Fukushima "wie Tschernobyl": Japan bewertet Katastrophe als ebenso gravierend

Unglück nun in höchste Gefahrenstufe eingeordnet Höhere Strahlenmenge als 1986 ausgetreten?<br>Umweltminister Berlakovich sieht Bedenken bestätigt

Fukushima "wie Tschernobyl": Japan bewertet Katastrophe als ebenso gravierend © Bild: Reuters/Tokyo Electric Power Co

Japan bewertet die Atomkatastrophe von Fukushima nun als ebenso gravierend wie das Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahr 1986. Die Katastrophe wird auf die höchste Stufe 7 statt bisher 5 eingeordnet. Die Einstufung beziehe sich auf den Zeitpunkt des Ausbruchs der Katastrophe vor einem Monat. Unterdessen ist Japan erneut von starken Nachbeben erschüttert worden.

Es handle sich um eine vorläufige Einordnung, betonte ein Sprecher der Atomaufsicht. Die endgültige Bewertung müsse die Internationale Atomenergiebehörde vornehmen. Zuvor hatten japanische Medien berichtet, die Atomaufsicht vermute, dass die Menge des freigesetzten radioaktiven Materials für mehrere Stunden die Grenze von 10.000 Terabecquerel überschritten habe. Damit müsste der Unfall mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gleichgesetzt werden. Ein mit Stufe 7 eingeordneter Vorfall bezeichnet einen katastrophalen Unfall mit schwersten Auswirkungen auf Menschen und Umwelt.

Berlakovich sieht Bedenken bestätigt
Nachdem die AKW-Katastrophe von Fukushima von ihren Auswirkungen her mit jener in Tschernobyl gleichgestellt worden ist, sieht sich Umweltminister Nikolaus Berlakovich seinen Bedenken bestätigt. Jetzt sei eindeutig erwiesen, dass es sich um eine menschenverachtende Technologie handle. Die ganze Situation zeige, "wie verrückt die Atomkraft ist".

Der Umweltminister verwies auf eine in den nächsten Tagen stattfindende Konferenz jener Länder, die nicht auf die Nukleartechnologie setzen. Hier werde man Allianzen bilden und gemeinsam auf europäischer Ebene für einen Atomausstieg werben. Wichtig erscheinen ihm u.a. schärfere Haftungsregelungen für AKW-Betreiber. Diese müssten nicht zur Gänze für die verursachten Schäden haften. Jeder andere Unternehmer oder Landwirt aber schon.

Nachbeben
Ein Erdstoß der Stärke 6,4 vor der Küste der Provinz Chiba ließ am Dienstag auch Häuser in der Hauptstadt Tokio wackeln. Eine Warnung vor Tsunami gab es ebenso keine wie Berichte über mögliche Verletzte oder Schäden. Auch am havarierten AKW Fukushima kam es laut dem Betreiber Tepco zu keinen weiteren Schäden durch das Nachbeben.

Brand in Fukushima
Arbeiter in der Atomruine mussten am Morgen einen kurzzeitigen Brand in der Atomanlage Fukushima eins löschen. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Tepco meldete, hatte ein Arbeiter den Brand in einem Nebengebäude des Reaktors 4 bemerkt. Die Radioaktivität um den Reaktor herum sei dadurch aber nicht gestiegen. Tepco erklärte, das Feuer sei klein gewesen und rasch gelöscht worden.

Arbeitslosenhilfe
Unterdessen plant die Regierung laut Kyodo, eine Billion Yen (8,2 Milliarden Euro) für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Arbeitslosenhilfe zu veranschlagen, um den betroffenen Menschen in den Katastrophenregionen zu helfen.

(apa/red)

Kommentare

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Noch lange nicht alles Fukushima wird, ich bedauere das sehr, Tschernobyl fast vergessen machen.

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Re: Noch lange nicht alles Richtig. Die Folge und Langzeitschäden sind noch gar nicht abschätzbar. Und der EAV-Hit vom \'Burli\' wird zur bitteren Wahrheit.

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