LASK: Ein Zeuge packt aus

Der Linzer Profiklub soll einem Investor 350.000 Euro für seine Transferbeteiligung ausbezahlt haben. Auch der Fußball-Weltverband nimmt die Geschäfte unter die Lupe.

von Fußball - LASK: Ein Zeuge packt aus © Bild: APA/EXPA/REINHARD EISENBAUER

Am 22. April machte News die dubiosen Deals beim Fußballtraditionsklub LASK öffentlich: Unter der Regie des international erfahrenen Spielvermittlers Jürgen Werner wurden diskrete Transfergeschäfte mit LASK-Spielern orchestriert und Investoren im Verborgenen finanziell an Spielern beteiligt; obwohl derartige Beteiligungen Dritter an Spielerrechten („Third Party Ownership“) vom Weltfußballverband FIFA bereits im Sommer 2015 untersagt worden waren. Die vorläufigen Konsequenzen: Jürgen Werner trat als LASK-Vizepräsident zurück, obwohl er sich – offiziell – nichts vorzuwerfen habe, wie er bekundet. Dennoch wurde der bald 60-jährige Oberösterreicher, der bis März noch eine Geschäftsführerfunktion bei einer Spielervermittleragentur bekleidete, vom Senat 2 der Bundesliga mit einer Funktionssperre über 18 Monate belegt. Werner hat laut „Volksblatt“ dagegen Berufung eingelegt.

War es das? Ist damit wieder Ruhe eingekehrt beim LASK, der mit dem ambitionierten Stadionprojekt in Linz ohnehin eine echte Großbaustelle vorzuweisen hat?

Mitnichten.

350.000 Euro via LASK GmbH

National ermittelt nach wie vor der Bundesliga-Senat 5 wegen möglicher Verstöße im Lizenzierungsverfahren, bei dem alle Bundesliga-Vereine ihre wirtschaftlichen Kennzahlen transparent auf den Tisch legen müssen. Die Krone offenbarte zuletzt, dass neben Jürgen Werner auch LASK-Präsident Siegmund Gruber zunehmend in den Fokus der Ermittlungen gerät, laut News-Recherchen hat der Senat 5 in den letzten Wochen mehrere Zeugen vor allem zu innerösterreichischen Spielerverkäufen des LASK befragt. Besonders brisant ist die Aussage eines Investors, der sich mit rund 180.000 Euro über Jürgen Werner nahestehende Investmentvehikel an LASK-Spielerrechten beteiligt haben will – und für den Einsatz von Risikokapital laut einer vorliegenden Unterlage letztlich 350.000 Euro kassiert haben soll. Dies jedenfalls gab der Zeuge vor dem Senat 5 zu Protokoll. Ausbezahlt wurden die anteiligen Transfergewinne laut der Aussage des Zeugen jedoch nicht über Werners Investmentgesellschaft, sondern pikanterweise direkt von der LASK GmbH, mit der die Profisportaktivitäten des Linzer Klubs abgewickelt werden. Das könnte für die LASK-Verantwortlichen durchaus weitergehenden Erklärungsbedarf bedeuten.

Im Fokus der FIFA

International haben nämlich die Regelhüter der FIFA bereits vor Wochen ein strenges Auge auf die Aktivitäten in Linz geworfen. Der Weltfußballverband mit Sitz in Zürich hat – laut Krone – mittlerweile den LASK zu einer offiziellen Stellungnahme zum FIFA-Ermittlungsstand aufgefordert. Immerhin gilt es mit Blick auf die letzten Jahre einige für den LASK lukrative internationale Transfers durch die internationalen Regel-Macher aufzuarbeiten, an denen laut vorliegenden Dokumenten eben auch Dritte profitiert haben sollen. Und ein beträchtlicher Teil der 350.000 Euro, die der Zeuge direkt von der LASK GmbH für Transferbeteiligungen erhalten haben will, betrifft internationale Transfers. Darunter, unter anderem: Der Verkauf von Joao Victor, der zum VfL Wolfsburg in die deutsche Bundesliga wechselte und dem LASK in Summe mehrere Millionen in die Kassen spülte.

2,5 oder 3,5 Millionen?

Auf den Deal mit dem Goalgetter lohnt sich auch aus einem anderen Grund ein genauer Blick. Denn News-Recherchen ergaben, dass zumindest einem Investor, der sich an den Transferrechten des Brasilianers beteiligt hatte, ein Verkaufserlös von 2,5 Millionen Euro genannt worden sein soll. Auf Basis dieser 2,5 Millionen soll auch die Investorenabrechnung der Transferbeteiligung erfolgt sein.

Tatsächlich soll mit dem heute 27-jährigen Joao Victor eine deutlich höhere Ablösezahlung erzielt worden sein. Das behauptete zumindest die für gewöhnlich gut informierte Oberösterreich-Krone, in der es am 1.7.2019 hieß: Bisher war „man davon ausgegangen, dass der LASK für seinen Torjäger etwa 2,5 bis 2,8 Millionen kassiert haben dürfte…Doch Irrtum! Wie die ‚Krone“ in Wolfsburg aus hundertprozentiger Quelle erfuhr, hat Österreichs Vizemeister für den 20-fachen Torschützen der letzten Saison genau 3,5 Millionen Euro kassiert.“

Wenn das stimmen würde, könnte auf einige Personen Erklärungsbedarf in neuer Qualität zukommen. Das aktuell von Bundesliga und FIFA untersuchte mutmaßliche Foul-Spiel durch Werner, Gruber und Co. könnte dann nämlich eine neue juristische Dimension erreichen.

Sowohl der LASK als auch Jürgen Werner ließen Anfragen von News unbeantwortet. In der Vergangenheit hatten sie stets jegliches Fehlverhalten bestritten.

Der Senat 5 der Bundesliga hat das Verfahren gegen den LASK nach monatelangen Ermittlungen am Dienstagnachmittag wegen Mangels an Beweisen eingestellt. Der Weltfußballverband FIFA ermittelt nach wie vor.

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