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2. Prozess-Tag: Uli
Hoeneß schwer belastet

Steuerschuld des Bayern-Bosses beträgt 27,2 Mio. - Haft immer wahrscheinlicher

Im spektakulären Steuerprozess um Uli Hoeneß geht es um immer größere Summen. Die Steuerschuld des FC-Bayern-Präsidenten liegt nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft sogar bei 27,2 Millionen Euro. Zu den 23,7 Millionen Euro, die aus neuen Unterlagen von der Rosenheimer Steuerfahndung errechnet worden waren, kommen demnach noch die 3,5 Millionen Euro aus der ursprünglichen Anklage gegen den 62-Jährigen Boss des deutschen Fußball-Rekordmeisters hinzu.

Zuvor hatte am Dienstag die als Zeugin vor dem Münchner Landgericht vernommene Rosenheimer Steuerfahnderin die Summe von 23,7 Millionen Euro genannt. Hoeneß selber hatte zum Prozessauftakt tags zuvor eingeräumt, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Angesichts der neuen Enthüllungen ist offen, ob das Urteil wie geplant am Donnerstag fallen kann. Eine Entscheidung darüber will das Gericht erst am Mittwoch nach der Anhörung weiterer Zeugen fällen.

Unbedingt Haftstrafe wird immer wahrscheinlicher

Die Staatsanwaltschaft hatte Hoeneß ursprünglich wegen 3,5 Millionen Euro hinterzogenen Steuern angeklagt. Da die Hauptverhandlung läuft, schützt es Hoeneß nicht, dass die Strafverfolger zunächst nicht die gesamte Summe aufgedeckt hatten. Eine unbedingte Haftstrafe wird angesichts der Enthüllungen vom Dienstag immer wahrscheinlicher. Auf Steuerhinterziehung stehen in Deutschland bis zu fünf Jahre Haft, in besonders schweren Fällen zehn Jahre.

Hoeneß türmte der Steuerfahnderin zufolge in den Jahren bis 2005 mit seinen Devisenspekulationen ein gewaltiges Vermögen auf. Der Saldo seiner Konten bei der Bank Vontobel habe mehr als 150 Millionen Euro betragen, erklärte die Beamtin. In manchen Jahren habe der Gewinn mehr als 30 Millionen Euro ausgemacht. Nach 2006 ging es abwärts. "Ende 2010 ist nicht mehr sehr viel von den Gewinnen da, was leider an der Steuer nichts ändert", schilderte die Beamtin.

Für Aufregung sorgte die 45-Jährige mit einem Detail: Eine Datei auf einem USB-Stick, den die Steuerfahndung erst im Februar von Hoeneß' Anwälten erhalten habe, sei bereits vor gut einem Jahr kurz nach dessen Selbstanzeige erstellt worden. Dies sei von EDV-Experten ihres Hauses ermittelt worden, erklärte sie im Zeugenstand. Die Kammer lud für Mittwoch den Spezialisten der Steuerfahndung vor.

"Best-Case-Rechnung" zugunsten von Hoeneß

Bei der von ihr genannten Summe von 23,7 Mio. Euro soll es sich um eine "Best-Case-Rechnung" zugunsten von Hoeneß handeln, die sich aus einer Neuberechnung seiner Steuern aufgrund neu eingereichter Unterlagen für die Jahre 2003 bis 2006 ergeben habe. Die Verteidiger von Hoeneß hatten erst am 27. Februar umfassende Dateien zu den Devisengeschäften ihres Mandanten abgegeben. Auf deren Grundlage führte die Steuerfahndung nun die Neuberechnung durch.

Nach Ansicht der Steuerfahnderin, die mit einem roten Wäschekorb voller Akten den Saal 134 im Münchner Justizpalast betreten hatte, sind die nachgereichten Unterlagen aber lückenhaft. "Hier fehlen 1,7 Millionen, von denen keiner weiß, wo sie sind", sagte etwa Richter Rupert Heindl einmal. Zudem habe Hoeneß mehrere Fristen verstreichen lassen. Die Beamtin warf dem Angeklagten deshalb eine Hinhaltetaktik vor.

