telefongespräch abgehört, in dem er über US Lecces Trainer Zdenek Zeman sagte: "Der braucht Mal einen mit dem Knüppel. Lass uns ihm einen Spieler wegholen". Zeman hatte schon vor Jahren Doping- und Medikamentenmissbrauch im italienischen Fußball beklagt und explizit Juventus Turin beschuldigt. Die Staatsanwaltschaft Turin hatte daraufhin ermittelt und gegen Juve-Geschäftsführer Antonio Giraudo sowie Teamarzt Ricardo Agricola einen Dopingprozess geführt.

Seine Machtposition als Manager des Rekordmeisters soll Moggi ausgenutzt haben, um der Spielervermittlung (GEA) seines Sohnes Alessandro Mandanten zu verschaffen. Bei Transferverhandlungen soll er Spielern eindringlich empfohlen haben, sich von seinem Sohn managen zu lassen, um ihre Chancen auf einen guten Vertrag bei Juve zu verbessern.

Mit Hilfe seiner engen Kontakte zum zurückgetretenen FIGC-Vize-Präsidenten Innocenzo Mazzini soll Moggi auch bei der Vergabe wichtiger Posten im Verband und in der Liga Einfluss genommen haben.

(apa)