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Bayern Münchens Pokal-Aus:
Eine fünffache Niederlage

Dortmunder beenden Münchner Triple-Träume und helfen so auch dem FC Barcelona

Philipp Lahm am Boden © Bild: imago/Avanti

Der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Vor einer Woche schwebte der FC Bayern nach der 6:1-Gala in der Champions League gegen den FC Porto auf Wolke sieben. Auch an dieser Stelle wurden die Münchner als Vierfachsieger gefeiert. Zu Recht. Doch da der Fußball eben schnelllebig ist, steht der deutsche Rekordmeister nach dem Ausscheiden im DFB-Pokal auf der Verliererstraße. Denn gegen Dortmund ging mehr verloren als nur ein packender Cup-Fight.

Bayern verliert das Spiel

"Das kotzt mich an!" Bayern-Offensivakteur Thomas Müller nahm sich nach Spielende wie gewohnt kein Blatt vor den Mund. Was den deutschen Nationalspieler so störte, war einerseits das eigene Unvermögen, das Spiel trotz klarem Chancenplus zu entscheiden, andererseits der Schiedsrichter. "Bei der Hand-Situation war ich ganz nah dran, das war für mich ganz klar", sprach er eine entscheidende Szene der Partie in Minute 55 an, als den Bayern nach Handspiel von Marcel Schmelzer im Strafraum ein Elfmeter verwehrt blieb. "Ich muss ganz klar sagen, dass es eine Fehlentscheidung war, das nicht zu pfeifen. Es tut mir Leid", räumte auch Referee Peter Gagelmann ein.

Marcel Schmelzer Handspiel
© imago/Team 2 Marcel Schmelzers klares Handspiel

So weit, so richtig. Doch erstens war angesichts der Performance der Bayern vom Elfmeterpunkt (dazu später mehr) gar nicht klar, dass das vorentscheidende 2:0 gefallen wäre, und zweitens haben sie die Partie nicht aufgrund der Fehlentscheidung aus der Hand gegeben. "Wir hätten das Spiel in der regulären Spielzeit gewinnen können", erinnerte auch Philipp Lahm an die Möglichkeiten wie den Lattenschuss von Robert Lewandowski oder den Schuss aus der Drehung von Thiago. "Und auch in der Verlängerung hatten wir zwei dicke Chancen", vervollständigt der FCB-Kapitän sein Chancen-Resümee mit Hinweis auf Bastian Schweinsteigers Kopfbälle. Nachdem die Bayern den Sack nicht zumachten, blieb es eben bei den Toren von Lewandowski (29.) bzw. Pierre-Emerick Aubameyang (75.) und der Dramatik des Elferschießens.

Bayern verliert Nimbus der Elfmeter-Unfehlbarkeit

Es gibt weltweit keine Mannschaft, die über derart viele sichere Elfmeterschützen verfügt als der FC Bayern. Selbst ohne die besten Drei (Thomas Müller, David Alaba, Arjen Robben) tummeln sich noch immer so viele Stars mit Selbstvertrauen, Routine und Ruhe, dass jedem gegnerischen Torhüter Angst und Bange wird. Leverkusens Bernd Leno aus dem Pokal-Viertelfinale - 5 Mal chancenlos - kann davon ein Lied singen. Doch was den Herren Philipp Lahm, Xabi Alonso, Mario Götze und Manuel Neuer an diesem Dienstagabend passierte, ist schlicht unerklärlich. "Da scheint es irgendein Problem mit dem Platz gegeben zu haben", suchte selbst BVB-Coach Jürgen Klopp eine Erklärung für die nahezu identischen Ausrutscher von Lahm und Alonso. Sebastian Kehl hatte da weniger Mitleid: "Wenn sie keine Elfmeter schießen können, dann müssen sie es mal üben." Angesichts der bevorstehenden K.o.-Spiele in der Champions League nicht unratsam.

Alonso rutscht weg
© GUENTER SCHIFFMANN/AFP/Getty Images Xabi Alonso, jahrelang spanischer Elferschütze Nummer 1, rutscht weg

Bayern verliert die Chance aufs Triple

Wenige Tage nach Fixierung der 25. Meisterschaft mag mancher ein Pokal-Aus akzeptieren, immerhin hat man ja ohnehin gerade einen Titel gefeiert. Doch der FC Bayern ist der FC Bayern. "Nur das Triple ist genug", verdeutlichte Pep Guardiola schon vor dem Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Porto. Diesem eigenen Anspruch kann der Katalane mit seinem Team in dieser Saison nicht mehr gerecht werden. "Wir haben alles getan, damit bin ich sehr zufrieden", nahm es Guardiola dennoch sportlich. An die Leistung seines Vorgängers Jupp Heynckes kommt er damit jedoch abermals nicht heran.

Wenn ihr ne Pinnwannd kennt, auf der sich dieses schwarz-gelbe Schild gut machen würde... Es gehört euch! #FCBBVB #miasanausgerutscht

Posted by 1LIVE on Tuesday, April 28, 2015

Bayern verliert Arjen Robben

Für viele die vielleicht schmerzlichste Niederlage dieses Pokal-Duells mit Dortmund. Da feiert Arjen Robben in der 68. Minute sein Comeback nach Bauchmuskelriss. Das Stadion steht Kopf, 75.000 Fans in der Allianz Arena feiern den Niederländer mit Sprechchören. Und dann, nur 16 Minuten später, verlässt er geknickt wieder den Platz. Erste Diagnose: Muskelfaserriss. Robben verließ das Stadiongelände auf Krücken. Wenige Stunden später die Hiobsbotschaft: Muskelbündelriss in der Wade und Saisonende. Auch Robert Lewandowski hat es schwer erwischt. Der Pole erlitt in der Verlängerung bei einer zumindest grenzwertigen Rettungstat von BVB-Torhüter Mitchell Langerak neben einer Gehirnerschütterung auch Brüche im Gesicht. Ein Einsatz mit Maske im Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona wurde von den Münchnern und dem Stürmer selbst ("Ich hoffe wirklich, dass ich spielen kann") aber zumindest angedeutet.

Robert Lewandowski bei der Untersuchung

Bayern verliert das Momentum der Angst

Das 6:1 der Bayern gegen den FC Porto in der letzten Runde der Königsklasse hat Eindruck geschunden. Vor allem die erste Hälfte mit fünf Toren sorgte weit über den Weißwurstäquator hinaus für Bewunderung, Respekt und teilweise Angst. Der FC Barcelona, kommender Gegner in der Champions League, wurde schnell wieder zum Außenseiter abgestempelt, erst recht, da sich das Münchner Lazarett ja zu lichten schien. Nach dem 1:3 n.E. gegen Dortmund sieht die Sache aber etwas anders aus. Die "Super-Super-Bayern" (Zitat Guardiola) zeigten sich verwundbar, Leistungsträger sind nach dem Kampf über 120 Minuten erneut angeschlagen und der FC Barcelona? Die Katalanen schossen zeitgleich in der Meisterschaft den FC Getafe mit 6:0 vom Platz.

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