Für Hoeneß' Hoffnungen, dass seine Selbstanzeige vor Gericht doch noch als gültig anerkannt wird und er damit straffrei davonkommt, bedeuteten die Angaben der Steuerfahnderin einen massiven Dämpfer. Eine strafbefreiende Selbstanzeige muss nach den gesetzlichen Vorgaben umfassend sein. Die Staatsanwaltschaft hatte seine am 17. Jänner 2013 eingereichte Selbstanzeige aber bereits als unvollständig eingestuft und deshalb nicht anerkannt.

Hoeneß schweigt zu Anschuldigungen

Der Fußballmanager hatte sich am Montag reumütig gezeigt und beteuert, er wolle zur vollen Steuerehrlichkeit zurückkehren. Am zweiten Verhandlungstag schwieg er, während die Beamtin aus Rosenheim sein steuerliches Sündenregister vortrug und auf Basis neuer Datenberge aus Zürich ihre jüngste Schätzung abgab.

Der Prozess war ursprünglich auf vier Verhandlungstage angesetzt. Angesichts der immer komplexeren Sachlage wird damit gerechnet, dass Richter Rupert Heindl weitere Termine plant. Für Mittwoch ließ er auch den für Hoeneß zuständigen Betriebsprüfer als Zeugen laden.

Bayern wollen für Hoeneß siegen

Der Prozessbeginn gegen Uli Hoeneß überschattet das Rückspiel der Bayern im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Arsenal.

Kommentare

Was ist wenn die Steuerschuld größer als sein Vermögen ist? Wir sollten mal alle über den Unsinn eines auf Gewinnermittlung basierenden Steuersystems nachdenken. Dieses führt immer zu Unehrlichkeit und Betrug. Wer noch nie im Fahrtenbuch etwas falsch eingetragen hat werfe den ersten Stein.

Ich frage mich, welchen Gesamtgewinn bzw Gesamteinkommen man haben muss, um auf eine Steuerschuld von ~25 Millionen zu kommen. Auch frage ich mich, ob es hierbei ausschließlich um sein Privateinkommen geht oder ob da auch um unterschlagene Steuern von juristischen Personen geht.

Helmut Svik
Helmut Svik melden

was manche für einen Blödsinn schreiben,ist nicht normal. sozial hin sozial her,mit Steuergeldern die er verzockt hat in dieser höhe kann er eine Kleinstadt retten. der braucht gesiebte luft und gleich mehrere jahre. dieser arogante koffer.

Nudlsupp melden

1) Es war kein Steuergeld, es war sein eigenes, immerhin ist Uli Hoeneß kein Kärntner
2) Hinterfragenswert finde ich, zuerst Gewinne, dann Verluste = Steuerbetrüger. Aber zuerst Verluste, dann Gewinne = Weisse Weste, obwohl es im Ergebnis dasselbe ist
3) Persönlich finde ich Uli Hoeneß absolut super, aber fast 30 Millionen ist halt schon eine Ansage. Das zu erwartende Urteil wird er...

Nudlsupp melden

akzeptieren müssen. Die mediale Hetzjagd finde ich grenzwertig. Er hat keine kleine Buben vernascht oder sonst was, insofern sollte man die Rechtssprechung unabhängigen Richtern und nicht dem Boulevard überlassen.

giuseppeverdi melden

Hoeneß ist ein sozialer Mensch, wie man ihn selten findet. Er hat ohne dass er darum gebeten worden ist, mehr als 15 Millionen Euro sozialen Zwecken zukommen lassen. außerdem ist mir das Schicksal eines Arbeiters bei Bayern München bekannt, den ein schwerer Schicksalsschlag fast in den Ruin getrieben hat. Hoeneß hat ihn davor gerettet. Er soll für die Steuerhinterziehung ordentlich "brennen"...

giuseppeverdi melden

..., dass er das auch ordentlich spürt, aber ins Gefängnis sollte so ein Mann, der unzähligen Menschen geholfen hat aus ihrer persönlichen Not zu kommen, nicht müssen. Dafür stehe ich!!!!!

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