Medien von

Regierung kämpft für
Bundesliga im Free-TV

Medien - Regierung kämpft für
Bundesliga im Free-TV © Bild: APA/Schlager

Politisches Kleingeld oder ernste Angelegenheit? Der Regierung ist es jedenfalls ernst mit der Fußball-Bundesliga im Free-TV. So kamen heute Vertreter aus Politik und Fußball immerhin zu Gesprächen zusammen, wenngleich man als Ergebnis nur gute Vorsätze mit nach Hause nehmen konnte.

Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) haben am Donnerstag erneut Gespräche über das Regierungs-Vorhaben geführt, wonach zumindest einige Live-Spiele der Fußball-Bundesliga im Free-TV zu sehen sein sollen. Geladen waren diesmal Vertreter des Fußballs. Umgesetzt werden soll das Vorhaben über die geplante Adaptierung der sogenannten Fernseh-"Schutzliste".

Die Regierung möchte den Umstand, dass die österreichische Fußball-Bundesliga derzeit fast nur mehr exklusiv im Pay-TV (Sky) zu sehen ist, ändern. Bereits im September des Vorjahres hatten Strache (in seiner Funktion als Sportminister) und Blümel angekündigt, die Liste jener Ereignisse, die jedenfalls im Free-TV zu sehen sein sollen, überarbeiten zu wollen. Diese Verordnung - auch als Fernseh-"Schutzliste" bekannt - basiert auf dem Fernsehexklusivrechtegesetz (FERG) und gilt seit Oktober 2001. Sie listet "Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" auf, die nach dem Willen der Politik nicht ausschließlich im Bezahlfernsehen gezeigt werden dürfen, sondern mindestens 70 Prozent aller ORF-Teilnehmer ohne zusätzliche Gebühren erreichen müssen.

Ganze Spiele, nicht nur Zusammenfassungen

Nach den Gesprächen mit Vertretern des Österreichischen Fußball-Bundes, der Fußball-Bundesliga, sowie der Bundesliga-Klubs im Bundeskanzleramt erklärte Strache am Donnerstag einmal mehr, das erklärte Ziel sei es, gewisse Live-Spiele zu definieren. Diese müsse man über Free-TV sicherstellen, "nicht nur Zusammenfassungen". Wie schon bei der letzten Gesprächsrunde mit den Verantwortlichen der TV-Sender Ende November des Vorjahres betonte der Vizekanzler, es gebe viele sozial Schwächere, die sich Bezahl-Fernsehen nicht leisten könnten "und daher gänzlich von diesen Sendungen abgeschnitten sind".

Gleichzeitig zeigte der Sportminister Verständnis dafür, dass gut dotierte TV-Verträge für die Bundesligaklubs wichtig sind. Denn dies bedeute die "wirtschaftliche Grundlage" für den Fußball. Die Frage sei, wie man "auch Sequenzen oder das eine oder andere Live-Spiel" im Free-TV möglich machen könnte. Dies sei eine "Gratwanderung", denn jeder Eingriff bedeute eine Markteinschränkung, räumte er ein.

Der Weg über den ORF müsse dabei nicht die einzige Lösung sein, deutete Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) an: "Die Frage, was Free-TV eigentlich bedeutet, müssen wir technisch umdefinieren. Es geht nicht darum, dass ein bestimmter Sender den Österreichern den Fußball bringt, sondern dass möglichst viele Österreicher Fußball frei zu sehen bekommen." Fix ist für die Regierung, dass es dabei auch um Live-Spiele gehen soll: "Wenn niemand außerhalb Pay-TV Live-Spiele zu sehen bekommt, wird das keinen Sinn machen", so Blümel.

Verständnis mit wirtschaftlichem Einwand

Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer zeigt für das Anliegen der Regierung zwar grundsätzlich Verständnis, gleichzeitig verwies er aber auf die wirtschaftlichen Interessen der Fußball-Liga und deren Klubs. Es sei eine "produktive Debatte" gewesen, meinte er nach der Gesprächsrunde. Er gehe völlig konform mit dem Ziel der Regierung, dass eine möglichst große Zahl an Sehern die Bundesliga konsumieren können sollte. Es drehe sich bei den Gesprächen vor allem um die Frage, was konsumierbar sein muss - und seiner Meinung nach sei das "der ganze Bewerb und nicht einzelne Sequenzen", meinte auch er. Es werde in dieser Frage sicherlich weitere Diskussionen geben.

Gleichzeitig strich Ebenbauer die wirtschaftliche Notwendigkeit lukrativer TV-Verträge für den Fußball hervor: Es sei zu beachten, "dass die österreichischen Bundesliga-Klubs ein wesentliches Interesse daran haben, in allen Belangen erfolgreich zu sein, auch wirtschaftlich". Insofern sei das Interesse der Bundesliga klar, nämlich, dass jede Einschränkung einen "Einschnitt in die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga" bedeute.

Bitte warten: Kein konkreter Zeitplan

Zum weiteren Zeithorizont wollten sich Blümel und Strache nicht näher festlegen. "Wir haben noch einige Themenrunden angesetzt", so Blümel. Unter anderem sind noch Gespräche mit dem Skiverband und mit "Stakeholdern im kulturellen Bereich" geplant. Danach soll die Liste adaptiert werden und als Vorschlag an die EU-Kommission ergehen (die u.a. eine wettbewerbsrechtliche Prüfung vornimmt). Erst danach kann eine Änderung der Verordnung erfolgen.

Derzeit umfasst die Fernseh-"Schutzliste" die Olympischen Sommer- und Winterspiele, Alpine und Nordische Ski-WM, bestimmte Fußball-WM und -EM-Partien (Eröffnungsspiel, Halbfinale und Finale sowie alle Spiele mit der österreichischen Nationalmannschaft) sowie das österreichische Cupfinale. Im Kulturbereich sind das Neujahrskonzert und der Opernball vor Bezahlschranken geschützt.

Kommentare