EM-Qualifikation von

"Wir sind auf die
Schnauze gefallen"

ÖFB-Teamspieler nach Blamage in Israel selbstkritisch

EM-Qualifikation - "Wir sind auf die
Schnauze gefallen" © Bild: APA/Jäger

Die 2:4-Niederlage in der EM-Qualifikation gegen Israel hat bei Österreichs Fußball-Teamspielern nicht nur Enttäuschung, Ärger und Scham hervorgerufen. Es herrschte auch ein gewisses Gefühl der Verwunderung darüber, wie man am Sonntag in Haifa als Weltranglisten-23. derart lasch in eine Blamage gegen den 92. im FIFA-Ranking stolpern konnte.

So meinte etwa Kapitän Julian Baumgartlinger: "Es ist ein Stück weit unerklärlich, dass wir so passiv geworden sind und ein Spiel so verlieren." Das Ergebnis sei eine "mittelschwere Katastrophe. Das haben wir uns eindeutig selbst zuzuschreiben", gab der Salzburger zu.

In den kommenden Partien am 7. Juni in Klagenfurt gegen Slowenien und am 10. Juni in Skopje gegen Nordmazedonien müsse man sich in anderer Verfassung präsentieren. "Unsere Aufgabe im Sommer ist es, zu beweisen, dass wir sind, was wir glauben, dass wir sind", meinte Baumgartlinger.

Katastrophales Defensivverhalten

Viel Luft nach oben gibt es bei der Chancenauswertung und vor allem im Defensivverhalten. "Alle Gegentore waren zu verteidigen. Da war nichts, wo sie uns auseinandergenommen hätten, und das ist das, was mich so ärgert", sagte der Leverkusen-Profi.

Immerhin sei die Chance auf eine EM-Teilnahme weiter am Leben. "Zum Glück ist die Gruppenphase noch nicht vorbei", sagte Baumgartlinger nach der zweiten Niederlage im zweiten Match der laufenden EM-Qualifikation.

Für Valentino Lazaro war das nur ein schwacher Trost. "Niemand von uns wird aufstecken, es ist noch möglich", betonte der Hertha-Legionär. Dafür müsse man aber künftig eine andere Einstellung an den Tag legen. "Es war noch nie so, dass Österreich einen Messi oder Ronaldinho gehabt hätte. Wir müssen unser Herz in die Hand nehmen, dann haben wir eine Qualität, die nicht schlechter ist als die von vielen anderen großen Nationen in Europa", meinte der Steirer.

Viel Pech und wenig Leidenschaft

Bei der Niederlage gegen Israel sei auch viel Pech im Spiel gewesen. "Aber das ist keine Entschuldigung dafür, dass man nicht mit hundertprozentiger Leidenschaft verteidigt", betonte Lazaro.

Auch Aleksandar Dragovic sprach die fehlende Einsatzbereitschaft an. "Es war zu wenig Leidenschaft da", analysierte der Innenverteidiger. "Wenn wir so weiterspielen, haben wir keine Chance, zur EM zu kommen." Der Wiener zeigte sich selbstkritisch: "Jeder muss vor der eigenen Tür kehren, ich auch. Es hilft nichts, immer schön zu reden. Wir haben null Punkte und sind in der Realität angekommen. Wir sind auf die Schnauze gefallen - zurecht."

Goalie Heinz Lindner sah in der Niederlage einen Weckruf. "So können wir nicht auftreten. Die letzte Mentalität hat gefehlt, um alles zu tun, das Tor zu verhindern. In den letzten Jahren hat uns ausgezeichnet, dass Gegner gegen uns schwer zu Toren gekommen sind. Das haben wir heute vermissen lassen."

Rolle als Nationalspieler hinterfragt

Schonungslos fiel das Resümee von Marc Janko aus. "Es ist unerklärlich, wie die Mannschaft so zusammenbrechen kann. Jeder hat probiert, sich zu verstecken, keiner hat seine Aufgaben erfüllt", bilanzierte der Lugano-Stürmer. "Wie wir heute gespielt haben, das war gar nichts. Im Hinblick auf den Sommerlehrgang muss sich jeder bewusst machen, was es bedeutet, Nationalspieler zu sein."

Ob Janko im Sommer noch dabei ist, steht in den Sternen - möglicherweise war das 70. Länderspiel des 35-Jährigen das letzte. "Aber es ist ja in den letzten drei Lehrgängen immer mein potenziell letztes Länderspiel gewesen (Anm.: Janko wurde dreimal nachnominiert). Ich habe bei den Jungs schon ein bisschen an Glaubwürdigkeit verloren, weil ich mich ständig verabschiedet habe", erzählte Janko.

Diesmal könnte es wirklich ein Abschied für immer sein. "Wenn es so ist, dann war es eine superschöne Karriere. Wenn nicht, komme ich gern wieder", erklärte der Lugano-Profi, der nach dem Schlusspfiff Israels Teamchef Andreas Herzog gratulierte. "Man hat gesehen, dass es ihm in Anführungszeichen unangenehm war. Er hat sich nicht provozierend gefreut, sondern ein bisschen mitgefühlt", sagte Janko.

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