Funke-Vorsitzende: "Medienbranche fehlt es an Mut"

von Funke-Vorsitzende: "Medienbranche fehlt es an Mut" © Bild: APA/APA/TOBIAS STEINMAURER/TOBIAS STEINMAURER

Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der deutschen Funke-Gruppe

Der Medienbranche fehle es an Mut und Konsequenz, konstatierte Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der deutschen Funke-Mediengruppe ("WAZ"), am Donnerstag bei den Österreichischen Medientagen in Wien. Um guten Journalismus in die Zukunft zu führen, brauche es nun einen klaren strategischen Fokus auf digitale Produkte, ohne gedruckte Zeitungen zu vernachlässigen. Gleichzeitig müsse man in die klügsten Köpfe und damit Qualität investieren und auf die beste Technik setzen.

Prinzipiell ortete die Funke-Aufsichtsratsvorsitzende "großartige Zeiten für den Journalismus". Aufgrund der Vielzahl an Krisen suchen Menschen nach verlässlichen Informationen. Daher sei die "Suche nach der Wahrheit unser wichtigstes Geschäft". Damit Nutzerinnen und Nutzer Qualitätsmedien erhalten bleiben, brauche es nun einen klaren Fokus auf digitale Produkte. Dabei müsse "datenbasiert, aber nicht datenbesessen" gearbeitet werden.

Auch wenn die Zukunft des Journalismus digital sei, dürfe auf Print nicht vergessen werden. Denn letztlich finanzieren Printleserinnen und Printleser die digitale Transformation. Zeitungen sollten weiterhin mit "hoher Leidenschaft" gestaltet werden. Sonst verspiele man ein großes Erbe. Für die Übergangszeit sei auch die Hilfe des Staates nötig, meinte sie und forderte den Wegfall der Mehrwertsteuer auf gedruckte Zeitungen. Auch müsse der Netzausbau vorangetrieben werden. "Ich kann niemandem ein iPad in die Hand drücken, wenn es einen Tag dauert, ein ePaper downzuloaden."

Der Funke-Mediengruppe, die unter anderem die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) herausgibt, und der Familie Dichand gehören jeweils die Hälfte der "Kronen Zeitung". Seit 2018 ist in Funkes Beteiligungsunternehmen auch die Signa-Holding des österreichischen Immobilienunternehmers Rene Benko an Bord. Das Verhältnis der Eigentümer ist durch Streitigkeiten geprägt, die seit Jahren vor Gericht ausgetragen werden. Becker sprach zur "Kronen Zeitung" gefragt von einem "strategisch wahnsinnig wichtigen Inhalt" für die Funke Mediengruppe. Gleichzeitig meinte sie, dass man nicht dadurch aufgefallen sei, sich außerhalb des Gerichtssaals in das operative Geschäft einzumischen.

Susanne Dickstein, Chefredakteurin der "Oberösterreichischen Nachrichten", zeigte sich "völlig überzeugt", dass Print eine Zukunft habe. "Ich warne stark davor, das totzureden." Digitalisierung sei dennoch klares Wachstumsfeld. Große Herausforderung sei es somit, "endenwollende Kapazitäten" bestmöglich zuzuteilen.

"Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen man dachte, man kann nur mit kleinen Häppchen orientieren", meinte "profil"-Herausgeber Christian Rainer. Große Reportagen, Long-Reads und aufwendige Grafiken funktionieren laut Rainer gut. Ralf Schuler, Leiter der Parlamentsredaktion bei der deutschen "Bild", machte auf einen Trend aufmerksam: "Junge Medienutzerinnen und -nutzer gehen davon aus, dass Nachrichten sie erreichen." Das müssten Medienhäuser berücksichtigen und Nachrichten in passender, konsumierbarer Form aufbereiten.

Die "Gen Z" - also grob ab 1997 geborenen Personen - und wie diese zu erreichen ist, war Thema einer Paneldiskussion. ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz merkte an, dass die junge Generation einen "komplett anderen Medienkonsum" aufweise. "Wir sind bereit und wollen sie ins Haus holen und als Zielgruppe bespielen. Man muss es uns nur lassen", sagte sie und pochte auf eine Digitalnovelle des ORF-Gesetzes. Derzeit ist es dem öffentlich-rechtlichen Medienhaus etwa verwehrt, Inhalte Online-only oder Online-first zu produzieren.

Der reichweitenstärkste Privatradiosender des Landes, Kronehit, geht laut Geschäftsführer Mario Frühauf auf die Gen Z ein. Vor einem Monat wurde etwa eine Talkshow zum Thema mentale Gesundheit eingeführt. "Wir geben jungen Menschen die Möglichkeit, sich auszutauschen, sich mitzuteilen." Prinzipiell sehe man eine Verantwortung in diesem Bereich aktiv und auch auf jenen Plattformen vertreten zu sein, auf denen sich junge Personen aufhalten.

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