Menschen von

Michel Platini wird 60

Harte Zeiten für Ex-Weltstar: UEFA-Präsident muss Chancen auf FIFA-Thron abwägen

MONACO SOCCER UEFA EUROPA LEAGUE © Bild: APA/EPA

Seinen 60. Geburtstag am Sonntag wird Michel Platini am Genfer See feiern. Seit 2007 führt der einstige Weltklassespieler und Fußball-Europameister von 1984 Europas Fußball-Union an. Nach den Turbulenzen im Weltverband in den vergangenen Wochen ist Platini dieser Tage wie einst als Taktiker gefragt.

Allein mit Scheich Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuwait wurde er zuletzt mehrmals beim Plausch gesichtet: Am Vorabend des FIFA-Kongresses Ende Mai in Zürich, kürzlich beim IOC-Empfang in Lausanne. Scheich Ahmad ist der Herr über Asiens olympische Sportverbände und gilt als Königsmacher in der Welt der Sportfunktionäre. Die Nähe, die Platini offenbar zu ihm sucht, ist Indiz für den Willen des Franzosen, um die Nachfolge von FIFA-Boss Joseph Blatter zu kandidieren.

Knapp an der Lachnummer vorbei

"Ich weiß nur, dass meine nächste Entscheidung die letzte für meine Karriere sein wird", hatte Platini nach seiner Wiederwahl zum UEFA-Präsidenten im März gesagt - nicht ahnend, dass der Zeitpunkt für die Entscheidung wegen der Rücktrittsankündigung von Blatter nun schon drei Monate später und nicht wie gedacht erst im Jahr 2019 anstehen würde.

Platini - wie früher auf dem Spielfeld als Lenker und Vollstrecker der "Equipe tricolore" auch als Top-Funktionär eigentlich berühmt für sein präzises taktisches Gespür - hat in den vergangenen Wochen keine gute Figur gemacht. Zuerst traute er sich nicht, gegen Blatter zu kandidieren. Mit seinem Versuch, den Schweizer vor der Wiederwahl zum Rücktritt zu animieren, scheiterte er kläglich.

Beim Kongress in Zürich saß er dann genervt oder gelangweilt auf dem Ehrenpodium und ließ die letztlich doch noch zur Makulatur gewordene Wiederwahl des umstrittenen Schweizers über sich ergehen. Von Platini war man andere Führungsstärke gewohnt.

Kein Gespür für FIFA?

In mittlerweile acht Jahren an der UEFA-Spitze hat er den europäischen Fußball mit maximalem Expansionsdrang zu ökonomischen Topwerten geführt. Krude wirkende Ideen, wie eine EM mit 24 Teams oder ein Pan-Europa-Turnier 2020 in 13 Ländern, setzte er ebenso durch wie die Nations League ab 2018. Nur beim Griff nach dem FIFA-Thron fehlt Platini Fortune.

Mächtig geärgert dürfte sich Europas dreifacher Fußballer des Jahres (1983-85) haben, dass er es nicht wagte, gegen Blatter zu kandidieren. Hätte Platini und nicht der Ersatzkandidat Prinz Ali bin al Hussein am 29. Mai zur Wahl gestanden, würde er zumindest jetzt im Lichte der massiven FIFA-Krise als logischer Nachfolger von Blatter gelten. So schwingen aber Zweifel mit, ob Platini der richtige Mann ist, um den Weltverband zu reformieren.

Wenig Rückhalt

Sein Engagement für die WM 2022 in Katar, wo sein Sohn einen lukrativen Posten bekam, bleibt ein Glaubwürdigkeitsmakel. Und nicht einmal Fußball-Europa hat Platini im Kampf gegen Blatter vereinen können. Große Verbände wie Spanien und - peinlicherweise - der aus Frankreich, verweigerten ihm die Gefolgschaft, was letztlich auch einen Kongress-Boykott unmöglich machte.

Spätestens nach dem 20. Juli, wenn das FIFA-Exekutivkomitee den Wahltermin festlegen will, wird sich Platini entscheiden müssen. Im UEFA-Hauptsitz in Nyon hört man, dass es dem Hausherren am liebsten wäre, wenn er die FIFA regieren, die UEFA aber weiter kontrollieren könnte - oder umgekehrt. Neben der eigenen Personalfrage muss Platini also einen Kandidaten suchen, der den anderen Verband in seinem Sinne lenken könnte. Sollte Platini in Europa bleiben wollen, käme für den FIFA-Chefsessel mit Sicherheit Scheich Ahmad infrage.

Kommentare